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Lernen durch Erfahrungen

Zwei junge Männer fahren auf ihren Rädern an einem Feld entlang.
Wer sich für Erlebnispädagogik interessiert, sollte sich gerne in der Natur aufhalten und bereit sein, neue Aktivitäten auszuprobieren.
Foto: Katharina Kemme

Abenteuer- und Erlebnispädagogik: Hintergrund

Lernen durch Erfahrungen

Erlebnispädagogik – das klingt nach Abenteuer, Spaß und Spannung. Aber was genau steckt dahinter und welche beruflichen Möglichkeiten gibt es in diesem Feld innerhalb der Pädagogik?

Lernen findet nicht nur in der Schule statt. Kinder und Jugendliche lernen ständig dazu, wenn sie mit anderen zusammen sind, neue Aktivitäten ausprobieren oder sich in der Natur aufhalten. Die Abenteuer- und Erlebnispädagogik bedient sich dieser Erkenntnisse bereits seit vielen Jahren. Das Ziel: in der Gemeinschaft das soziale Lernen fördern.

„Konkret bedeutet das, dass Gruppen draußen in der Natur in Situationen gebracht werden, die nicht alltäglich, aber trotzdem real sind“, erklärt Katja Rothmeier, Geschäftsführerin des Bundesverbands Individual- und Erlebnispädagogik. „Die Gruppenteilnehmer müssen darauf reagieren und lernen auf diese Weise durch das eigene Handeln. Das Bewusstmachen des Erlebten und die Übertragung in den Alltag bilden dabei die wichtigste Grundlage, um die Erlebnisse zu verarbeiten und später in Erfahrungen umzuwandeln.“ Auch wenn Erlebnispädagogik allein keine Wunder vollbringen könne, so sei sie Katja Rothmeier zufolge doch eine effektive Methode, deren Wirkung nicht mehr umstritten ist.

Weiterbildung für Pädagogen

Abenteuer- und Erlebnispädagoge ist eine Zusatzqualifikation. Eine eigenständige Ausbildung und Bachelorstudiengänge gibt es dafür bislang nicht. Die Berufsbezeichnung ist auch nicht geschützt. Im Prinzip kann sich jeder so nennen, der in dem Bereich tätig ist. Wer sich jedoch offiziell zum Erlebnispädagogen weiterbilden möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. So bieten staatliche und private Bildungsträger wie auch Hochschulen – teils in Kooperation – unterschiedlich lange Kurse an, die mit einem Zertifikat abschließen. Zum Beispiel gibt es an der Ostfalia Hochschule ein berufsbegleitendes, einjähriges Weiterbildungsstudium in Erlebnispädagogik und Outdoortraining.

Bei den Weiterbildungen gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Schwerpunkte, der Kosten und der Qualität. Darum sollte man bei der Auswahl unbedingt darauf achten, über welchen wissenschaftlichen Hintergrund der Weiterbildungsanbieter verfügt, wie lange die Praxisphasen geplant sind und welche Inhalte vermittelt werden. Die Praxisausbildung Erlebnispädagogik (PEP) der Gesellschaft für Erlebnistage (GFE) etwa bietet ein 20-wöchiges Praktikum an vier unterschiedlichen Standorten an, das mit einer Prüfung abschließt. Innerhalb des Praktikums absolvieren die Teilnehmer pädagogische Seminare, lernen, ein Projekt zu konzipieren, die Infrastruktur dafür zu organisieren und es durchzuführen. Dieser Vollzeit-Kurs wird sogar mit 175 Euro im Monat vergütet.

An solchen Kursen teilnehmen können – je nach Bildungsträger – zum Beispiel ausgebildete Erzieher oder Heilpädagogen sowie in der Regel alle mit einem pädagogisch ausgerichteten Studienabschluss. Dazu zählen etwa Erziehungswissenschaften, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik oder Lehramt, aber auch Absolventen der Sportwissenschaften und der Psychologie stehen sie zum Beispiel offen. In einigen der aufgezählten Studiengänge besteht die Möglichkeit, bereits während des Studiums Lehrveranstaltungen in Erlebnispädagogik zu besuchen. Wer Wert darauf legt, sollte vor Studienbeginn einen Blick in die Modulhandbücher werfen.

Eigenständiger Master in Marburg

Einen eigenständigen Masterstudiengang in Abenteuer- und Erlebnispädagogik bietet aktuell nur die Universität Marburg an. „Dabei geht es vor allem darum, dass die Studierenden Wissen und Fähigkeiten vertiefen oder neu erwerben, um abenteuer- und erlebnispädagogische Aktivitäten zu planen, durchzuführen und anschließend zu evaluieren“, sagt Martin Lindner, Studienfachberater dieses Masterangebotes. Voraussetzung für den Zugang zum Master ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium in Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Sozialer Arbeit, Sozialpädagogik, Lehramt, Bewegungs- oder Sportwissenschaften.

An der Uni Marburg besteht darüber hinaus die Möglichkeit, im Lehramtsfach Sport eine Zusatzqualifikation in Abenteuer- und Erlebnispädagogik zu wählen.

Klassenfahrten, Teamtraining, Klettergarten

„Ausgebildeten Erlebnispädagogen bieten sich vielfältige berufliche Möglichkeiten“, sagt Katja Rothmeier. „Wir unterscheiden dabei vier Felder: Bildung und Erziehung, Weiterbildung und Firmentraining, Gesundheitsförderung und Therapie sowie Freizeit und Erholung.“ Erlebnispädagogen können also im Schulumfeld etwa durch die Organisation von Klassenfahrten tätig werden, sie machen Teamtrainings für Mitarbeiter in Unternehmen oder arbeiten in einer Freizeiteinrichtung wie einem Klettergarten, wobei es sich um ein eher kleines Beschäftigungsfeld handelt. Gerade im Outdoor-Bereich machen sich immer mehr Erlebnispädagogen selbstständig.

Unabhängig davon, wo sie arbeiten: Eine große Zielgruppe sind Jugendliche. „Das wohl breiteste Tätigkeitsfeld stellen die vielfältigen Aufgabenbereiche der Jugendhilfe dar“, erklärt Martin Lindner von der Uni Marburg. Er nennt als Einsatzgebiete die offene Jugendarbeit, Heime, Kinder- und Jugendpsychiatrien.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen zu Studienmöglichkeiten an den Hochschulen in Deutschland
www.hochschulkompass.de

Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V.

Plattform zum Thema Erlebnispädagogik mit Fortbildungsangeboten, Terminen, einem Forum und einer Jobbörse
www.bundesverband-erlebnispaedagogik.de

Universität Marburg

Masterstudiengang Abenteuer- und Erlebnispädagogik
www.uni-marburg.de/studium/studienangebot/master/m-abenpaed

erlebnispaedagogik.de

Serviceseite rund um das Thema Erlebnispädagogik unter anderem mit Aus- und Weiterbildungsdatenbank, Jobbörse und Literaturhinweisen
www.erlebnispaedagogik.de

abi>> 09.12.2015