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Defizite spielerisch aufarbeiten

Ein Kind flechtet unter Anleitung einen Korb.
Anhand verschiedener Tests wird in der Ergotherapie beispielsweise die Feinmotorik und Konzentrationsfähigkeit des Kindes getestet.
Foto: Elizaveta Shlosberg

Ergotherapeutin

Defizite spielerisch aufarbeiten

Jasmin Treib (24) leitet den Fachbereich Ergotherapie in einem Therapiezentrum in Nürnberg. Bei ihren jüngsten Patienten geht sie besonders behutsam vor: Mit Spaß an der Sache lassen sich Lernfortschritte leichter erzielen.

Im Nürnberger Therapiezentrum Rechholz ist die Ergotherapeutin Jasmin Treib seit Januar 2016 für den Aufbau und die Leitung des kürzlich neu eingeführten Bereichs Ergotherapie zuständig. Sie kümmert sich daher auch unter anderem selbst um die Planung der Therapien und Termine. Die Patienten kommen auf Rezept, wenn zum Beispiel der betreuende Haus- oder Kinderarzt eine Ergotherapie verordnet hat.

Die Arbeit mit den Patienten beginnt mit einem Aufnahmegespräch: „Bei Kindern führe ich das Gespräch, wenn möglich, mit beiden Elternteilen“, erklärt die Ergotherapeutin. „Dabei geht es um die komplette kindliche Entwicklung samt Schwangerschaft und Geburt. Denn gerade Entwicklungsverzögerungen zeigen sich schon oft sehr früh und müssen dann in der Therapie aufgearbeitet werden.“ Es kann sich dabei zum Beispiel um Konzentrationsschwierigkeiten oder motorische Probleme handeln. Etwa wenn ein Kind nicht richtig rennen kann oder schnell aus dem körperlichen Gleichgewicht gerät – oder auch um feinmotorische Defizite wie der mangelnden Fähigkeit, einen Stift richtig halten zu können.

Vertrauen aufbauen

Ein Porträt-Foto von Jasmin Treib

Jasmin Treib

Foto: Therapiezentrum Rechholz

Die folgenden Therapieeinheiten verbringt Jasmin Treib mit dem Kind alleine und holt für die jeweils letzten fünf Minuten die Eltern dazu, um sie auf den aktuellen Stand zu bringen. „Während der ersten Sitzungen ist es zunächst wichtig, durch Gespräche und auch spielerisch Vertrauen zu dem Kind aufzubauen. Erst wenn diese Basis vorhanden ist, können Tests beginnen, bei denen zum Beispiel Grobmotorik, Konzentration oder visuelle Wahrnehmung geprüft werden.“ Anhand ihrer Beobachtungen und der Tests kristallisieren sich die Defizite heraus – und die therapeutische Behandlung kann beginnen. „In der Kindertherapie ist es besonders wichtig, Strukturen einzubringen und klare Regeln aufzustellen, nach denen man vorgeht. Außerdem achte ich darauf, die Inhalte so zu verpacken, dass die Therapie den Kindern Spaß macht, denn so können sie am besten lernen.“

Bei der letzten Therapieeinheit sind dann wieder die Eltern dabei. „Sie können mir von Veränderungen berichten, die sie beobachtet haben, oder von noch bestehenden Problematiken.“ Die Ergotherapeutin selbst berichtet wiederum davon, wie die Tests verlaufen sind, und gibt Tipps für zuhause, damit sich die Eltern weiterhin gut beraten und aufgehoben fühlen. Am Ende des verordneten Therapiezeitraums verfasst sie auch den häufig verlangten Arztbericht zum Verlauf der Therapie.

Strukturen aufbauen

Die Ausbildung zur Ergotherapeutin durchlief Jasmin Treib an den Döpfer Schulen in Nürnberg. Dass sie einmal mit Menschen arbeiten wollte, wusste sie schon lange. Ein Praktikum in einer Behindertenwerkstatt hat sie in ihrer Entscheidung für einen sozialen Beruf bestärkt. „Als mir meine Mutter dann einen Artikel über Ergotherapie gezeigt hat, war ich so fasziniert, dass ich mich für eine Infoveranstaltung an meiner späteren Schule angemeldet habe“, erzählt die 24-Jährige. „Danach war ich Feuer und Flamme für diesen Beruf, auch aufgrund seiner Vielfältigkeit.“

Auch in Zukunft möchte Jasmin Treib weiterhin als Ergotherapeutin arbeiten: „Mein Ziel ist es zunächst, die Ergotherapie im Therapiezentrum auszubauen. Für die Zukunft könnte ich mir auch vorstellen, mich irgendwann selbstständig zu machen – konkrete Pläne habe ich aber noch nicht.“ 

abi>> 17.10.2016