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Ein Sprung ins kalte Wasser

Ein Restaurant in Rom
La Dolce Vita! Wer würde das italienische Lebensgefühl nicht gerne auch außerhalb des Urlaubs genießen?
Foto: Archiv Möller Medien

Arbeiten in Italien

Ein Sprung ins kalte Wasser

Seit eineinhalb Jahren arbeitet Wayne Kern (35) als Leiter eines Produktionswerks von Bosch im norditalienischen Correggio. Eine spannende, aber anspruchsvolle Aufgabe – nicht zuletzt auch wegen der kulturellen Unterschiede zwischen seiner neuen und seiner alten Heimat.

Als Wayne Kern von seinen Vorgesetzten gefragt wurde, ob er für Bosch einige Jahre in Italien arbeiten würde, erstellten er und seine Frau zunächst eine Pro- und Contra-Liste. Denn eigentlich bereiteten die beiden gerade erst die Rückkehr von einem dreieinhalbjährigen Aufenthalt in China vor und hatten damit gerechnet, wieder in Deutschland zu leben. „Doch Bosch machte mir ein tolles Angebot“, sagt Wayne Kern lachend.

Der 35-Jährige, der schon sein duales BWL-Studium bei seinem heutigen Arbeitgeber absolviert hatte, sollte als nächsten Karriereschritt die Leitung eines Produktionswerks im norditalienischen Correggio übernehmen. Vor Ort würde er sich vor allem um die Themen Marketing, Controlling und Personalführung kümmern – eine Herausforderung in gleich mehrfacher Hinsicht: „Ich habe einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und sollte nun als Chef von 250 Leuten den technischen Bereich übernehmen und damit in einem zum Teil neuen Fachbereich arbeiten, und das, ohne ein Wort Italienisch zu sprechen. Nach einigem Abwägen des Für und Wider fanden meine Frau und ich den Gedanken aber reizvoll, uns für einige Zeit in Italien niederzulassen“, erzählt er.

Italienisch sprechen bricht das Eis

Ein Porträt-Foto von Wayne Kern

Wayne Kern

Foto: privat

Und so ging es für das Ehepaar Kern ohne Umweg über Deutschland von China nach Italien. Viel Zeit zur Vorbereitung blieb da nicht: „Glücklicherweise bekamen wir viel Unterstützung von meinem Arbeitgeber, was die Wohnungssuche und die organisatorischen Dinge, wie das Beantragen einer Steuernummer, anging.“

Italienisch lernt Wayne Kern erst, seitdem er dort ist. Zwei Mal in der Woche füllt der Sprachunterricht seine Mittagspause: „Mittlerweile verstehe ich die Menschen hier recht gut und spreche auch selbst ganz passabel. Und wenn es mal nicht weitergeht, verständige ich mich zur Not mit Händen und Füßen. Alleine der Versuch, sich in der Landessprache auszudrücken, öffnet hier schon die Herzen der Menschen“, ist seine Erfahrung.

Enge Bande und strenge Hierarchien

Schwieriger sei es hingegen, engeren Kontakt zu Italienern aufzubauen: „Die Leute sind sehr freundlich im ersten Gespräch, verbringen aber ihre Freizeit ausschließlich mit der Familie. Dadurch hat man kaum eine Chance, Teil dieses Netzwerks zu werden.“ Dass Freunde gewinnen so schwierig sein würde, hatte Wayne Kern nicht erwartet: „Italiener gelten als sehr offen und so waren meine Frau und ich überrascht, dass es einige Monate dauerte, bis wir Anschluss an Einheimische fanden.“

Andere Klischees dagegen stimmten tatsächlich, sagt der Wahlitaliener schmunzelnd: „Italiener haben eine andere Herangehensweise an die Dinge: Während Deutsche ja meistens alles gründlich erledigen wollen, geht es Italienern vorrangig um Schnelligkeit. Misslingt etwas durch fehlende Sorgfalt, ist das kein Drama – die Aufgabe wird einfach nochmal angegangen.“

Etwas gewöhnungsbedürftig sei das schon, ebenso wie die große Bedeutung von Hierarchien: „Titel sind in Italien enorm wichtig. Der Chef wird grundsätzlich nicht kritisiert, eine Diskussionskultur, wie ich sie von zu Hause kannte, gibt es hier nicht. Ich musste meinen Mitarbeitern erst einmal ermutigen, nicht alle meine Vorschläge abzunicken, sondern ehrlich ihre Meinung zu äußern“, erklärt der Produktionsleiter.

Sehnsucht nach der Heimat

Rund zwei Jahre werden Wayne Kern und seine Frau noch in ihrer momentanen Wahlheimat verbringen, dann wollen sie nach Stuttgart zurückkehren. Die Sehnsucht nach der Heimat, nach Freunden und Familie, ist in manchen Momenten groß. Und auch einige Annehmlichkeiten – vor allem kulinarischer Art – fehlen ihnen: „Es geht uns da sicher wie fast allen, die in der Ferne plötzlich Heimisches wie gute Leberwurst und leckere Brötchen vermissen. Und das, obwohl man in Italien natürlich wunderbar essen gehen kann, sogar ein wenig günstiger als in Deutschland“, schildert er.

Dem Leben als Globetrotter werden die Kerns dennoch wohl nie vollkommen abschwören: „Dass wir nach einiger Zeit in Deutschland eines Tages wieder für eine Weile ins Ausland gehen, halte ich für ziemlich wahrscheinlich.“

Hier geht's zum Steckbrief >>

abi>> 18.11.2016