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In Indien das Improvisieren lernen

Sonam Spitz, 32, arbeitet als Indologe in Hamburg. Hier vor einem buddhistischen Schrein im tibetischen Zentrum.
Im Ausland können viele Erfahrungen gesammelt werden, die später im Beruf von Vorteil sein können.
Foto: Sonja Brüggemann

Arbeiten in Indien

In Indien das Improvisieren lernen

Mehr als zwei Jahre hat Stefan Weiler in Mumbai für eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gearbeitet – und dabei Land, Leute und vor allem eine andere Arbeitsmentalität kennengelernt. Eine spannende Zeit, die ihn beruflich und persönlich vorangebracht hat, resümiert der 30-jährige Betriebswirt für abi>>.

Jugaad“ – eine wirklich passende Übersetzung für dieses Wort aus der Hindi-Sprache gibt es nicht. „Es beschreibt das Konzept der indischen Improvisationskunst, das in allen Lebenslagen angewendet wird“, erklärt Stefan Weiler. Und Improvisation war manchmal auch im Arbeitsalltag notwendig, denn dieser ist in Indien oft schwer vorhersehbar. „Vieles wird kurzfristiger angesetzt, entschieden und durchgeführt – vor allem im Vergleich zu Deutschland“, ergänzt er. Flexibilität und Offenheit sollte man also mitbringen, wenn man in Indien arbeiten möchte – und eben die Fähigkeit zu „Jugaad“.

Ein bisschen etwas davon hat Stefan Weiler aus seiner Zeit in Indien mitgebracht. Der Betriebswirt ist gerade aus Mumbai zurückgekehrt. Von Januar 2016 bis Mai 2018 war er dort und hat für eine internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gearbeitet. Seine Aufgabe war es, als Senior Relationship Manager einen sogenannten „German Desk“ mit aufzubauen. Das Beratungsangebot richtet sich an deutschsprachige Mandanten der Gesellschaft – vorwiegend Großkonzerne und mittelständische Unternehmen – die bereits in Indien aktiv sind, sowie an solche, die Interesse an einer Markterschließung haben.

Metropole mit 20 Millionen Menschen

Ein Porträt-Foto von Stefan Weiler

Stefan Weiler

Foto: privat

Bevor er mit der Arbeit begann, war er schon zweimal nach Mumbai gereist, um einen Eindruck von der Metropolregion zu bekommen, in der geschätzt mehr als 20 Millionen Menschen leben. Dort könne man alles machen wie in den meisten anderen Metropolen auch, meint der 30-Jährige und erzählt von guten Restaurants, Bars, Clubs und vom Segeln in der Bucht. Es sei jedoch sinnvoll, sich den lokalen Gepflogenheiten etwas anzupassen. „Westliche Lebensmittel etwa sind teilweise sehr teuer“, merkt er an. Anfangs sei es schwer gewesen, sich zurechtzufinden und sich an die „unglaubliche Energie, die Vielzahl der Menschen und vor allem den Verkehr“ zu gewöhnen. Spannend und zugleich anspruchsvoll fand er es, eine neue Kultur kennenzulernen und sich in das neue Arbeitsumfeld einzugewöhnen.

Genau das hatte Stefan Weiler gereizt. „Ich wollte schon immer die Welt sehen, nicht nur für eine Woche als Tourist ein Land besuchen, sondern in andere Kulturen eintauchen und den Alltag miterleben.“ Bereits nach dem Abi zog es ihn ins Ausland: An der englischen Oxford Brookes University studierte er Internationale Betriebswirtschaftslehre und absolvierte am King´s College London den Masterstudiengang Internationale Beziehungen mit Schwerpunkt Politik und Ökonomie des Nahen Ostens und Schwellenländer.

Berufseinstieg in Saudi-Arabien

Dass er die Gelegenheit zu einem Bewerbungsgespräch bei einer der weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erhielt, verdankt er dem Netzwerk, das er sich während seiner vorherigen Anstellung aufgebaut hat. Seinen Berufseinstieg machte er bei der Auslandshandelskammer (AHK) in Riad, Saudi-Arabien. Zweieinhalb Jahre war er dort unter anderem als stellvertretender Delegierter der deutschen Wirtschaft für die Markteinstiegsberatung in Saudi-Arabien, Bahrain und den Jemen verantwortlich.

„Junge, ungebundene Berufseinsteiger können über das Netz der AHKs neben Praktika und Trainee-Stellen auch Festanstellungen im Ausland finden, die viel Abwechslung bieten“, sagt er. Denn gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern böten sich spannende Möglichkeiten auch für Leute mit wenig Berufserfahrung. „Man kann sich einbringen, weil es in vielen Bereichen Entwicklungsbedarf gibt.“ Wie in Indien: Die Gelegenheit, einen „German Desk“ in einem so großen und wirtschaftlich stark wachsenden Land mit aufzubauen, war für Stefan Weiler einer Riesenchance. „So kann man schon früh wichtige Berufserfahrung sammeln, was einen wiederum in der Karriere voranbringt.“

abi>> 30.07.2018