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Sehen und gesehen werden

Ein Mann führt bei einer Kundin mit der Spaltlampe eine Messung des vorderen Augenabschnitts durch.
Für den Beruf des Augenoptikers ist eine erfolgreich absolvierte Meisterprüfung notwendig.
Foto: Helge Gerischer

Augenoptiker

Sehen und gesehen werden

Bei der Wahl seines Berufs legte Frederik Presch aus Karlsruhe Wert darauf, handwerkliche, technische, kaufmännische, modische und beratende Aspekte zu vereinen. Eine Ausbildung zum Augenoptiker versprach genau diese Kombination. Seit Kurzem hat der 28-Jährige den Meisterbrief in der Tasche und darf nun selbst ausbilden.

Ursprünglich wollte Frederik Presch Wirtschaftsingenieurwesen studieren, doch bald war klar, dass ihm hier etwas Entscheidendes fehlen würde. „Mathe, Physik, Wirtschaft – all das hat mich schon sehr interessiert. Aber ich bin doch eher der Praktiker und der kommunikative Aspekt kam mir zu kurz. Deshalb habe ich mich nach Alternativen umgeschaut“, erinnert er sich heute.

Ein Porträt-Foto von Frederik Presch.

Frederik Presch

Foto: privat

Zu dieser Zeit bekommt der heute 28-Jährige gerade eine Brille. Das machte ihn aufmerksam auf den Beruf des Augenoptikers. Wie funktioniert das mit der Optik? Wie korrigiert eine Brille meine Kurzsichtigkeit? Was bedeutet mir meine Sehkraft im Alltag? Und wie verändert sich meine Umgebung, wenn ich meine Brille aufsetze? „Mit all dem hatte ich mich gerade persönlich beschäftigt und gemerkt, das Thema interessiert mich. Also habe ich mir den Beruf des Augenoptikers näher angeschaut und festgestellt: Da geht’s um Technik, Handwerk, Wirtschaft, Beratung, Verkauf – da ist von allem etwas dabei. Genau diese Mischung fand ich reizvoll“, schildert er begeistert.

Drei Jahre duale Ausbildung

Frederik Presch schreibt ein paar wenige Bewerbungen, schnuppert während eines Praktikums in den Arbeitsalltag hinein und bekommt gleich mehrere Zusagen. „Man kann Augenoptik und Optometrie auch studieren. Das wäre mir aber wieder zu theoretisch gewesen“, erklärt er. Nach drei Jahren dualer Ausbildung ist er staatlich anerkannter Augenoptiker. Er hat gelernt, wie man eine Fehlsichtigkeit feststellt, analysiert und mithilfe von Brillengläsern korrigiert, wie man Rohgläser einschleift, in die Fassung einsetzt und schließlich ganz individuell anpasst. „Es ist ein Handwerk. Man macht in der Ausbildung wirklich immer noch sehr viel mit den Händen und braucht viel Geduld und Fingerspitzengefühl, auch wenn heutzutage die meisten mit Schleifmaschinen arbeiten.“

Auch im Kundenkontakt ist viel Feingefühl gefragt. „Einige Kunden wollen gar keine Brille tragen und sind ablehnend und skeptisch einer Brille gegenüber. Dann mache ich deutlich, dass eine Fehlsichtigkeit überhaupt nichts Schlimmes ist und eine Brille eine Persönlichkeit sogar unterstreichen kann. Für mich selbst ist die Brille zum Beispiel ein modisches Accessoire. Ich habe mehrere und schaue morgens einfach, welche am besten zu meiner Stimmung und zu meinem Outfit passt. Das macht gute Laune und diesen Spaß am Schönen möchte ich gerne weitergeben“, sagt er.

Verantwortung für volle Sehkraft

Farbe, Form, Material – die Auswahl an Herstellern und Fassungen ist groß, Frederik Presch berät aber nicht nur modisch, er behält auch immer die Passgenauigkeit im Auge. „Jemand, der Sport macht, braucht eine andere Brille, als jemand, der diese nur zum Autofahren oder Lesen benötigt. Egal ob eine Glasempfehlung vom Augenarzt vorliegt oder nicht, ich ermittele immer die beste individuelle Korrektion. Ich fühle mich verantwortlich dafür, dass mein Kunde mit der Brille gut zurechtkommt, deshalb prüfe ich alles nochmal nach.“ 80 Prozent der Umwelt nehme man über das Sehen wahr, erklärt er, und schildert seine Erfahrung mit seiner ersten Brille: „Für mich war es ein echtes Aha-Erlebnis. Alles war plötzlich viel kontrastreicher, farbenfroher, detaillierter. Das war ein echtes Plus an Lebensqualität.“

Apropos Lebensqualität: Augenoptikergeschäfte haben auch samstags geöffnet. Das bedeutet für Frederik Resch, dass er auch manchmal sechs Tage am Stück arbeiten muss. Seit Kurzem ist er selbst Ausbilder im Karlsruher Aus- und Weiterbildungszentrum der Augenoptiker-Innung und weiß, dass das nicht allen leicht fällt.

Um als Ausbilder tätig werden zu können, hat Frederik Presch eine Meisterprüfung abgelegt und nachgewiesen, dass er neben erweiterten Fachkenntnissen im Bereich Optik auch buchhalterische, betriebswirtschaftliche und pädagogische Grundlagen beherrscht. Gerade letzteres hat’s ihm angetan. „Ich arbeite wahnsinnig gerne mit jungen Leuten zusammen. Es macht total Spaß, die Azubis, die ganz unterschiedlich drauf sind, auf einen Wissenstand zu bringen und alle fit für die Prüfungen zu machen.“

Gute Aussichten

Seine Azubis werden später nicht nur in Optikergeschäften, Augenarztpraxen und Augenkliniken gebraucht, sondern auch von der Industrie gesucht, etwa von Fassungs- oder Gläserherstellern. Frederik Presch ist sich sicher, dass es seinen Beruf noch lange geben wird. Vor der Konkurrenz im Internet hat er keine Angst. „Klar, ich kann mir eine Fassung im Internet bestellen, anpassen kann sie aber nur ein Optiker vor Ort“, sagt er. Auch was den technologischen und medizinischen Fortschritt betrifft, sieht er keine Gefahr für seinen Beruf. „Augenlasern gibt es ja schon lange und trotzdem läuft das Brillengeschäft gut. Es lässt sich eben nicht jeder gerne operieren. Das wird bei neuen Methoden auch nicht anders sein“, schätzt er.

abi>> 05.03.2018