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Mitarbeiter ganzheitlich gesünder machen

Eine junge Ergotherapeutin untersucht die Hand eines Patienten.
Durch gezieltes Training verhelfen Ergotherapeuten zum Beispiel Mitarbeitern einer Firma zu mehr Wohlbefinden.
Foto: Hochschule Trier

Ergotherapeutin

Mitarbeiter ganzheitlich gesünder machen

Muriel Marieke Albers (26) kann von ihrem Fachgebiet kaum genug be­kommen: Die Ergotherapeutin leitet den Fachbereich Betriebliche Gesundheitsförderung beim Sportverein Eintracht Hildesheim 1861. Nebenbei unterrichtet sie als Dozentin an einer Berufsfachschule und absolviert zudem den berufsbegleitenden Master in Ergotherapie.

Mit der fachgebundenen Hochschulreife in der Tasche in Hamburg zog es Muriel Marieke Albers zunächst für einen Europäischen Freiwilligendienst ins Ausland: In den Niederlanden arbeitete und lebte sie in einer Wohngemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderungen. „Bei diesem Dienst wurde mir klar, dass ich Menschen in ihrer Selbstständigkeit unterstützen möchte. So kam es zur Entscheidung, dass ich Ergotherapeutin werden möchte“, berichtet die 26-Jährige.

Ihre Wahl fiel auf das duale Studium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim. An einer Fachschule für Ergotherapie absolvierte sie die dreijährige Ausbildung, an der Hochschule schloss sie zudem den Bachelor of Science in Ergotherapie ab.

Fließender Übergang in den Beruf

Ein Porträt von Muriel Marieke Albers

Muriel Marieke Albers

Foto: Enrico Garbelmann

Da Muriel Marieke Albers während ihrer Studienzeit zahlreiche Praktika absolviert hat und dabei bereits bei ihrem heutigen Arbeitgeber, dem Verein Eintracht Hildesheim, tätig war, gelang ihr ein fließender Berufseinstig. Mit 26 Jahren ist sie nun bereits Führungskraft im Verein und organisiert als Fachbereichsleiterin für betriebliche Gesundheitsförderung unter anderem Gesundheitskurse für Firmen. Sie hat Personalverantwortung für vier Mitarbeiter und zahlreiche Ehrenamtliche.

Zudem kommuniziert die Ergotherapeutin mit anderen Fachabteilungen und der Geschäftsführung des Vereins sowie Sponsoren. „Dabei ist ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Organisationsgeschick nötig“, berichtet sie. Insgesamt sind die Anforderungen an Ergotherapeuten ihrer Erfahrung nach hoch: „Man muss viel Eigeninitiative zeigen, selbstbewusst auftreten, zielstrebig arbeiten und motiviert sein, zudem andere motivieren können.“

Außerdem muss man viel lernen können. Sich das medizinische Wissen und die Krankheitslehre anzueignen, war für sie und ihre Kommilitonen eine erste große Hürde. Im Bachelorstudium lernte sie zudem die Grundlagen der Unternehmensführung, der Betriebswirtschaft und des Marketing kennen – eine gute Vorbereitung auf ihre heutigen Tätigkeiten. Als Ergotherapeutin ist sie ohnehin prädestiniert für die betriebliche Gesundheitsförderung im Sportverein: Ihren Ursprung hat die Ergotherapie in der psychiatrischen Beschäftigungs- und Arbeitstherapie. „Ich gehe in dem Beruf voll auf. Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, schauen zum Beispiel nicht nur auf Rückenschmerzen oder die Psyche, sondern betrachten die gesamte Lebenswelt der Mitarbeitenden“, erklärt Muriel Marieke Albers.

Fokus auf Forschung und Weiterbildung

Parallel zu ihrer Tätigkeit bei der Eintracht Hildesheim unterrichtet sie als Dozentin an der Hermann-Nohl-Berufsschule in Hildesheim die Fächer Gesundheitsförderung und Prävention, Arbeitstherapie sowie wissenschaftliches Arbeiten. Es fällt auf: Auch die Ergotherapie-Fachschüler werden bereits in wissenschaftlichem Arbeiten ausgebildet: „Die Module der Fachschule sind an die Module der Hochschule angepasst – die Studierenden haben allerdings noch mehr und intensivere Module in wissenschaftlichem Arbeiten“, betont die 26-Jährige.

Auch im Berufsfeld der Ergotherapie schreitet die Akademisierung also voran, wie auch in vielen anderen Berufen des Gesundheitswesens. „Das hat einen Grund: Ergotherapeuten sollten auf Augenhöhe etwa mit Ärzten oder anderen Fachleuten kommunizieren können und in der Lage sein, bestimmte Methoden oder Therapien wissenschaftlich zu begründen – zum Teil auch gegenüber den Kostenträgern wie den Krankenkassen“, erklärt Muriel Marieke Albers.

Berufsbegleitend zum Master

Um sich stets fachlich wie wissenschaftlich weiterzuentwickeln, hat die junge Frau den berufsbegleitenden, fünfsemestrigen Master in Ergotherapie an der Hochschule Hildesheim begonnen. Möchte sie sich nämlich die Option offen lassen, im Ausland zu arbeiten, könnte sie mit dem Bachelorabschluss überwiegend nur Assistententätigkeiten ausführen. Der Master ist forschungsintensiver – die Studierenden haben etwa kürzlich für ein Studienprojekt niedergelassene Ergotherapeuten in deren Praxen mit qualitativen Interviews befragt und diese anschließend ausgewertet.

In einem Jahr wird Muriel Marieke Albers den Master abgeschlossen haben. Danach kann sie sich gut eine Promotion vorstellen – „wobei das für Ergotherapeuten nicht einfach ist, weil es noch wenige Universitäten gibt, die sich auf Ergotherapie spezialisiert haben“, betont sie. „Ich möchte später gerne in der Forschung arbeiten, aber dabei stets den Praxisbezug behalten“, sagt sie.

abi>> 27.09.2018