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Jeden Tag ein neues Abenteuer

Segelboote auf einem See
Ungewöhnliche Methoden mit großer Wirkung: Um Jugendliche zu motivieren, gehen Erlebnispädagogen auch schon mal mit ihnen segeln.
Foto: Gerhard Blank

Abenteuer- und Erlebnispädagogin

Jeden Tag ein neues Abenteuer

Ein Job am Schreibtisch im Büro kam für Viktoria Wloka nicht in Frage. Die 27-jährige Abenteuer- und Erlebnispädagogin liebt die praktische Arbeit mit Jugendlichen. Derzeit arbeitet sie beim SOS Kinderdorf Berlin und macht sich nebenbei selbstständig.

Mit Jugendlichen wandern gehen, ihnen zeigen, wie man auf Bäume klettert oder segelt – das ist Viktoria Wlokas Welt. Während ihres Bachelorstudiums „Bildung und Erziehung im Kindesalter“ an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim besuchte sie das Seminar „Experiential Education“. Hier kam sie zum ersten Mal mit Abenteuer- und Erlebnispädagogik in Kontakt. „Ich wusste sofort: Das ist das Richtige für mich“, erinnert sie sich. Also legte sie ihre Bachelorarbeit darauf hin aus und schrieb über den Gründungsprozess eines Kindergartens, der auf dieser besonderen Form der Pädagogik basiert.

Anschließend studierte sie den Masterstudiengang Abenteuer- und Erlebnispädagogik an der Universität Marburg. „Rückblickend kann ich sagen, dass ich in dem Studium perfekt für meinen jetzigen Job ausgebildet wurde.“

Wie weckt man die Lust auf Schule?

Ein Porträt-Foto von Victoria Wloka

Viktoria Wloka

Foto: Privat

2014 hatte Viktoria Wloka den Masterabschluss in der Tasche. Zunächst arbeitete sie in einer Einrichtung von Kompass e.V., in der Jugendliche mit Suchtproblemen untergebracht sind. Dort organisierte sie eine Schlittenhundetherapie und Exkursionen, etwa eine Kanutour zur Masurischen Seenplatte. Anschließend war sie auf dem Zaubermondhof in Mecklenburg-Vorpommern tätig. Auch dort spielten in ihrer Sozialarbeit Schlittenhunde eine Rolle. Außerdem begleitete sie die Jugendlichen vier Monate lang auf einer Segeljacht von Greifswald nach Riga.

„Seit Anfang 2015 bin ich nun beim SOS Kinderdorf Berlin als Abenteuer- und Erlebnispädagogin angestellt und kümmere mich um schuldistanzierte Jugendliche“, erzählt Viktoria Wloka. „Meine Aufgabe ist es, den Jugendlichen zu zeigen, dass es sich lohnt, morgens aufzustehen und zur Schule zu gehen.“ Der Weg dorthin scheint zunächst etwas ungewöhnlich: „Wir bauen gemeinsam einen Zirkuswagen so um, dass wir dort später auch auftreten können“, sagt sie. Dabei bekommt jeder Jugendliche eine Aufgabe zugeteilt, für die er verantwortlich ist – je nach Interesse und Talent. „Anfangs haben sie oft keine Lust. Aber wenn sie sich erst mal darauf eingelassen haben und feststellen, dass sie etwas beitragen können, sind sie stolz und mit Freude dabei“, erklärt sie. „Durch die Erfahrung, dass sie gebraucht werden, findet häufig ein Umdenken statt und viele entscheiden sich dann, wieder zur Schule zu gehen.“ Insgesamt zwölf Jugendliche zwischen zwölf und 26 Jahren betreut sie in dem Projekt mit dem Namen CIRCUS-Spandau.

Selbstständig mit der eigenen Firma

Viktoria Wloka schätzt an ihrem Job vor allem, dass kein Tag wie der andere ist. „Ich muss mich immer wieder neu auf die Jugendlichen einlassen und mir immer neue Abenteuer überlegen, denn nicht jedes Abenteuer ist das Richtige für jeden Jugendlichen“, sagt sie. „Zudem sehe ich täglich, dass ich durch meine Arbeit etwas bewegen kann.“

Aus diesem Grund baut Viktoria Wloka gerade eine eigene Firma namens „Wegpiraten – Abenteuer- und Erlebnispädagogische Jugendhilfe“ auf. Hier erstellt sie individuelle sozialpädagogische Maßnahmen für Jugendliche, die eine kurze oder längere Auszeit benötigen. Projektpartner sind die Jugendämter und weitere Jugendeinrichtungen in Berlin und Brandenburg. Erste Kooperationsgespräche stießen auf sehr positive Resonanz. „Ich habe das Gefühl, dass genau so etwas hier noch gefehlt hat“, sagt sie.

abi>> 16.12.2015