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Einmal Schottland und zurück

Spielsteine mit aufgedruckten Buchstaben liegen auf einem Holzbrett und bilden das Wort Sprache.
Nach ihrem Auslandsaufenthalt gründete Karin Holzapfel ihr eigenes Sprachinstitut.
Foto: Tim Wraneschitz

Arbeiten in Großbritannien

Einmal Schottland und zurück

Nach ihrem Studienabschluss im Jahr 2010 entschied sich Karin Holzapfel, nach Schottland zu gehen, um dort eine Zeit lang zu leben und zu arbeiten. Ein Sprung ins kalte Wasser, der sich für die 32-Jährige rundum gelohnt hat. Heute leitet sie in Sinzing bei Regensburg ihr eigenes Sprachinstitut und profitiert dabei noch immer von ihrer Auslandserfahrung.

Karin Holzapfel aus Sinzing hatte gerade ihren Magister in britischer, amerikanischer und neuer deutscher Literaturwissenschaft an der LMU München abgeschlossen, als ihr Mann ein Angebot für eine Stelle an der Universität in Glasgow bekam. „Lange mussten wir nicht darüber nachdenken. Für eine Weile nach Schottland zu ziehen, war für uns schon länger ein Traum“, erklärt Karin Holzapfel. „Durch eine Urlaubsreise kannte ich Schottland bereits und war auf Anhieb von der Landschaft, der Kultur und den Menschen begeistert.“

Die Vorbereitungen verliefen problemlos ab: „Wir mussten uns weder um ein Visum, noch um eine Arbeitsgenehmigung kümmern. Lediglich bei der Wohnungssuche benötigten wir Referenzen von einem Arbeitgeber“, sagt sie. „Das ist in Schottland so üblich.“ Da ihr Mann bereits eine Stelle hatte, war das kein Problem. „Als EU-Bürger hatten wir zudem freien Zugang zur medizinischen Versorgung, die in Großbritannien von einem nationalen Gesundheitssystem organisiert wird.“ Ob sich die Bedingungen für deutsche Arbeitnehmer in Großbritannien nach dem geplanten Austritt aus der EU ändern werden, steht noch nicht fest (Stand November 2016).

Schottisch und andere Herausforderungen

Ein Porträt-Foto von Karin Holzapfel

Karin Holzapfel

Foto: privat

In Glasgow lebte sich Karin Holzapfel schnell ein: „Wir wurden durchweg freundlich aufgenommen. Da die Menschen in Schottland in der Regel sehr offen sind, lernten wir schnell Leute kennen. Mit einigen von ihnen bin ich heute noch befreundet.“ Generell fiel ihr die lockere und entspannte Art der Schotten auf. „Darin unterscheiden sich die Schotten doch sehr von den Deutschen. Manchmal kann diese Gelassenheit aber auch Nachteile haben. Zum Beispiel, wenn die Heizung mitten im Winter streikt und sich der Hausmeister mehrere Tage Zeit lässt, sie zu reparieren. Dann wünscht man sich doch etwas mehr Zuverlässigkeit“, erzählt sie.

Gewöhnungsbedürftig fand Karin Holzapfel auch die schottische Sprache: „Obwohl ich bereits fließend Englisch gesprochen habe, war Schottisch doch eine Herausforderung. Am Anfang habe ich die Leute, die nur Schottisch sprachen, kaum verstanden. Mit der Zeit wurde das aber besser.“

Viel Raum fürs Privatleben

Etwa ein halbes Jahr bewarb sich Karin Holzapfel vor Ort bei Unternehmen, bis sie schließlich eine Stelle bei Traveltek bekam. Das internationale Unternehmen entwickelt Buchungsplattformen für Reiseveranstalter. „Dort übersetzte und lektorierte ich Texte rund ums Thema Reisen – vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt. Das hat mir viel Spaß gemacht.“ Zusätzlich arbeitete sie freiberuflich als Deutschlehrerin. In einer Bibliothek unterrichtete sie Studierende, Rentner und Berufstätige, die ihre Deutschkenntnisse auffrischen wollten.

Arbeit und Freizeit konnten sie und ihr Mann gut unter einen Hut bekommen. „Die Schotten definieren sich nicht über ihre Arbeit, sondern versuchen, sie bestmöglich in ihr Leben zu integrieren“, sagt sie. „Außerdem hatten wir das Glück, flexible Arbeitgeber zu haben. Wenn schönes Wetter war, konnten wir uns auch kurzfristig ein paar Tage frei nehmen. Die Gelegenheit haben wir oft genutzt, um das Land zu bereisen“, berichtet sie.

Projekt Sprachinstitut

Vier Jahre blieben Karin Holzapfel und ihr Mann in Glasgow. Dann zog es sie wieder in ihre Heimat zu ihrer Familie. Im Jahr 2015 erfüllte sie sich einen weiteren Wunsch: Sie gründete das Sprachinstitut „Regensburger Land“, das Sprachkurse für Erwachsene, Schüler und Kinder anbietet. Ihre interkulturellen Kompetenzen kann sie dabei optimal einbringen. „Ohne die Erfahrungen, die ich in Schottland gesammelt hatte, hätte ich mir das wahrscheinlich nie zugetraut“, meint sie. „In den vier Jahren in Schottland bin ich immer wieder über mich hinaus gewachsen und habe viel über mich selbst gelernt.“

Zur englischen Übersetzung >>

abi>> 19.12.2016