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„Hier werden Ideen schneller umgesetzt“

Skyline von San Francisco
Im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" würden viele deutsche Arbeitnehmer gerne eine Zeit lang arbeiten.
Foto: Annika Voßen

Interview

„Hier werden Ideen schneller umgesetzt“

Die USA gelten als Traumland – auch für deutsche Arbeitnehmer, die gerne eine gewisse Zeit auf der anderen Seite des Atlantiks arbeiten möchten. Welche Berufe in den USA besonders gute Chancen haben und was man im Vorfeld beachten sollte, erklärt Katrin Gillespie. Sie leitet die Personalabteilung bei der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in Atlanta, die für den Süden der Vereinigten Staaten zuständig ist.

abi>> Frau Gillespie, gibt es Branchen oder Berufe, die in den USA besonders gefragt sind?

Katrin Gillespie: Die Autoindustrie sucht geeignete Mitarbeiter. Generell sind mechanisch-technische Berufe momentan besonders gefragt. Viele deutsche Firmen in den USA haben Schwierigkeiten, Arbeitnehmer mit der passenden Berufserfahrung zu finden. Abgesehen davon sind natürlich die Tourismusbranche und die gehobene Hotellerie ein gutes Feld, in dem Kenntnisse der deutschen Sprache zudem als Vorteil gelten.

abi>> Wie gut muss man Englisch sprechen?

Katrin Gillespie: Sehr gut, denn schon die Vorstellungsgespräche finden in der Regel auf Englisch statt. Bei uns zum Beispiel lauten die Aufgaben: Formulieren Sie einen Geschäftsbrief auf Englisch und: Ihr Chef ist überraschend krank geworden, halten Sie eine Willkommensansprache für künftige Mitglieder der Deutsch-Amerikanischen-Handelskammer. Man muss die Sprache also durchaus beherrschen.

abi>> In welcher Phase der Karriere halten Sie einen beruflichen Auslandsaufenthalt grundsätzlich für besonders sinnvoll?

Katrin Gillespie: Ich empfehle einen Auslandsaufenthalt, wenn man in den Zwanzigern oder frühen Dreißigern ist. Dann ist man häufig noch flexibel, aufnahmefähig für andere Kulturen, Arbeitsweisen und Sprachen.

abi>> Welche Vorteile bringt diese Erfahrung für das weitere Berufsleben?

Katrin Gillespie: Das hängt natürlich davon ab, was man von einem Auslandsaufenthalt erwartet. Ich denke, man wächst generell als Mensch und hat Vorteile, wenn man sich später beispielsweise für eine Führungsposition bewirbt.

abi>> Welche organisatorischen Dinge sollte man im Blick haben?

Ein Porträt-Foto von Katrin Gillespie

Katrin Gillespie

Foto: Privat

Katrin Gillespie: Wer mit dem J1-Visum ein Praktikum macht, sollte in Deutschland eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Sie ist Teil des Visums. Deutsche, die länger hier arbeiten, sollten außerdem eine private Rentenversicherung abschließen. Zwar bieten die meisten US-Firmen Rentenpläne und auch Krankenversicherung an – aber die Höhe und der Umfang dieser Leistungen variiert stark je nach Größe des Unternehmens.

abi>> Wie kommt man während eines Praktikums finanziell zurecht?

Katrin Gillespie: Das Leben hier ist nicht gerade günstig. Zudem braucht man häufig ein Auto, muss Kost und Logis bezahlen und will vielleicht ein bisschen Spaß am Wochenende haben – in der Regel muss man auf Erspartes zurückgreifen. Man sollte sich deshalb genau ausrechnen, ob sich das lohnt und etwa durch bessere Aufstiegschancen oder ein höheres Gehalt durch die internationale Erfahrung aufgewogen wird. Ein Glücksfall ist es, wenn die Firmen Visa für die Arbeit anbieten.

abi>> Klingt nicht ganz einfach. Gibt es noch einen anderen Weg ins Traumland USA?

Katrin Gillespie: Ich rate allen, die hier leben und arbeiten wollen, bei der jährlichen Green Card Lotterie mitzumachen – auch häufiger. Irgendwann klappt es.

abi>> Welche Unterschiede bestehen zu Deutschland?

Katrin Gillespie: Man sollte mindestens ein Jahr Zeit mitbringen, um Land und Leute und natürlich die Arbeitswelt kennenzulernen. Deutschland ist kulturell ähnlich gestrickt, in der Geschäftswelt aber ein kompletter Gegensatz. Ich rate jedem Neuzugang aus Deutschland Fragen zu stellen. In Deutschland ist die Hierarchie sehr wichtig, in den USA werden Ideen schneller umgesetzt. Überhaupt ist vieles im amerikanischen Arbeitsleben auf Eigenverantwortung ausgelegt: Welche Krankenversicherung wähle ich? Wie lege ich meine Rentenbeiträge an? Außerdem werden viele staunen: Wer neu in einem Unternehmen ist, hat oft nur zehn Tage Urlaub im Jahr, plus vier bis sechs Feiertage. Bei Krankheit werden meist nur fünf Tage bezahlt – pro Jahr.

abi>> 01.04.2016