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Die Vielfalt des Lebens entdecken

Detailaufnahme von einem Lernspiel.
Ergotherapeuten helfen beispielsweise Kindern, die unter Konzentrationsschwäche leiden.
Foto: Karsten Socher

Ergotherapeut

Die Vielfalt des Lebens entdecken

Kleinkinder mit Bewegungseinschränkungen, Schulkinder mit einer Konzentrationsschwäche, ältere Menschen, die nach einem Schlaganfall wieder das Anziehen erlernen müssen: Die Patienten von Marco Schwinghammer (39) könnten unterschiedlicher nicht sein. Genau diese Vielfalt macht für den Ergotherapeuten die Faszination seines Berufes aus.

Der Funke sprang direkt nach dem Abitur über: Nach einem Praktikum in einer ergotherapeutischen Praxis, wo er die Bereiche Diagnostik und Entwicklungsförderung bei Kindern kennenlernte, war Marco Schwinghammer Feuer und Flamme für den Beruf des Ergotherapeuten. „Die Arbeitskonzepte haben mich wirklich begeistert. Ich habe mich direkt im Anschluss beworben“, erinnert sich der heute 39-Jährige.

Seine Berufsausbildung absolvierte er an einer Berufsfachschule in München, im Anschluss arbeitete er ein paar Jahre lang als Ergotherapeut in einer Klinik für Kinderneurologie. Doch irgendwann wollte er sein Fachwissen vertiefen – auch zur Verbesserung seiner beruflichen Möglichkeiten – und entschied sich für ein Studium. „Durch das Studium werden ergotherapeutische Kompetenzen vertieft und zudem eine wissenschaftliche Arbeitsweise ermöglicht“, begründet er seine Entscheidung.

Er schrieb sich an der Döpfer Akademie ein, die das duale Studium in Kooperation mit der niederländischen Zuyd Hogeschool in Heerlen auch berufsbegleitend anbietet. Das Studium an der privaten, staatlich anerkannten Hochschule ist kostenpflichtig: Aktuell fallen rund 200 Euro pro Monat an. (Welche alternativen Studienmodelle es gibt, erfährst du übrigens im Artikel „Viele Wege führen ans Ziel“.)

Der Traum von der eigenen Praxis

Ein Porträt-Foto von Marco Schwinghammer

Marco Schwinghammer

Foto: Privat

Mit dem Titel „Bachelor of Health in Occupational Therapy (NL)“ in der Tasche – mittlerweile lautet der Abschluss Bachelor of Science –, gründete Marco Schwinghammer zusammen mit einer Kollegin seine eigene Ergotherapie-Praxis in der Nähe von München. Damit verwirklichte er seinen großen Traum. „Als Praxisbesitzer kann ich ergotherapeutische Konzepte und Leitlinien so umsetzen, wie ich es für richtig und effizient erachte“, erläutert er. „Kleiner Wermutstropfen: Ich habe auch viele organisatorische Aufgaben zu erledigen, zum Beispiel die Abrechnung bei den Krankenkassen oder die Buchhaltung.“

Rechtlich gesehen können Ergotherapeuten direkt nach ihrer Ausbildung, also auch ohne Studium, eine eigene Praxis eröffnen. Allen, die sich für diese Möglichkeit interessieren, empfiehlt der Ergotherapeut jedoch, Berufserfahrung zu sammeln und ein Existenzgründerseminar zu besuchen, um betriebswirtschaftliches Wissen zu erwerben.

Menschen aller Couleur

Marco Schwinghammer spezialisierte sich auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. An einem typischen Arbeitstag therapiert er rund zehn Patienten in Einzel- und Gruppensitzungen. Die Behandlungen reichen von der therapeutischen Unterstützung bei Problemen in der Fein- und Grobmotorik über die Unterstützung von Schulanfängern bei der Stifthaltung bis hin zu Konzentrationstrainings mit Kindern, die erste Anzeichen einer Aufmerksamkeitsstörung aufweisen. Dazu gehört es auch, mit den Eltern zu sprechen und gemeinsam Ziele festzulegen.

Obwohl sein Schwerpunkt auf der Arbeit mit Kindern liegt, betreut Marco Schwinghammer auch Erwachsene in seiner Praxis – etwa nach einem Schlaganfall oder bei Demenz im Frühstadium. Mit den Patienten trainiert er vor allem alltägliche Abläufe, etwa das An- und Ausziehen oder Essen, und hilft ihnen bei der Alltagsorganisation oder der beruflichen Wiedereingliederung.

Struktur und Einfühlungsvermögen gefragt

„Ein Ergotherapeut sollte vor allem Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis mitbringen“, betont Marco Schwinghammer. Zum einen, weil man mit Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft arbeitet; zum anderen, weil es nicht selten vorkomme, dass einem die Patienten ihr Herz ausschütten. „Besonders schätze ich die vielen Kontakte und Begegnungen. Durch sie entdecke ich in meinem Beruf die Vielfalt des Lebens.“

abi>> 01.06.2016