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„Den europäischen Geist spüren“

Bühne für Pressekonferenzen des Auswärtigen Amts in Berlin, geschmückt mit Flaggen verschiedener europäischer Länder.
Jan Hendrik Dopheide ist Leiter des Referats Deutsches Personal in EU-Institutionen. Er empfiehlt, erste Erfahrungen für eine spätere Tätigkeit in einer EU-Institution bereits während eines Auslandssemesters im Studium zu sammeln.
Foto: Sonja Trabandt

Arbeitgeber Europa – Interview

„Den europäischen Geist spüren“

Das Auswahlverfahren für eine Tätigkeit in einer Institution der Europäischen Union ist anspruchsvoll. Wie es genau abläuft und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt, erklärt Jan Hendrik Dopheide, Leiter des Referats Deutsches Personal in EU-Institutionen beim Auswärtigen Amt.

abi>> Herr Dopheide, wie unterstützt das Auswärtige Amt Bewerber, die bei einer europäischen Institution arbeiten wollen?

Jan Hendrik Dopheide: Wir zeigen einerseits die beruflichen Möglichkeiten auf, die es bei den europäischen Institutionen gibt, machen auf anstehende Auswahlverfahren des Europäischen Amts für Personalauswahl (EPSO) aufmerksam und werben unter anderem mit Messen für die Teilnahme. Außerdem unterstützen wir deutsche Kandidaten, die anspruchsvollen Auswahlverfahren erfolgreich zu bewältigen beispielsweise mit Seminaren. Bei erfolgreicher Teilnahme kommt man auf eine sogenannte Reserveliste, aus der sich die Institutionen die passenden Kandidaten aussuchen. Wir stellen dann den Kontakt her.

abi>> Wie läuft das Auswahlverfahren – auch Concours genannt – ab?

Ein Porträt-Foto von Jan Hendrik Dopheide.

Jan Hendrik Dopheide

Foto: privat

Jan Hendrik Dopheide: Wer sich bewirbt, muss zunächst online bei EPSO ein Profil anlegen, bevor er am dreistufigen Auswahlverfahren teilnehmen kann: Der erste Teil besteht aus computerbasierten Multiple-Choice-Tests, bei denen das logische Denkvermögen abgefragt wird und die in einer bestimmten Zeit absolviert werden müssen. Der zweite Teil ist eine Postkorbübung, bei der es darum geht, seine Arbeit zu strukturieren. Beide werden in den Testzentren von EPSO durchgeführt. Die dritte Runde ist ein Assessment-Center in Brüssel, bei dem in verschiedenen Übungen die Kernkompetenzen der Bewerber geprüft werden. Neben dem allgemeinen Concours gibt es auch spezielle, die etwas anders aufgebaut sind und etwa bei angehenden Assistenten, Übersetzern, Dolmetschern oder Rechts- und Sprachsachverständigen eingesetzt werden. Auf alle Verfahrensabschnitte kann man sich anhand ausführlicher Ausschreibungen gut vorbereiten. Das gesamte Verfahren dauert etwa ein Jahr.

abi>> Welche Voraussetzungen muss ein Bewerber erfüllen, um erfolgreich am Concours teilzunehmen?

Jan Hendrik Dopheide: Es wird vorher abgefragt, in welchen Sprachen die Bewerber arbeitsfähig sind, also das Sprachniveau B2 haben. Eine Fremdsprache ist neben der Muttersprache mindestens gefordert, und der Concours findet dann auch in zwei Sprachen statt. Für die höhere europäische Beamtenlaufbahn (sogenannte Administratoren) muss man neben einer EU-Staatsangehörigkeit mindestens einen Bachelorabschluss mitbringen, das Studienfach ist erst einmal zweitrangig. Besonders gesucht sind jedoch Juristen, Volkswirte, Politologen, Übersetzer und Dolmetscher.

abi>> Welche Tipps können sie Interessierten geben?

Jan Hendrik Dopheide: Sehr sinnvoll ist ein Auslandsaufenthalt im Studium. Am besten mit Erasmus+, weil man dabei den europäischen Geist spürt: Man lebt und arbeitet in einem anderen Land mit Studierenden aus allen EU-Mitgliedsstaaten zusammen – genauso wie später in einer EU-Institution auch. Auch Praktika bei EU-Institutionen in Brüssel oder Straßburg sind sehr hilfreich, um schon mal einen Einblick zu bekommen und eine Idee davon, wie die Institutionen arbeiten. Die Vielsprachigkeit und die Internationalität schaffen in meinen Augen eine tolle Atmosphäre, in der man jeden Tag für die europäische Idee arbeitet.

abi>> 09.04.2018