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Der schönste Beruf der Welt!

Baby liegt in Kinderkrankenbett.
Hebammen und Entbindungspfleger begleiten Eltern vor, während und nach der Geburt. In den ersten Wochen unterstützen sie Mütter und Väter dabei, in ihre neue Rolle zu finden und ihr Neugeborenes richtig zu versorgen.
Foto: Martin Rehm

Hebamme

Der schönste Beruf der Welt!

Peter Wolf (36) ist einer von sehr wenigen männlichen Hebammen in Deutschland. Neben medizinischem Fachwissen ist bei seinem Beruf vor allem Fingerspitzengefühl gefragt, um Frauen, Paare und Neugeborene vor, während und nach der Geburt zu betreuen.

Ursprünglich hatte Peter Wolf Ethnologie und Pädagogik studiert. „Während dieses Studiums wurde mir irgendwann klar, dass ich Hebamme werden will”, erzählt er. Bei einer seiner Studienreisen nach Bolivien wurde dem Studenten bewusst, wie wichtig die Beziehung zwischen Mutter und Kind als Kern jeder Gesellschaft ist. „Dieser erste Aha-Moment hat sicher vieles in meiner späteren beruflichen Laufbahn beeinflusst.“

Neben einer schulischen Ausbildung kann Hebammenkunde inzwischen auch in Deutschland an einigen Hochschulen studiert werden. „Ich hatte mich im In- und Ausland auf Ausbildungs- und Studienplätze beworben – auch weil ich wusste, dass man in einigen Nachbarländern viel aufgeschlossener gegenüber Männern in diesem Beruf ist“, sagt der 36-Jährige

Tatsächlich klappte es dann im Ausland: Peter Wolf wurde an der Anglia Ruskin University im englischen Cambridge für das Studium „Midwifery“ angenommen. Nach drei Jahren hatte er seinen Bachelor of Science in der Tasche und sammelte ein halbes Jahr lang klinische Erfahrung in dem Krankenhaus, in dem er gelernt hatte. „Bevor man als hauptverantwortliche Hebamme Geburten alleine betreut, muss man während des Studiums mindestens 40 Geburten unter Anleitung einer erfahrenen Hebamme begleitet haben“, erklärt er.

Von Schwangerschaft bis Wochenbett

Ein Porträt-Foto von Peter Wolf

Peter Wolf

Foto: Jeremias König

Seit einigen Jahren lautet die Berufsbezeichnung für männliche Hebammen in Deutschland Entbindungspfleger. „Das umschreibt allerdings kaum das Tätigkeitsfeld der Hebamme“, findet Peter Wolf. Nach einem Antragsverfahren darf er heute ganz offiziell die Berufsbezeichnung „Hebamme” verwenden.

Als solche arbeitet er nun freiberuflich in Berlin. „Ich biete Hausgeburten an, kooperiere aber auch mit einem Berliner Geburtshaus.“ Sein Betreuungsangebot umfasst aber die gesamte Zeit der Schwangerschaft, ab etwa der zehnten Woche bis zum Wochenbett. Im Schnitt besucht er die Familien nach der Geburt ein- bis zweimal pro Woche, in der ersten Zeit sogar täglich. „Neben allen möglichen Beratungen rund um die Schwangerschaft, wie beispielsweise Ernährung, Bewegung und klinische Tests, ist ein Ziel meiner Tätigkeit immer auch, die Eltern in die Eigenverantwortung zu führen“, erklärt Peter Wolf.

Medizinisches und psychologisches Wissen

Hebammen und Entbindungspfleger benötigen neben der Fähigkeit, auf ganz unterschiedliche Menschen offen zuzugehen, medizinisches und psychologisches Wissen. „Da man mit vielen sozialen Themen konfrontiert wird, ist man immer auch ein bisschen Sozialarbeiter. Zuhören können ist da besonders wichtig“, erklärt der Fachmann. Außerdem sei ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen gefragt, um zu erkennen, wie das Kind im Mutterbauch liegt.

Laut statistischem Bundesamt waren 2015 von den insgesamt 9.081 festangestellten Hebammen und Entbindungspflegern in Deutschland nur vier Männer. Bei kaum einem anderen Beruf scheint das eigene Geschlecht eine so große Rolle zu spielen. Dass Peter Wolf in einem eher typischen „Frauenberuf“ arbeitet, stört ihn aber nicht. „Da ich selbstständig tätig bin, wenden sich ohnehin nur Paare an mich, die wissen, dass ich ein Mann bin – da ist mein Geschlecht dann nicht mehr wirklich ein Thema.“ Problematisch ist für den Berufsstand der selbstständigen Hebammen und Entbindungspfleger aktuell aber die Versicherungssituation. Die Prämien für die Berufshaftpflicht sind sehr hoch und werden nur zum Teil vom Staat übernommen. Dennoch bleibt für Peter Wolf die Tätigkeit als Hebamme weit mehr als ein klinischer Beruf: „Für mich ist es die schönste Arbeit der Welt.“

abi>> 01.03.2018