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Die Lebenden und die Toten

Aussegnungshalle mit Bänken und großen Kerzen.
Sensibel mit den Angehörigen umgehen und trotzdem als professioneller Dienstleister auftreten: Das ist die Herausforderung, der sich Bestatter Alexander Schmid täglich stellt.
Foto: Martin Rehm

Bestatter

Die Lebenden und die Toten

Es gibt Menschen, die das Thema Tod möglichst meiden, und wenn es um Leichen geht, unangenehm berührt sind. Anders Alexander Schmid: Für ihn gehören diese Dinge zu seinem Berufsalltag. Der 31-Jährige ist Bestatter in München.

Natürlich gibt es immer Einzelschicksale, vor allem wenn es um Kinder und junge Menschen geht, die einen sehr berühren“, sagt Alexander Schmid. Aber man dürfe nicht jedes Mal mitsterben, zitiert er einen Satz, den er in der Berufsschule gehört hat, und den er sehr treffend findet: „Es ist ein Spagat. Im Umgang mit den Angehörigen muss man sensibel und empathisch bleiben, aber auch als professioneller Dienstleister auftreten“, beschreibt er. Denn das erwarten auch die Hinterbliebenen. „Sie befinden sich in einer Ausnahmesituation“, weiß der 31-Jährige. Geduld und vor allem Zuhören sei wichtig, nicht drängen und gleich den Katalog mit den Särgen oder die Urnenauswahl präsentieren. „Einfühlungsvermögen ist das Wesentliche. Jemand der nur etwas verkaufen möchte, ist fehl am Platz – jedenfalls bei uns“, betont er.

Seine Großeltern hätten ihn bei seiner Berufsentscheidung gefragt, ob er wirklich einen so traurigen Beruf ausüben möchte. Aber das sieht er nicht so. „Am Anfang nimmt man viel mit nach Hause. Wenn ein junger Mensch stirbt, dann steckt man das nicht einfach so weg. Aber man muss lernen zu differenzieren“, sagt er. Mittlerweile warten zu Hause auf ihn zwei kleine Kinder: „Da tobt das Leben. Ein trauriger Papa ist da fehl am Platz.“

Handwerkliches Geschick vonnöten

Porträt von Alexander Schmidt

Alexander Schmid

Foto: privat

Der Umgang mit den Hinterbliebenen ist nur eine Facette. „Bestatter ist ein vielseitiger Beruf, hat handwerkliche Seiten wie etwa das Ausschlagen und Löten von Särgen, aber auch viel Organisatorisches“, erklärt Alexander Schmid. Es gibt viele Kleinigkeiten, die im Hintergrund ablaufen und Teil der Dienstleistung sind: „Damit eine Beerdigung stattfinden kann, ist ein Ineinandergreifen verschiedener Rädchen nötig“, weiß der 31-Jährige.

„Ich bin viel unterwegs, etwa, um die Verstorbenen abzuholen oder um eine Dekoration in der Aussegnungshalle zu organisieren, arbeite im Büro, erstelle Rechnungen, stelle Anträge. Man muss auf jeden Fall fit sein am PC und die gängigen Programme beherrschen“, sagt er. Der Umgang mit den Verstorbenen sei sicherlich gewöhnungsbedürftig. Hier komme es auf den Einzelfall an. „Bei sehr schweren Menschen etwa kann das Ankleiden eine Herausforderung sein. Auch der Zustand der Leiche ist nicht immer gleich“, erzählt Alexander Schmid. Ebenso wie in medizinischen Berufen sollte man vor dem Körperlichen keine Scheu haben.

Die Schmids führen einen Familienbetrieb. Dabei hatte Alexander Schmid nach dem Abitur zunächst ganz andere Pläne. Er studierte Neuere Deutsche Literatur, Bayerische Geschichte und Soziologie mit dem Ziel, Journalist zu werden. Neben dem Studium half er bereits im elterlichen Betrieb mit, aber als nach seinem Magister ein Mitarbeiter aufhörte, fragte ihn sein Vater, ob er einsteigen wolle: „Wir haben das probiert. Vater und Sohn muss ja nicht funktionieren. Aber es lief sehr gut“, erzählt er. Der Bestatter kam schließlich über eine Weiterbildung zu seiner heutigen Tätigkeit.

Sein Studium betrachtet er keineswegs als verlorene Zeit: „Ich bin unter anderem auch als freier Trauerredner tätig. Da ist mein Studium sehr hilfreich, um die richtigen Worte zu finden.“

abi>> 18.05.2018