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Medizin hinter Gittern

Blick auf ein vergittertes Tor im Keller einer Justizvollzugsanstalt.
Als Arzt in einer Justizvollzugsanstalt zu arbeiten hat Vorteile: keine Not-, Schicht- oder Wochenenddienste und die Möglichkeit, verbeamtet zu werden.
Foto: Hans-Martin Issler

Arzt/Ärztin in einer Justizvollzugsanstalt

Medizin hinter Gittern

In Deutschland gibt es 189 Justiz­vollzugsanstalten. Deren Insassen haben wie alle Menschen in Deutschland ein Recht auf ärztliche Versorgung. Diese Aufgabe übernehmen Gefängnisärzte – doch die Branche leidet an Nachwuchsmangel.

Dieser Mann ist keines natürlichen Todes gestorben“, Rechtsmediziner Joseph Roth blickt von seinen Unterlagen auf und schaut Kommissar Freddy Schenk in die Augen: „Die Obduktion hat ergeben, dass er ermordet wurde.“

Dass hier jemand den Gerichtsmediziner nicht nur verkörpert, sondern weiß, wovon er redet, merkt der Fernsehzuschauer schnell. Kein Wunder, schließlich ist Joe Bausch, der den Joseph Roth im Kölner Tatort darstellt, nur im Nebenberuf Schauspieler. Hauptberuflich ist er Gefängnisarzt in der Justizvollzugsanstalt im nordrhein-westfälischen Werl – seit 32 Jahren.

Nicht mehr lange, dann wird er seine Position als Leitender Regierungsmedizinaldirektor abgeben und in Rente gehen. Eine weitere freie Stelle, die es zu besetzen gilt – denn die Branche leidet an Nachwuchsmangel. Aktuell sind laut Bundesvereinigung der Anstaltsleiter im Justizvollzug (BVAJ) etwa ein Viertel der Stellen unbesetzt.

Geregelte Arbeitszeiten

Yvonne Radetzki, zweite Vorsitzende der Bundesvereinigung der Anstaltsleiterinnen und Anstaltsleiter im Justizvollzug e.V und Leiterin der JVA Neumünster, vermutet hinter den niedrigen Bewerberzahlen die Tatsache, dass das Berufsbild den meisten angehenden Medizinern zu wenig bekannt ist: „Im Studium ist das Thema nicht präsent, Famulaturen (Praktika) sind in Anstalten noch nicht gängige Praxis“, erklärt sie.

Und dass, obwohl der Beruf durchaus attraktiv sei und viele Vorteile mit sich bringe: „Anders als Ärzte im Krankenhaus übernehmen Anstaltsärzte keine Not-, Schicht- oder Wochenenddienste, sondern arbeiten ausschließlich tagsüber mit ziemlich geregelten Arbeitszeiten“, sagt sie. „Darüber hinaus besteht abhängig vom Bundesland und dem Alter des Arbeitnehmers die Möglichkeit einer Verbeamtung auf Lebenszeit.“

Behandeln unterschiedlicher Beschwerden

Der Einstieg in den Beruf verläuft unkompliziert, denn eine spezielle Aus- oder Weiterbildung braucht es für die Tätigkeit nicht. Ärzte, die in JVAs arbeiten, sind in den meisten Fällen Allgemeinmediziner, Internisten oder Psychiater, vereinzelt auch Zahnmediziner. Besonders häufig behandeln sie in Gefängnissen psychische und psychiatrische Erkrankungen – insbesondere bei Gefahr der Selbstschädigung oder Suizidgedanken – sowie Infektionskrankheiten und gefängnistypische Verletzungen als Folge von Gewalt unter den Insassen.

„Ansonsten entsprechen die Krankheitsbilder im Wesentlichen dem, was auch in einer Hausarztpraxis auftreten kann“, sagt Yvonne Radetzki. Von Husten und Schnupfen über allergische Reaktionen oder Migräne bis hin zu Magenschmerzen und Ohrenentzündungen kann alles dabei sein. Erst wenn die erforderlichen Untersuchungen vor Ort in der JVA nicht durchgeführt werden können, werden die Patienten extern in Krankenhäusern oder anderen medizinischen Einrichtungen behandelt.

Herausforderungen für Gefängnisärzte

Eine umfangreiche und abwechslungsreiche Tätigkeit also, die aber auch einige Herausforderungen mit sich bringt, wie Yvonne Radetzki weiß: Da man es häufig mit Fällen von Drogenabhängigkeit zu tun bekommt, rät sie zu einer suchtmedizinischen Zusatzausbildung. Und auch die Doppelfunktion als Haftvollstrecker und Vertrauensperson kann zum Balanceakt werden: Einerseits unterliegen Gefängnisärzte der ärztlichen Schweigepflicht und müssen im Interesse des Patienten handeln, andererseits sind sie verpflichtet, allen Weisungen der Anstaltsleitung Folge zu leisten, denn die Sicherheit des Personals und der anderen Häftlinge hat immer Vorrang.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. Suchwort: z.B. Arzt/Ärztin
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Hochschulstart

Bewerbungs- und Informationsportal für Studiengänge an deutschen Hochschulen sowie Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie.
www.hochschulstart.de

Bundesvereinigung der Anstaltsleiter und Anstaltsleiterinnen im Justizvollzug e.V. (bvaj)

www.bvaj.de/

abi>> 05.10.2018