Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Die Lebensfreude im Blick

Erzieherin sitzt neben einem kleinen Jungen an einem Tisch und spielt mit ihm
In einer Heilpädagogischen Tagesstätte sind die Gruppen sehr klein und man kann sich Zeit für jedes einzelne Kind nehmen.
Foto: Julien Fertl

Heilerziehungspflegerin

Die Lebensfreude im Blick

Für Julia Ostermann (24) ist jedes Kind ein einzigartiger, wundervoller Mensch. Deshalb hat sie sich für einen Beruf entschieden, der ihr viel Zeit lässt, sich auf jeden Einzelnen ganz intensiv einzulassen. Sie ist Heilerziehungspflegerin geworden und leitet nun die Gruppe einer Heilpädagogischen Tagesstätte in der Nähe von Augsburg.

In einem normalen Kindergarten oder Hort sind die Gruppen relativ groß und die Möglichkeit, auf einzelne Kinder einzugehen, ist eher gering. Ich finde aber, dass jeder Mensch einen eigenen Charakter hat, der es verdient, gefördert zu werden“, sagt Julia Ostermann. „Im sonderpädagogischen Bereich steht die Persönlichkeit im Vordergrund, und wir haben die Möglichkeit, herauszufinden und herauszukitzeln, was diesen einzigartigen Menschen ausmacht.“

Zehn Teenager im Alter von 12 bis 14 Jahren betreut sie in ihrer Gruppe, zusammen mit einer Kinderpflegerin und einem Praktikanten. Ihr Arbeitgeber ist die Heilpädagogische Tagesstätte des Fritz-Felsenstein-Hauses in Königsbrunn bei Augsburg. Hier verbringen insgesamt 300 Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung ihre Nachmittage.

Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltung

Ein Porträt-Foto von Julia Ostermann

Julia Ostermann

Foto: privat

Die Arbeit der Teamleiterin beginnt um 12.30 Uhr, wenn ihre Schützlinge von der Schule kommen. „Die Kinder essen zu Mittag und erzählen dann, was sie erlebt haben. Wir besprechen, was sie danach machen wollen, zum Beispiel rausgehen oder einfach chillen. Und natürlich müssen sie ihre Hausaufgaben machen“, berichtet die Heilerziehungspflegerin.

Um 16 Uhr werden die Kinder mit dem Schulbus dann nach Hause gebracht. An zwei Tagen in der Woche arbeitet Julia Ostermann zusätzlich von 16 bis 21 Uhr im Schülerwohnheim des Hauses. „Ich helfe dort ein oder zwei Internatskindern am Nachmittag bei alltäglichen Dingen wie Zimmer aufräumen, vielleicht beim Duschen oder ich unternehme etwas mit ihnen.“

Leben miteinander erfahren

„In meiner Arbeit mit Kindern mit Behinderung steht die Lebensfreude im Vordergrund. Es geht um das Erleben der Kinder und das Miteinanderleben“, erklärt Julia Ostermann. „In der Regel können wir uns die Zeit für die Kinder nehmen, die sie brauchen“, sagt sie. Klar, ihr Alltag kann auch stressig sein, erzählt sie: „Manchmal kommen zwei Kinder zu mir, weil sie sich gestritten haben, und dann fängt auch noch ein drittes Kind an, seine Version zu erzählen. Daneben warten die anderen Kinder. Aber das lässt sich alles lösen.“

Sie betont, dass es bei aller Nähe trotzdem wichtig sei, nicht zu emotional zu werden und die richtige Distanz zu entwickeln, weil man sonst nicht mehr helfen könne. In solchen Fällen sei es gut, dass man als Team arbeite und nie alleine sei. „Und wenn wir einmal doch nicht weiterwissen, hilft die Leiterin der Heilpädagogischen Tagesstätte immer“, ergänzt sie.

Viel Praxis vor und in der Ausbildung

Den Umgang mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen hat Julia Ostermann in ihrer schulischen Ausbildung gezielt erlernt. Die Ausbildung ist landesrechtlich, zum Teil sehr unterschiedlich geregelt, dauert in der Regel zwei bis drei Jahre und bereitet auf eine staatliche Abschlussprüfung vor. Voraussetzung sind meist mindestens zwei Jahre Praxiserfahrung im sozialen Bereich. Julia Ostermann hat deshalb vor ihrer Ausbildung mehrere Praktika absolviert und sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei ihrem späteren Arbeitgeber entschieden.

Auch im Rahmen der schulischen Ausbildung gab es Praxisphasen, die Julia Ostermann an eine Sonderschule in Augsburg führte. „In der Ausbildungszeit hat mich ein Lehrer in den Praxisphasen begleitet“, berichtet Julia Ostermann. „Dabei habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, über die Dinge sofort zu sprechen, die mich bewegen. Nur wenn man es ausspricht, kann man wachsen“, erinnert sie sich zurück. Weiteführende Pläne für ihre berufliche Zukunft hat sie derzeit nicht. Aus ihrer Sicht ist sie in ihrem Traumberuf angekommen.

abi>> 18.02.2019