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Auf zu neuen Ufern

Eine alte Ruine in Mexiko
Auch nach der Arbeit gibt es in Mexiko viel zu erkunden.
Foto: David Fiedler

Arbeiten in einem Schwellenland

Auf zu neuen Ufern

Internationale Luft schnuppern, die Arbeitspraktiken in einem anderen Land kennenlernen, die eigene Karriere vorantreiben: Es gibt genügend Gründe, warum deutsche Arbeitnehmer Berufserfahrung im Ausland sammeln wollen. Aber nicht jeden zieht es nach Westeuropa oder Nordamerika. Viele finden es reizvoll, in einem Schwellenland zu arbeiten und zu leben.

Einer von ihnen ist Stefan Böhm. Der junge Elektrotechnikingenieur ist seit 2017 für Bosch in Mexiko und erhofft sich durch seinen Aufenthalt einen Karrieresprung nach vorne. „So eine Chance bietet sich nur einmal und muss ergriffen werden!“, sagt Stefan Böhm voller Überzeugung. Seit Mai 2017 arbeitet er in einem Produktionswerk der Robert Bosch GmbH in San Luis Potosí im nördlichen Zentralmexiko. Es ist nicht sein erster beruflicher Auslandsaufenthalt, für Bosch hat er bereits in China, Südkorea und mehrmals in Mexiko gearbeitet. Nur nie so lange: Vier Jahre wird der 28-Jährige insgesamt in dem Schwellenland sein.

Ein Porträt-Foto von Stefan Böhm

Stefan Böhm

Foto: Jacqueline Böhm

„Ein Auslandsaufenthalt ist bei Bosch ein wichtiger Karrierebaustein, Internationalität hat dort einen hohen Stellenwert“, sagt der Elektrotechnikingenieur, der auch sein duales Studium bei dem Unternehmen absolviert hat. Entsprechend gut ist er von Bosch mit Seminaren, einem Sicherheitstraining und einem Sprachkurs vorbereitet worden. Zudem wurde ihm bei organisatorischen Fragen geholfen und eine einwöchige Reise zur Wohnungssuche ermöglicht. Auch wenn es Schattenseiten gebe, etwa weil man Familie und Freunde zurücklassen muss, bereut Stefan Böhm seine Entscheidung nicht – zumal seine Frau, die mit Unterstützung von Bosch ein Fernstudium beginnen wird, ihn begleitet. „Land und Leute begeistern mich immer wieder, die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen ist einmalig“, schwärmt er. Und obwohl der Lebensstandard nicht auf demselben Niveau wie in Deutschland sei, seien die Menschen stets zuvorkommend und positiv eingestellt.

Wirtschaftsstruktur im Umbruch

Mexiko steht zusammen mit 217 weiteren Staaten auf der Liste der sogenannten „Middle-income economies (MICs)“ der Weltbank. Darunter Südafrika, Brasilien, Indien aber auch Russland, Polen und Portugal. 73 Prozent der Armen in der Welt leben in MICs, gleichzeitig sind die Volkswirtschaften dieser Länder ein wichtiger Motor des globalen Wachstums. Der Internationale Währungsfonds bezeichnet rund 150 Staaten als Schwellen- und Entwicklungsländer.

„Eine allgemeingültige Definition, wann ein Land als Schwellenland gilt, gibt es nicht“, sagt Anna Westenberger, Senior Manager Asien/Pazifik bei Germany Trade & Invest (GTAI), der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Grundsätzlich könne man aber sagen, es handle sich um Länder, die sich auf dem Weg zu einer Industrienation befinden. „Die Wirtschaftsstruktur ist im Umbruch und wandelt sich in der Regel von einer Agrarwirtschaft hin zu mehr Industrie oder Dienstleistung“, definiert sie. Wobei sich nicht alle Wirtschaftszweige und Gegenden gleich schnell entwickeln, weshalb die Schere zwischen Arm und Reich oft groß sei.

Für deutsche Unternehmen sind solche Länder aufgrund ihres oft hohen Wachstums interessant. „Zudem sind sie noch weit davon entfernt, alles was sie benötigen, selbst zu produzieren“, erläutert Anna Westenberger. Eine gute Gelegenheit also für ausländische Firmen, Maschinen, Vorprodukte, Konsumgüter und anderes in solche Länder zu liefern oder vor Ort herzustellen. Auch Dienstleistungen etwa im Bereich Infrastruktur werden in vielen Schwellenländern benötigt.

Expats als Repräsentanten

Ein Poträt-Foto von Anna Westenberger

Anna Westenberger

Foto: GTAI/Illing & Vossbeck Fotografie

Als Expatriate, kurz Expat, hat man die Möglichkeit, die deutschen Geschäfte im Land mitzugestalten. Das Wort bezeichnet Mitarbeiter, die von Firmen für eine befristete Zeit in eine ausländische Niederlassung entsendet werden. Zum Beispiel, um in einem Schwellenland ein Projekt zu koordinieren oder eine neue Abteilung mit aufzubauen. „So eine Aufgabe kann einen Karrieresprung vorbereiten. Man kann sich in einer verantwortungsvollen Position beweisen“, sagt Anna Westenberger. Ein Expat sei oft Mittler zwischen der Zentrale und dem jeweiligen Standort. „Er ist Repräsentant des deutschen Unternehmens“, ergänzt sie. In der Regel bleibe ein Expat mindestens zwei Jahre im Ausland.

