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Fachwissen und Fingerspitzengefühl

Friedhof
Gräber zu schmücken ist nur eine von vielen Aufgaben, die Bestattungsfachkräfte übernehmen.
Foto: Michael Neuner

Bestattungsfachkraft

Fachwissen und Fingerspitzengefühl

Im Umgang mit Angehörigen setzt Felix Neuner (30) aus Bamberg auf seine Empathie; seine Kreativität lebt er bei der Gestaltung von Todesanzeigen oder Sterbebildern aus. Als gelernte Bestattungsfachkraft ist er vor allem Berater. Das Bestattungsinstitut seiner Eltern möchte er später selbstständig weiterführen.

In das Bestattungsinstitut Friede in Bamberg kommen Menschen, die sich um den Abschied von einem Verstorbenen kümmern müssen. Für die Planung der Trauerfeier führt Felix Neuner intensive Gespräche mit den Hinterbliebenen und stellt Fragen nach der Lebensgeschichte des Verstorbenen. Diese Informationen lässt er einfließen. „Die Trauerfeier soll das Leben feiern, nicht den Tod“, sagt er. „Bei den Details lege ich deshalb besonderen Wert darauf, das aufzunehmen, was den Verstorbenen ausgemacht hat. Auf die Ideen dafür muss ich während des Gesprächs kommen, weil die Hinterbliebenen in diesem Moment häufig nicht dazu in der Lage sind.“

Seine Ideen setzt er beispielsweise bei der Dekoration des Raumes um, in dem die Angehörigen im Institut Abschied nehmen können, oder bei der Gestaltung der Grabstelle am Friedhof. Für einen Schlüsselmacher hat er dabei etwa unzählige Schlüssel um ein Bild des Toten drapiert, für eine Rosenliebhaberin alles mit der Königin der Blumen geschmückt. Auch Anzeigen in der örtlichen Tageszeitung oder Sterbebilder gestaltet der Bestatter individuell und macht häufig auch Textvorschläge dafür.

Pfarrer, Blumenläden und Steinmetze beauftragen

Wenn er morgens ins Bestattungsinstitut kommt, wirft Felix Neuner zunächst einen Blick in seinen Kalender und erledigt anschließend Büroarbeit: Er bestellt Pfarrer für Trauerfeiern, kontaktiert Blumenläden für die Ausschmückung der Feier und Gräber oder gibt Grabsteine bei Steinmetzen in Auftrag. Zu seiner Arbeit gehört es aber auch, Versicherungen und Rentenbezüge von Verstorbenen abzumelden, Zeitungs-Abos zu kündigen oder Wohnungsauflösungen zu organisieren. Und natürlich die Arbeit mit den Verstorbenen selbst, die im Institut für die Beisetzung vorbereitet werden. Sie werden gewaschen, eingekleidet und frisiert.

Die Betreuung der Kunden endet im Bestattungsinstitut Friede übrigens nicht mit der Trauerfeier. Um die Trauernden weiterhin zu unterstützen organisiert Felix Neuner Baumspaziergänge. „Die Bäume stehen für das Leben. Und diese Metapher gebe ich Trauernden gerne mit auf den Weg: Sie treiben immer wieder neu aus – auch wenn sie zugeschnitten wurden.“

Von Kindesbeinen an

Felix Neuner wuchs mit seinem heutigen Beruf auf: Seine Eltern sind beide Bestatter, führen das Institut im Erdgeschoss des eigenen Wohnhauses. „Das hat die Weichen gestellt, denke ich“, sagt er. Die Ausbildung hat der 30-Jährige dennoch nicht bei seinem Vater gemacht, sondern in einem Bestattungsinstitut in Erlangen. „Ich wollte nie einen Beruf ergreifen, bei dem ich ausschließlich am Computer sitze“, sagt er. „Heute habe ich viel Abwechslung bei meiner Arbeit, kann kreativ sein und stehe ständig vor neuen Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.“

„Um in diesem Beruf erfolgreich zu sein, braucht es ein Gespür für Menschen“, weiß er. Man müsse gut auf Menschen zugehen können, psychisch und physisch belastbar sein und seine persönliche Einstellung zum Leben zurückstellen können, man müsse Berater sein, aber nicht persönlich eingreifen und werten. „Ich habe das Glück, dass ich über eine gewisse Empathie verfüge und auch in der Trauer ein Stück weit mitgehen kann. Jedoch bin ich auch in der Lage, die nötige berufliche Distanz zu wahren. Das ist ein schmaler Grat und ich bin überzeugt, wenn man ihn exakt geht, macht man seine Sache gut.“

abi>> 19.11.2015