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Schülerdialog statt Kundengespräch

Eine junge Frau rechnet Preise mit dem Taschenrechner nach
An einem Berufskolleg unterrichtet Christian Biermann Kaufleute für Versicherungen und Finanzen.
Foto: Frank Pieth

Berufsschullehrer

Schülerdialog statt Kundengespräch

Christian Biermann absolvierte zuerst eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann, bevor er zu seinem Traumberuf fand. Heute unterrichtet der 30-Jährige an einer Düsseldorfer Berufsschule, wo er manchmal nicht der Älteste im Klassenraum ist.

Als Christian Biermann 2004 sein Abi machte, hatte er noch nie von Berufsschulen gehört. „Anschließend besuchte ich ein Jahr lang eine Höhere Handelsschule für Abiturienten und kam so zum ersten Mal mit dieser Schulform in Kontakt. Was mir an der Berufsschule so gut gefiel: Anders als auf dem Gymnasium hatte ich plötzlich nur noch Fächer, die mir Spaß machten. Und ich hatte einen sehr guten Draht zu meinem Berufsschullehrer.“

Anschließend absolvierte er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Danach entschied er sich, sein Wissen zu vertiefen und schrieb sich an der Universität zu Köln für Betriebswirtschaftslehre ein – für Lehramt an Berufskollegs.

Das Studium kombiniert Betriebswirtschaftslehre, Versicherungsbetriebslehre und pädagogische Elemente. „Während meiner Ausbildung habe ich zum Beispiel in Kundengesprächen gemerkt, dass ich gerne erkläre. Ich wollte lieber erklären als verkaufen müssen“, sagt der 30-Jährige über seine Entscheidung für den Lehrerberuf.

Breite Altersspanne

Ein Porträt-Foto von Christian Biermann

Christian Biermann

Foto: Privat

Mittlerweile unterrichtet Christian Biermann am Leo-Statz-Berufskolleg, einer kaufmännischen Schule in Düsseldorf, wo er auch seinen 18-monatigen Vorbereitungsdienst absolvierte. Hier werden unter anderem Bank- und Versicherungskaufleute ausgebildet. Der Berufsschullehrer unterrichtet Fächer wie BWL mit Rechnungswesen und Versicherungsbetriebslehre. „Ich bin nun Klassenlehrer von zwei Klassen und merke, dass ich endlich angekommen bin. Vielleicht kann ich mich auch deshalb so gut mit meiner Schülerklientel identifizieren, weil mir früher nicht alles zugeflogen ist und hier eben nicht nur die Besten der Besten sitzen“, sagt er. Seine jüngste Schülerin ist gerade einmal 16 Jahre alt, die ältesten in seinem Alter.

Dem gerecht zu werden, ist nur eine Herausforderung, die der Alltag an der Berufsschule mit sich bringt. „Da die meisten Schüler erwachsen sind, stelle ich an sie auch den Anspruch, sich erwachsen zu verhalten. Trotzdem erlebe ich gerade, dass man auch mal Kontakt zu den Eltern aufnehmen muss, wenn zum Beispiel jemand regelmäßig zu spät kommt“, erzählt der Berufsschullehrer, der derzeit den Status Beamter auf Probe hat. Nach drei Jahren und sechs Unterrichtsbesuchen durch die Schulleitung kann er dann zum Beamten auf Lebenszeit ernannt werden.

Stunden vorbereiten nach Unterrichtsschluss

„Wenn ich nicht unterrichte, bereite ich die Stunden vor, korrigiere, gehe zu Konferenzen mit den Kollegen, helfe Referendaren bei ihren Unterrichtsentwürfen oder organisiere Veranstaltungen wie den Berufsinformationstag“, gibt Christian Biermann einen Überblick. Zwar legen die Schüler ihre Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) ab, für die Korrektur der Prüfungsklausuren sind jedoch die Berufsschullehrer zuständig.

Wenn der Unterricht mittags zu Ende ist, arbeitet er nicht von zu Hause aus, sondern bleibt in der Schule. „Das hilft mir, Berufliches und Freizeit voneinander zu trennen.“ Den Samstag hält sich der Berufsschullehrer bewusst für Privates frei. „Sonntags bin ich dann meist gedanklich schon wieder bei der neuen Schulwoche.“

Fachwissen und gutes Zeitmanagement

Die Vorbereitung ist für ihn ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. „Ich habe einen gewissen Anspruch an mich selbst. Wenn die Schüler merken, dass man fachlich fit ist, erwirbt man ihren Respekt. Doch gebe ich ehrlich zu, wenn ich etwas nicht weiß.“ Diese Authentizität wissen die Schüler zu schätzen. „Natürlich wird man mit der Zeit routinierter, aber ich muss mich zum Beispiel immer über aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen auf dem Laufenden halten.“

Neben dem Fachwissen braucht er ein gutes Zeitmanagement. „Die Hälfte der Sommerferien habe ich damit verbracht, meine Unterrichtsmaterialien für das ganze nächste Jahr zu erstellen – davon profitiere ich jetzt“, sagt er.

abi>> 09.11.2015