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Lotse im Gesundheitssystem

Junger Mann sitzt mit einer älteren Dame, die im Rollstuhl sitzt, an einem Tisch und führt ein Gespräch.
Ärzte müssen immer ein offenes Ohr für die Nöte ihrer Patienten haben.
Foto: Julien Fertl

Arzt für Allgemeinmedizin

Lotse im Gesundheitssystem

Moderne Medizin für Patienten im ländlichen Raum zugänglich machen – mit dieser Motivation hat sich Dr. Johannes Guggenmos (43) als Allgemeinarzt in der Ärztegemeinschaft Au niedergelassen – mitten im bayerischen Hopfen-Eldorado Hallertau.

Mein Arbeitstag beginnt schon am Vorabend“, erklärt Dr. Johannes Guggenmos, „Dann bereite ich mich auf die Patiententermine des nächsten Tages vor.“ Je nach Dienstplan beginnt seine Sprechstunde gleich um 8 Uhr, manchmal aber auch erst gegen Mittag. „Wir haben das Prinzip der Terminsprechstunde eingeführt. So haben wir genug Zeit für jeden Patienten und niemand muss länger als 15 Minuten warten. Zwischen den festen Terminen behandle ich Akutfälle, die sich morgens gemeldet haben. Dazu kommt eine tägliche Telefonsprechstunde, um beispielsweise Laborbefunde zu erklären.“

Eine durchdachte Praxisorganisation ist alles

Ein Porträt-Foto von Dr. Johannes Guggenmos

Dr. Johannes Guggenmos

Foto: Reinke Foto

Etwa 20 Prozent seiner Arbeitszeit entfallen auf organisatorische Aufgaben, die er sich mit den vier anderen ärztlichen Mitinhabern der Ärztegemeinschaft teilt: „Ich bin für die Praxisorganisation, Personalthemen und unsere Website zuständig, während sich ein Kollege beispielweise mit Abrechnungsfragen befasst.“ Dafür bespricht sich der 43-Jährige regelmäßig mit einer Mitarbeiterin zur Dienstplanung oder zu den Praxisabläufen. „Bei einer Praxis unserer Größe und Ausstattung ist eine durchdachte Organisation besonders wichtig“, stellt er klar. In Au arbeitet er seit Januar 2018 – zunächst als angestellter Arzt: „Seit 1. Juli 2018 bin ich Mitgesellschafter mit eigener Krankenkassenzulassung, einem Arztsitz und an meinem beruflichen Ziel angekommen – zumal wir als Akademische Lehrpraxis der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München auch ärztlichen Nachwuchs ausbilden.“

Auf Umwegen zum Hausarzt

Dabei kam er auf Umwegen zum Hausarztberuf. Nach seinem Humanmedizinstudium an der LMU München und der Approbation absolvierte er ab 2004 eine sechsjährige Weiterbildung zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit Stationen in Deutschland und im Universitätsklinikum in Jerusalem. „Ich war schon im Studium in Israel und habe dort 2001 mein Praktisches Jahr verbracht“, erinnert er sich. 2010 kehrte er als Klinikarzt nach Deutschland zurück: „Dort wurde mir klar, dass das umfängliche Erfassen des ganzen Patienten meine große Stärke ist. Als Plastischer Chirurg hätte ich diese Vorstellung nur eingeschränkt leben können.“ So nutzte er 2014 die neu geschaffene Quereinstiegsmöglichkeit der Bayerischen Landesärztekammer. Dabei können Ärzte mit einer abgeschlossenen Facharztausbildung in zwei Jahren den Facharzt für Allgemeinmedizin erwerben.

Zugang zur modernen Medizin eröffnen

„Nach einer Hospitanz in einer Münchner Praxis entschied ich mich für diesen Weg“, erklärt er, „In meiner Weiterbildungszeit war ich immer in Kontakt zu einem Niederlassungsberater der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und erfuhr so vom freien Arztsitz in Au, wo der damalige Praxisinhaber einen Nachfolger suchte.“ Schließlich beschloss er, sich dort als Hausarzt niederzulassen: „Mit ausschlaggebend dafür war, dass Patienten auf dem Land eher zögern, hochspezialisierte medizinische Fachabteilungen zu nutzen. Als Allgemeinmediziner sichere ich die primäre Versorgung meiner Patienten und stelle dank meines Netzwerks zudem die entscheidenden Weichen für ihre Weiterversorgung im Gesundheitssystem.“ Für seinen beruflichen Neustart erhielt er staatliche Fördermittel für die Niederlassung im ländlichen Raum.

Fachliche Expertise und Organisationstalent

Drei Fähigkeiten sind für ihn entscheidend, um als Allgemeinarzt erfolgreich zu sein: „An erster Stelle steht medizinisches Können, um jederzeit sicher kritische Entscheidungen zu treffen. Dazu kommen Stressresistenz und Multi-Tasking-Fähigkeiten für die sich ständig ändernden Anforderungen. Schließlich ist ein ausgeprägtes Organisationstalent ein Muss. Alle drei Faktoren sind wichtig, um Patienten die angemessene Wertschätzung entgegenzubringen – und damit nicht nur Mediziner, sondern ein guter Arzt zu sein.“

abi>> 04.06.2019