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„Es gibt viele Fettnäpfchen“

Verschiedene europäische Flaggen in einem Büro
Andere Länder, andere Sitten: Anna Westenberger erklärt, worauf es im Ausland ankommt.
Foto: Nicole Schwab

Arbeiten in einem Schwellenland – Interview

„Es gibt viele Fettnäpfchen“

Von Dos und Don'ts, Sprachkenntnissen und der Rückkehr in die Heimat: Anna Westenberger, Senior Manager Asien/Pazifik bei der Germany Trade & Invest (GTAI), gibt Tipps fürs Arbeiten und Leben in einem Schwellenland.

abi>> Was muss ich beachten, wenn ich in einem Schwellenland lebe?

Anna Westenberger: Es gibt viele Fettnäpfchen! Im Vorfeld muss man sich über Dos und Don'ts schlaumachen: Wie kleide ich mich richtig? Wann wird was gegessen? Wie begrüßt man sich? Wie überreicht man eine Visitenkarte? Kommunikation ist ein wichtiger Bereich: Wir Deutschen kommunizieren sehr direkt, das kommt zum Beispiel in Asien nicht immer gut an. Auch Sicherheit spielt eine Rolle: Kann man nachts unbesorgt allein unterwegs sein? Und natürlich die Religion. So sollte man einen strenggläubigen Muslim besser nicht zu einem Feierabendbier einladen.

abi>> Muss ich die Landessprache lernen?

Ein Poträt-Foto von Anna Westenberger

Anna Westenberger

Foto: GTAI/Illing & Vossbeck Fotografie

Anna Westenberger: Das kommt auf das Land und die Arbeit an. Nicht immer sprechen alle Mitarbeiter Englisch. Die Landessprache zumindest ansatzweise zu beherrschen, ist ein Zeichen des Respekts, zeigt, dass man sich für die Menschen und ihr Land interessiert, und öffnet viele Türen – beruflich wie privat. Und es erleichtert den Alltag, etwa beim Einkaufen oder wenn man einen Handwerker benötigt. Manche Expats stellen für solche Dinge aber auch eine Englisch sprechende Haushaltshilfe an.

abi>> Wie gelingt es, anzukommen und Fuß zu fassen?

Anna Westenberger: Wenig schlafen! (lacht) So war es bei mir am Anfang in Delhi, Indien, wo ich vier Jahre für die GTAI gearbeitet habe. Man muss im neuen Job Vollgas geben und gleichzeitig so viel rausgehen wie möglich, ein Gefühl für Land und Leute bekommen, berufliche und private Kontakte knüpfen. Die deutschen Botschaften und die Auslandshandelskammern bieten oft interessante Veranstaltungen, die beim Ankommen helfen.

abi>> Was bringt mir ein solcher Aufenthalt?

Anna Westenberger: Er erweitert den Horizont. Ich habe beispielsweise gelernt, flexibler zu sein. Der Aufenthalt kann auch einen Karrieresprung vorbereiten. Außerdem gewinnt man neue Kontakte für sein berufliches Netzwerk. Wenn man von einem Unternehmen entsendet wurde, ist es wichtig, stets Kontakt zur Zentrale zu halten und die Rückkehr frühzeitig vorzubereiten. Neben der Familie sollte man unbedingt auch zu seinem Freundeskreis möglichst engen Kontakt halten, um sein soziales Netzwerk nicht zu verlieren. Wenn man auf eigene Faust unterwegs ist, sollte man sich frühzeitig wieder bewerben. Ein sehr langer Auslandsaufenthalt kann aber auch problematisch sein. Dann stellen sich Arbeitgeber eventuell die Frage, wie integrierbar man noch ist, etwa, wenn man auf dem Auslandsposten sehr selbstbestimmt gearbeitet hat und sich nun wieder in rigidere Strukturen einfügen muss.

abi>> 30.07.2018