Ganz wichtig dafür ist eine gute Vorbereitung, betont die Expertin. Wie intensiv das entsendende Unternehmen Expats unterstütze, sei allerdings sehr unterschiedlich: „Es gibt Arbeitgeber, die Sprachkurse und Trainings bieten. Bei manchen ist es auch möglich, vorab in das Land zu reisen, um sich einen Eindruck zu verschaffen.“ Es komme jedoch ebenfalls vor, dass Expats ins kalte Wasser geworfen würden. Dann sei es notwendig, sich selbst möglichst umfassend beispielsweise über kulturelle und religiöse Besonderheiten zu informieren. Die GTAI bietet zu vielen Ländern ausführliche Infos, etwa zur Geschäfts- und Verhandlungspraxis (siehe auch das Interview Es gibt viele Fettnäpfchen").

Auf eigene Faust

Frühzeitig und intensiv sollte man sich mit Einreise- und Aufenthaltsregelungen sowie arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Fragen beschäftigen. Die Regelungen sind je nach Land und Beschäftigungsverhältnis verschieden. Zu einigen Staaten bietet die Bundesstelle für Auswanderer und Auslandstätige Infos und Links; und die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit berät auslandsinteressierte Arbeitnehmer.

Natürlich ist es auch möglich, auf eigene Faust eine Stelle in einem Schwellenland zu finden. Als Arbeitgeber kommt quasi jeder in Frage – von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen bis hin zu Entwicklungshilfe-Organisationen. Ingenieure können ebenso Arbeit finden wie Ärzte, Unternehmensberater oder Marketingexperten. „Man muss ganz individuell recherchieren“, rät Anna Westenberger und verweist auf die Möglichkeit einer Initiativbewerbung. Unterstützung bei der Stellensuche können auch die Auslandshandelskammern sowie die ZAV bieten.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild.

www.berufenet.arbeitsagentur.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Der Internationale Personalservice der ZAV berät auslandsinteressierte Arbeitnehmer, Ausbildungssuchende und Studierende, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben und sich für einen lang- oder kurzfristigen Aufenthalt im Ausland interessieren.

https://www3.arbeitsagentur.de/web/content/DE/service/
Ueberuns/WeitereDienststellen/ZentraleAuslandsund
Fachvermittlung/index.htm

Bundesstelle für Auswanderer und Auslandstätige

Die Stelle ist angesiedelt beim Bundesverwaltungsamt und bietet weiterführende Links und Informationen zu verschiedenen Ländern, darunter Einreise-, Aufenthalts- und Zollbestimmungen sowie arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Regelungen.

www.bva.bund.de/DE/Themen/BuergerVerbaende/
Auswanderer/0_BAA_node.html

Germany Trade & Invest (GTAI)

GTAI ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Mit über 50 Standorten weltweit und einem Partnernetzwerk unterstützt GTAI deutsche Unternehmen bei ihrem Weg ins Ausland, wirbt für den Standort Deutschland und begleitet ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung in Deutschland.

www.gtai.de

Deutsche Auslandshandelskammern (AHK)

Die AHKs beraten, betreuen und vertreten weltweit deutsche Unternehmen, die ihr Auslandsgeschäft auf- oder ausbauen wollen. AHKs sind Institutionen der deutschen Außenwirtschaftsförderung. Sie helfen zudem qualifizierten Bewerbern bei der Suche nach passenden Stellen im Ausland. Zahlreiche AHKs arbeiten mit einem professionellen Bewerbermanagementsystem, in dem man sich registrieren kann.

www.ahk.de

Auswärtiges Amt

Das Auswärtige Amt vertritt die Interessen Deutschlands in der Welt, es fördert den internationalen Austausch und bietet Deutschen im Ausland Schutz und Hilfe. Im Internet bietet es ausführliche Länderinformationen wie Reise- und Sicherheitshinweise.
www.auswaertiges-amt.de

Rausvonzuhaus

Informationen rund um das Thema Auslandsaufenthalte und internationale Begegnungen für junge Leute inklusive Länderinformationen
www.rausvonzuhaus.de

Infoportal „Wege ins Ausland”

Auf der Website informieren zehn verschiedene Institutionen über Wege ins Ausland. Angesprochen sind Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende und Berufstätige sowie alle anderen, die sich gezielt über die unterschiedlichen Möglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes informieren möchten.

www.wege-ins-ausland.org

Verein Deutsche im Ausland (DIA)

Ziel des Vereins ist die Bereitstellung von Informationen, Adressen und Links zur Verbesserung der Lebensverhältnisse von Deutschen im Ausland.
www.deutsche-im-ausland.org

abi>> 30.07.2018