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Therapie hoch zu Ross

Hippotherapeutin bei ihrer Tätigkeit mit Mensch und Pferd
Hippotherapie hilft den Patienten auf vielfache Weise: Die Bewegungen des Pferdes wirken etwa heilsam bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, vom Kontakt zum Tier profitiert aber auch die Psyche.
Foto: Martin Rehm

Hippotherapeutin

Therapie hoch zu Ross

Alexandra Möck (28) setzt bei ihren Patienten auf eine besondere Form der Therapie: Sie führt Hippotherapie bei Menschen mit Behinderungen auf speziell ausgebildeten Pferden durch.

Routiniert begleitet Alexandra Möck den Mann, der seit einem Unfall vom Bauch abwärts querschnittsgelähmt ist, zur Rampe. Über diese kann er mit seinem Rollstuhl in passender Höhe neben die schon bereit stehende Islandstute fahren. Die Hippotherapeutin hilft ihm beim Aufsitzen. Nach einigen erklärenden Worten setzt sich das Pferd in Bewegung. Es wird von einer jungen, entsprechend ausgebildeten Reiterin geführt, die die Arbeit der Therapeutin unterstützt. „Sie bringt uns das Pferd, führt es während der Therapie und kümmert sich darum, dass es das entsprechende Tempo hält“, erklärt Alexandra Möck und ergänzt: „Dieses ist angepasst an den menschliche Gangrhythmus, weil dabei die Bewegungsübertragung am besten funktioniert.“

Das Becken mobilisieren

Ein Porträt-Foto von Alexandra Möck

Alexandra Möck

Foto: Ralf Just

Die Drei bewegen sich mit der Stute in den Wald hinein und folgen einer festgelegten Strecke, die sie bei jeder Therapieeinheit zurücklegen. Alexandra Möck geht nebenher und unterstützt die Bewegungsübertragung des Pferderückens auf den Patienten. „So kann ich ihm dabei helfen, bestimmte gleichmäßige Bewegungen durchzuführen, je nachdem, welche Defizite vorhanden sind“, erläutert sie den Therapieeffekt. „Das Pferd überträgt zum Gehen erforderliche Bewegungen auf das menschliche Becken und den Rumpf. Dadurch können wir zum Beispiel bei einer Querschnittslähmung das Becken mobilisieren und den Rumpf stabil halten. Unterstützt wird es noch durch den positiven Effekt, dass die Patienten sich darüber freuen, auf dem Pferd zu sitzen und draußen in der Natur zu sein. Das alles zusammen ist es, was mir an dieser Tätigkeit so gut gefällt.“

Es kommen Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen zu der 28-jährigen und ihren Kolleginnen in die Hippotherapie. „Hauptsächlich sind sie bedingt durch neurologische Erkrankungen Multiple Sklerose oder einen Schlaganfall. Doch wir behandeln zum Beispiel auch Kinder mit körperlich-geistigen Behinderungen.“ Meistens sitzen ihre Patienten selbständig auf dem Pferd. „Wenn jemand stark eingeschränkt ist und sich zum Beispiel nicht festhalten kann, sitzen wir Therapeuten hinten mit drauf.“

Neben Empathie für den Patienten ist bei der Hippotherapie auch Feingefühl für das Pferd erforderlich. „Man muss wissen, mit welchem Pferd man zusammenarbeitet und wie es in welchem Moment reagieren kann. Weil es große Tiere sind, sind einige Patienten auch etwas ängstlich, was ebenfalls besonderes Einfühlungsvermögen erfordert.“ Jahrelange Reiterfahrungen musste Alexandra Möck aber nicht mitbringen. „Es wird erwartet, dass man auf dem Pferd sitzen kann und mit seinen Gangarten vertraut ist. Zu der insgesamt zweiwöchigen Weiterbildung, die ich absolviert habe, gehört deshalb auch ein Reitkurs.“ Die Kosten für den Lehrgang lagen bei insgesamt rund 1.400 Euro.

Umgang mit Pferden und Patienten

Mit ihrer abgeschlossenen Ausbildung zur Physiotherapeutin hatte Alexandra Möck die Voraussetzung für die Weiterbildung zur Hippotherapeutin erfüllt. Obendrein schloss sie zuvor noch das Bachelorstudium „Health Care Science“ an der Hamburger Fernhochschule ab, das auf Aufgaben als Kinderphysiotherapeutin vorbereitet.

Zur Hippotherapie kam sie über die Praxis Lamprecht für Physiotherapie und Neurorehabilitation in Kirchheim/Teck, bei der die Weiterbildung in Kooperation mit dem Verein Deutsche Hippotherapie-Ausbildung angeboten wird. „Schon während meiner Berufsausbildung hatte ich einen Vortrag über Hippotherapie gehört und fand den Gedanken spannend, Tiere in die Physiotherapie mit einzubeziehen. Daher hatte ich mich später zu den Möglichkeiten umgehört.“ Der Beruf bietet verschiedene Perspektiven: „Denkbar wäre zum Beispiel, die Spezialisierung auf Kinder im Rahmen einer Fortbildung weiter auszubauen.“

abi>> 17.09.2018