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Unterrichten unter strenger Beobachtung

Eine junge Frau und ein junger Mann vor einer Tafel
Wer prüft hier wen? Angehende Lehrer müssen ihre Fähigkeiten zum Unterrichten in einem Referendariat unter Beweis stellen.
Foto: Katharina Kemme

Lehrer/in werden – Vorbereitungsdienst an einer Sekundarschule

Unterrichten unter strenger Beobachtung

Wer Lehrer werden will, muss nach dem Studium einen Vorbereitungsdienst durchlaufen. Vanessa Blum (28) steckt gerade mittendrin im sogenannten Referendariat und beweist an einer weiterführenden Sekundarschule, dass sie das Zeug zum Unterrichten hat.

Die angehende Lehrerin für Biologie und Geschichte absolviert seit Mai 2018 an einer Sekundarschule im Bezirk Arnsberg ihren Vorbereitungsdienst. Die Sekundarschulen in Nordrhein-Westfalen führen Schüler ab Klasse 5 gemeinsam, je nach Leistung, zum Haupt- oder Realschulabschluss, mit der Option auf einen anschließenden Übertritt in die gymnasiale Oberstufe.

Auf dem Weg zur zweiten Staatsprüfung

Ein Porträt-Foto von Vanessa Blum

Vanessa Blum

Foto: privat

Pro Fach finden während des anderthalbjährigen Vorbereitungsdienstes in Nordrhein-Westfalen in der Regel fünf benotete Unterrichtsbesuche statt. Diese Noten fließen in die Endnote des zweiten Staatsexamens ein. „Wenn ein Unterrichtsbesuch ansteht, wird jede einzelne Minute vorbereitet“, berichtet Vanessa Blum und erläutert: „Alles muss passen, schließlich will man seine Fachleiter, die Mentoren, den Schulleiter, die Schüler und sich selber zufriedenstellen. Das setzt mich manchmal enorm unter Druck.“

Gerade hat sie einen Unterrichtsbesuch in einer 9. Klasse in Bio absolviert: „Ich hatte fünf Wochen Zeit, mir – neben der alltäglichen Vorbereitung – zu überlegen, was ich machen möchte. Die Stunde sollte natürlich so kreativ wie möglich sein“, sagt sie. Die Idee: Ihre Schüler durften mithilfe von Tablet-PCs einen Immunsystem-Comic zeichnen. „Sie sollten zeigen: Welche Zelle kommt an welche Stelle? Wie läuft die Immunreaktion ab? Das hat den Schülern sehr viel Spaß gemacht und sie haben sich den Stoff selbst erarbeitet“, freut sie sich über den Erfolg.

Die Unterrichtsbesuche sind jedoch nur ein Baustein für das zweite Staatsexamen: Neben den vier Tagen pro Woche an der Schule, ist zudem ein Tag für das Seminar im Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung reserviert, das sie zusammen mit anderen Referendaren des Bezirks absolviert. „Dort geht es viel um fachspezifische Theorie, aber auch um allgemeine Themen“, erläutert Vanessa Blum. „Das läuft zum Glück ganz locker ab, Prüfungen gibt es hier keine.“ Die kommen stattdessen geballt am Ende des Referendariats: Dann muss die 28-Jährige zwei unterrichtspraktische Prüfungen (Lehrproben) schriftlich vorbereiten und mündlich reflektieren sowie ein Kolloquium mit Prüfern des Landesprüfungsamts abhalten, also ein wissenschaftliches Gespräch – alles an einem Tag.

Viele zusätzliche pädagogische Aufgaben

Der Vorbereitungsdienst ist vor allem dazu gedacht, das Unterrichten zu üben. „Da hat sich bei mir mittlerweile eine Routine eingestellt“, erzählt Vanessa Blum. „Ich brauche zirka eine bis drei Stunden für die Unterrichtsvorbereitung. Den Unterricht bespreche ich meist erst im Anschluss mit meinen Mentoren, außer ich möchte etwas ganz Neues ausprobieren. Anschließend wird auch hier reflektiert, was gut und was vielleicht gar nicht geklappt hat – dann suchen wir gemeinsam nach Optimierungen.“

Seit diesem Schuljahr, nach sechs Monaten Referendariat, steht sie bereits stundenweise alleine vor der Klasse, ohne dass ein weiterer Lehrer im Raum ist. „Das liegt mir sehr. Da kann ich viel ausprobieren und versuchen, die Schüler mit neuen Herangehensweisen für Bio und Geschichte zu begeistern“, erzählt sie freudig. Allerdings gibt es auch schwierige Situationen: „Wir haben Schüler, die flüchten mussten, andere kommen aus schwierigen Familienverhältnissen oder haben psychische Probleme. Es ist schlimm, was einige Kinder in so jungen Jahren schon alles erleben mussten. Die pädagogische Arbeit, die man in diesen Fällen zusätzlich leisten muss, ist daher nicht zu unterschätzen“, sagt sie. In ihrer Sekundarschule erhält sie hierfür aber sehr viel Unterstützung.

Auf die Schulart hat sich die 28-Jährige in ihrem Bachelor- und anschließendem Masterstudium für die Sekundarstufe I an der Universität Münster vorbereitet. „Bei meiner Wahl waren mir aber vor allem die Fächer wichtig: Geschichte und Biologie: Beides hat mich schon in der Schule fasziniert“, betont sie.

Stellensuche nach dem Vorbereitungsdienst

Nach dem Referendariat würde Vanessa Blum gerne an ihrer jetzigen Schule bleiben. Doch die angehende Lehrerin wird sich mit vielen anderen auf ausgeschriebene Stellen bewerben müssen – am besten noch bevor sie das zweite Staatsexamen in der Tasche hat. Auch fürs Referendariat hatte sie sich noch vor ihrem Masterabschluss online auf einer zentralen Webseite des NRW-Schulministeriums beworben. Dabei konnte sie Wunschschulen nennen, den Zuschlag für ihre Ausbildungsstelle bekam sie allerdings von der für die Schule zuständigen Bezirksregierung. Diese ist auch für feste Stellen im Schuldienst zuständig.

Wie viele ihrer Kommilitonen hofft auch Vanessa Blum, dass es schnell mit der Verbeamtung klappt. „Ich bin und werde eine gute Lehrerin sein“, ist sie sich sicher. Langfristig könnte sie sich auch vorstellen, Schulleiterin zu werden oder bildungspolitisch zu arbeiten. „Das Schulsystem mit- und umzugestalten, das wäre genau mein Ding.“

abi>> 25.03.2019