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Die Menschen hinter der Straftat sehen

Stacheldraht auf einer Gefaengnismauer.
Hält sich der Verurteilte während seiner Bewährungszeit an seine Auflagen und Weisungen, muss er seine Gefängnisstrafe nicht absitzen.
Foto: Johannes Simon

Bewährungshelferin

Die Menschen hinter der Straftat sehen

Im Rahmen der ambulanten Straffälligenhilfe betreut Sarah Ungar-Hermann (33) Menschen, die unter Bewährung oder Führungsaufsicht stehen. Auf einer 72-Prozentstelle tätig, ist sie aktuell für 58 Probanden in einem Gebiet des Landgerichtsbezirks Ansbach zuständig.

Während der festen Sprechzeit, jeweils Dienstag von 14 bis 18 Uhr, ist Sarah Ungar-Hermann jederzeit persönlich und telefonisch für die Probanden erreichbar, darüber hinaus werden feste Gesprächstermine vereinbart. Alle Gespräche und Telefonate dokumentiert sie anschließend genau. Außerdem nimmt die Bewährungshelferin an Gerichtsverhandlungen, beispielsweise am Jugendgericht, teil und gibt dort sogenannte Sozialprognosen ab – eine Aufgabe mit Tragweite. „Wird die Prognose vom Gericht als günstig bewertet, erhält der Angeklagte eine Freiheitsstrafe mit Bewährung“, erklärt sie. „Kommt das Gericht hingegen zu dem Schluss, dass die Prognose ungünstig ist, müsste er die Freiheitsstrafe ganz oder teilweise in Haft absitzen.“

Porträt von Sarah Ungar-Hermann

Sarah Ungar-Hermann

Foto: privat

Auch außerhalb der Sprechzeiten hat die Diplom-Sozialpädagogin stets ein offenes Ohr für ihre Probanden, wenn diese sich in einer akuten Notlage befinden und mit der Bewährungshelferin sprechen möchten. „Nach einem Streit mit seiner Freundin verspürte einer meiner Probanden Stress und Aggressionen, früher ist er bereits handgreiflich gegen Dritte geworden. In so einem Moment agiere ich als ‚Feuerwehr‘, um schadensbegrenzend zu handeln“, erklärt die 33-Jährige. Mit Feingefühl ergründet sie die Ursachen der Spannungen, fragt nach, hört aufmerksam zu, zeigt Lösungswege auf und vereinbart mit dem Probanden Maßnahmen, die ihn aus der Krise führen können. Regelmäßig berichtet sie dem Gericht von den jeweiligen Lebensverhältnissen und ob die Probanden ihre Auflagen, Weisungen und die Kontaktpflicht einhalten. Durchschnittlich betreut Sarah Ungar-Hermann jugendliche Probanden zwei Jahre, erwachsene drei. Rund ein Drittel der Probanden stehen unter Führungsaufsicht, was im Bundesland Bayern bedeutet, dass sie insgesamt fünf Jahre betreut werden.

Zwischen Distanz und Wertschätzung

Die besondere Herausforderung bei ihren vielfältigen Aufgaben sieht die Bewährungshelferin im Zusammenspiel von gesetzlich verankertem Mandat und gleichzeitigem Auftrag der Hilfe und Kontrolle. „Dabei spielt Transparenz gegenüber dem Probanden und die Arbeit mit Widerständen eine große Rolle. Das erfordert oftmals viel Zeit und Geduld.“ Ist sie einmal emotional zu nah an einem Fall dran, versucht sie Abstand zu gewinnen, etwa durch eine kollegiale Fallbesprechung. „Es ist jedoch nicht nur Distanz notwendig, sondern insbesondere auch die wertschätzende Grundhaltung Menschen gegenüber, die straffällig geworden sind.“

Schon als Schülerin wusste Sarah Ungar-Hermann, dass sie „etwas Soziales“ machen wollte. Nach der Fachhochschulreife absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Diakonie Neuendettelsau, studierte dann Soziale Arbeit an der Technischen Fachhochschule in Nürnberg und leistete dabei auch ein Praktikum in der bayerischen Bewährungshilfe ab. „Auch mein Studienschwerpunkt Resozialisierung/Gefährdetenhilfe war förderlich für den Berufseinstieg im Bereich Straffälligenhilfe“, ist sie überzeugt.

Fortbildung im Bereich Systemische Beratung

Nach einem Jahr im Sozialdienst einer Werkstatt für mehrfachbehindert hörgeschädigte Menschen wurde sie hauptamtliche Bewährungshelferin, zunächst am Landgericht München I und – nach einer dreijährigen Elternzeit – schließlich in Teilzeit beim Landgericht Ansbach. „Nachdem ich nun einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten habe, konnte ich auch verbeamtet werden.“ Als berufstätige Mutter achtet sie nun auf die Work-Life-Balance. „Mittelfristig kann ich mir vorstellen, neben den justizinternen Fortbildungen noch eine Zusatzausbildung, etwa im Bereich systemische Beratung, abzuschließen, um die Qualität der Beratungsarbeit weiter zu optimieren.“

 

abi>> 31.07.2015