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Helfende Hand im fremden Land

Blick auf einen Mann und eine Frau mit Kopftuch, die an einem Tisch sitzen und sich an einem Gespräch beteiligen
Felix Dietz berät Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Iran sowie Nigeria.
Foto: Julien Fertl

Asyl- und Sozialberater

Helfende Hand im fremden Land

Rund 100 Menschen aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern, die vor Krieg und Not nach München geflohen sind, können auf Felix Dietz zählen: Der 24-Jährige arbeitet für die Caritas München als Asyl- und Sozialberater in einer Flüchtlingsunterkunft.

„Kein Tag gleicht dem anderen – und genau das gefällt mir“, sagt Felix Dietz. Kein Wunder, kann doch bei einem Klientenstamm von rund 100 Leuten gar keine Langeweile aufkommen. Der Job des Asyl- und Sozialberaters umfasse „eigentlich alles“: Felix Dietz empfängt täglich Flüchtlinge mit ihren Anliegen in seinem Büro, aber auch die Kommunikation mit den Ehrenamtlichen, die Vernetzung im Stadtviertel und die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern gehören zu seinen Aufgaben.

Viel Eigenverantwortung

Bei so vielen Leuten den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach. „Allein, sich die ganzen Namen zu merken, ist schon eine Herausforderung“, erzählt er lachend. Zur Hilfe hat er auf seinem Computer Programme, mit denen er die Fälle dokumentiert.

Ein Porträtbild von Felix Dietz

Felix Dietz

Foto: privat

Die Dokumentation der Beratungen sei sehr wichtig, nicht zuletzt, um dem Kostenträger gegenüber Rechenschaft über seine Tätigkeiten abzulegen. Dass der Job zu einem erheblichen Teil aus Büroarbeit besteht, nimmt Felix Dietz gern in Kauf. Denn er mag die Eigenverantwortung, mit der er arbeiten darf: Keiner blickt ihm über die Schulter. „Ich kann meinen eigenen Stil entwickeln, das ist als Berufseinsteiger eine tolle Chance“, findet der 24-Jährige.

Verständigung mit Händen und Füßen

Die Probleme der Asylbewerber, die zu Felix Dietz ins Büro kommen, sind sehr unterschiedlich – und haben viel mit Post zu tun. Denn es treffen jede Menge Behördenbriefe bei den Klienten ein, die ihnen erläutert werden müssen und die meist mit dem Asylverfahren zu tun haben. Manchmal sind es aber auch die kleinen Missverständnisse des Alltags, die der Klärung bedürfen: „Es kommt schon vor, dass jemand Werbung per Post erhalten hat und nicht weiß, was das ist.“ Auch hier hilft Felix Dietz weiter.

Die Flüchtlinge, mit denen der 24-Jährige arbeitet, kommen vorwiegend aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Iran sowie Nigeria. „Nach und nach erfahre ich auch die Geschichten der Menschen. Man lernt sich ja kennen und der Kontakt wird etwas enger“, erzählt er. Das kann für ihn bei aller Professionalität auch belastend sein: „Manche Fälle gehen mir schon nahe, vor allem, wenn Kinder betroffen sind.“ Besonders im Gedächtnis blieb ihm zum Beispiel eine Familie, die ihm einmal unter Tränen von ihrer Flucht über das Mittelmeer berichtete.

Kommuniziert wird auf Englisch, aber „häufig auch mit Händen und Füßen“, erklärt Felix Dietz. Zum Glück habe er im Kollegium der Caritas München Muttersprachler, die manches übersetzen könnten. „Aber oft ist es nicht leicht. Kürzlich hat sich eine Frau den Arm gebrochen und es hat lange gedauert, bis wir überhaupt herausgefunden haben, was ihr fehlt.“

Mitgestalten und weiterbilden

Die fordernde Stelle bei der Caritas trat Felix Dietz im April 2016 an, gleich nach dem Abschluss des Bachelors der Sozialen Arbeit, den er an der Katholischen Stiftungsfachhochschule in München absolviert hatte. Schon während des Studiums hatte er praktische Erfahrung gesammelt, jedoch in der Jugend- und in der Behindertenhilfe.

Er habe Glück gehabt, dass es in der Flüchtlingsarbeit eine große Nachfrage nach qualifizierten Fachleuten gab, gerade als er in die Berufswelt einsteigen wollte. „Die Arbeit mit Flüchtlingen hat mich besonders gereizt, da es ein politischer Bereich ist, den ich gerne mitgestalten möchte“, sagt Felix Dietz. Dafür war dem gebürtigen Münchener wichtig, in seiner Heimatstadt zu bleiben. „Ich bin hier verwurzelt und außerdem empfinde ich die Flüchtlingspolitik in München als besonders offen – und davon wollte ich ein Teil sein.“

Zurzeit plant Felix Dietz, eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Systemischen Berater zu machen. Diese Art der Beratung legt den Schwerpunkt auf die Stärken und Ressourcen des Klienten. „Allerdings muss ich die selbst bezahlen, das ist in unserem Bereich leider meistens so. Ich werde noch ein bisschen sparen müssen.“ Überhaupt werde er in seinem Berufsfeld vermutlich nie ein Großverdiener sein, „aber dafür kann ich mit meiner Arbeit etwas bewegen – und das ist auch sehr erfüllend.“

abi>> 23.02.2017