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Einsatz für plastikfreie Ozeane

Plastikmüll an einem Strand
Die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll wird zu einem zunehmenden Problem für Mensch und Umwelt.
Foto: Julia Hager

Meeresforscherin in der Tiefsee

Einsatz für plastikfreie Ozeane

„Fishing for Microplastic“ – unter diesem Motto leistet Julia Hager ihren Beitrag zum Kampf gegen die Vermüllung der Ozeane. Mit abi>> hat die 37-jährige Diplom-Meeresbiologin über ihr Forschungsprojekt gesprochen und erzählt, wie es ist, mit anderen Wissenschaftlern mehrere Wochen lang auf See zu verbringen.

Plastikflaschen, Flip-Flops, Feuerzeuge, Stifte – jede Menge Müll hat Julia Hager an den Stränden des Mergui-Archipels bei Myanmar entdeckt. All diese Dinge wurden angeschwemmt, denn die Inseln selbst sind unbewohnt. Mehrere Tage lang hat die Meeresbiologin Sand gesiebt, um zu ermitteln, wie viel Mikroplastik – Kunststoffteilchen, die zwischen ein und fünf Millimeter groß sind – an die Strände dieses eigentlich noch unberührten Biosystems gespült wurde. Die so gewonnenen Mikroplastikteilchen werden gezählt und untersucht.

Der Ozean als wichtige Nahrungsquelle

„Fishing für Microplastic“ lautet der Name des Projekts, das Julia Hager mithilfe von Sponsoren verwirklicht. Ende 2015 war sie gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern in den Gewässern des artenreichen Archipels unterwegs. „Solche Biodiversitäts-Hotspots sind existentiell für die Erhaltung der Ozeane, die auch uns Menschen als Nahrungsquelle dienen“, erklärt sie. „Jeder Tropfen Wasser, den wir trinken und mehr als jedes zweite Sauerstoffmolekül, das wir einatmen, haben ihren Ursprung im Meer. Ohne gesunde Ozeane wird die Menschheit sowie fast alle anderen Lebewesen auf der Erde nicht überleben können“.
Ihre Forschungsergebnisse will die Biologin publizieren und die Daten unter anderem der Regierung von Myanmar sowie der UNESCO zukommen lassen, in der Hoffnung, dass letztere den Archipel in die Liste der Weltnaturerbestätten aufnimmt. Eine weitere Expedition zum Archipel ist in Vorbereitung. Dann wird Julia Hager wieder die Infrastruktur des Vereins „Project Manaia“ des Meeresbiologen Manuel Marinelli nutzen, zu dem auch der auf wissenschaftliche Zwecke ausgerichtete Segelkatamaran SeaNomad gehört.

Kinder für das Thema sensibilisieren

Ein Porträt-Foto von Julia Hager

Julia Hager

Foto: Privat

Da es in ihrem Beruf nicht einfach sei, eine Festanstellung zu finden, organisiert Julia Hager derzeit ihre berufliche Selbstständigkeit. Dazu zählt auch das Projekt „Fishing for Microplastic“. Zudem plant sie Vorträge in Schulen, um Kinder für einen verantwortungsvollen Umgang mit Müll zu sensibilisieren. Denn: „Von der Forschung allein wird der Müll nicht weniger. Alles, was man achtlos wegwirft, kann über Wind, Abwasserkanäle oder Flüsse ins Meer gelangen.“

Auf das Thema ist Julia Hager in Oregon gestoßen, wo sie nach ihrem Diplomstudium der Meeresbiologie mit Schwerpunkt Marine Zoologie in Bremen (heute Master Marine Biology) an der Oregon State University arbeitete: „Nach einem Sturm sah es an den Stränden dort katastrophal aus.“ Schon während dieser Zeit in den USA nahm sie an drei mehrwöchigen Forschungsschiffsreisen teil. Solche Exkursionen seien der spannendste Teil ihres Berufs und eine gute Abwechslung zur Büro- und Laborarbeit, die den Berufsalltag prägen. Beispielsweise war sie in der Beringsee mit einem Team unterwegs, das nordpazifische Glattwale „getaggt“, also mit Sendern versehen hat, über die die Bewegungen der Tiere verfolgt werden können. Julia Hagers Aufgabe war es, die Wale mithilfe von Unterwassermikrofonen zu lokalisieren.

Zehn Wochen in der Antarktis

„Das Leben und Arbeiten auf einem Schiff ist herrlich“, schwärmt die 37-Jährige. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit, die sie am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven über im Eis eingeschlossene Algen verfasst hat, fuhr sie auf der Polarstern mit – dem mit 118 Metern Länge größten deutschen Forschungsschiff. Zehn Wochen war sie mit dem Eisbrecher in der Antarktis unterwegs; insgesamt befanden sich 50 Wissenschaftler und weitere 50 Schiffsangestellte an Bord.

Heimweh hatte sie nicht – nur frisches Obst und Gemüse habe sie irgendwann vermisst. Auch war es für sie kein Problem, mit vielen Menschen über mehrere Wochen auf engem Raum zu leben und sich mit einer Kollegin eine kleine Stockbett-Kabine zu teilen. Dort hat sie ohnehin nur wenig Zeit verbracht, denn auf einem Schiff gibt es ständig was zu tun: Wenn sie nicht gerade selbst im Labor stand, schaute sie den anderen Wissenschaftlern über die Schulter oder beobachtete Vögel, Robben und Pinguine. Sie hat miterlebt, wie sich ein gigantischer Eisklotz, den das Forschungsschiff gebrochen hat, neben der Bordwand drehte. Auch einen heftigen Sturm mit bis zu 15 Meter hohen Wellen, der riesige Eisblöcke in den Bug schleuderte, hat sie überstanden. „Ein bisschen Angst hatte ich damals zunächst schon“, erinnert sich Julia Hager. Aber als es etwas ruhiger wurde und sie auf die Brücke durfte, sei es einfach nur cool gewesen – „wie Achterbahnfahren.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

Geomar

Das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist eine der weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung. Aufgabe des Instituts ist die Untersuchung der chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse im Ozean und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre.
www.geomar.de

Alfred-Wegener-Institut

Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) forscht in den Polarregionen und Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Als eines von 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft koordiniert es Deutschlands Polarforschung und stellt Schiffe wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen für die internationale Wissenschaft zur Verfügung.
www.awi.de

Konsortium Deutsche Meeresforschung e.V.

Das KDM ist Partner bei der Identifizierung neuer Forschungsfelder und der Entwicklung internationaler Forschungsstrategien. Ziel des KDM ist die Förderung der Meeresforschung und die Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für marine Wissenschaften.
www.deutsche-meeresforschung.de

Deutsche Gesellschaft für Meeresforschung

Die Deutsche Gesellschaft für Meeresforschung (DGM) ist seit 1980 die Plattform für den Informations- und Meinungsaustausch zu meereskundlichen Themen. Sie versteht sich als unabhängiges Diskussionsforum für forschungspolitische Fragen und kooperiert mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.
www.dg-meeresforschung.de

mountain2ocean

Internetseite der Meeresbiologin Julia Hager mit Informationen zu ihrem Projekt „Fishing for Microplastic“
www.mountain2ocean.org/wordpress

Wissenschaftsjahr 2016/17 – Meere und Ozeane

Informationen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Wissenschaftsjahr 2016/17, das sich den Meeren und Ozeanen widmet.
www.bmbf.de/de/wissenschaftsjahr-2016-17-meere-und-ozeane-2368.html

abi>> 14.04.2016