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„Mediennutzung braucht Bildung“

Eine junge Frau tippt auf einem Smartphone.
Wer nutzt meine Daten? Wie viel Zeit verbringe ich im Internet? Und wie erkenne ich, ob News fake sind oder nicht? Damit Jugendliche Antworten auf diese Fragen wissen und einschätzen können, setzt sich die Initiative "Keine Bildung ohne Medien" für mehr Medienbildung an Schulen ein.
Foto: Martin Rehm

Medienpädagogik – Interview

„Mediennutzung braucht Bildung“

Die Medienwissenschaftlerin Dr. Petra Missomelius ist Sprecherin der Initiative „Keine Bildung ohne Medien“. Mit abi>> spricht sie über einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien und wie sich Interessierte später beruflich in diesem Bereich einbringen können.

abi>> Frau Dr. Missomelius, was bedeutet Medienbildung?

Petra Missomelius: Medienbildung ist ein Navigator durch unsere medialisierte Lebenswelt. Wie notwendig sie ist, zeigt aktuell das Problem der Fake News. Medienbildung kann dabei helfen, solche gezielten Falschmeldungen zu erkennen. Damit einher geht auch ein Bewusstsein, dass man sich im Internet in der Öffentlichkeit und nicht im Privaten bewegt. Medienbildung soll dabei möglichst viele Menschen befähigen, sich an einer gesellschaftlichen Diskussion zu beteiligen, etwa wenn es um den Einsatz von intelligenter Software, Big Data oder auch Robotik geht. Häufig geht es ja auch um ethische Fragen. Die Entwicklung sollte nicht alleine Unternehmen und Ingenieuren überlassen werden.

abi>> Wie sehen konkrete Beispiele für Medienbildung aus?

Ein Porträtbild von Petra Missomelius

Petra Missomelius

Foto: privat

Petra Missomelius: Die Beispiele reichen von der Produktion, über die Verbreitung von Medienprodukten und der Reflexion eigener Medienprodukte, etwa selbst produzierte Erklärvideos, Lernspiele oder ähnliches, bis hin zu Elternbildung und Politikberatung, zum Beispiel in Fragen der informationellen Selbstbestimmung. Dabei geht es um die Achtung personenbezogener Daten: Wem gebe ich welche Daten und was geschieht dann mit ihnen? Interessant ist auch, was mit den Daten passiert, die über User von Lernsoftware anfallen. Wie gewährleiste ich, dass eine Weiterverwendung nur mit Zustimmung möglich ist?

abi>> Mit welchen Trends und Entwicklungen beschäftigen sich Medienpädagogen derzeit?

Petra Missomelius: Aktuell geht es vor allem um Themen wie Quellenkritik, Umgang und Erkennen von Fake News, um das Thema Medien und Demokratie, das (Bewegt-)Bild in der digitalen Kommunikation, aber auch ethische Fragen in Bezug auf Entwicklungspotentiale.

abi>> Wie wird man Medienpädagogin oder Medienpädagoge und welche Fähigkeiten sollten Interessierte mitbringen?

Petra Missomelius: Es gibt an verschiedenen Standorten unterschiedliche Studienangebote für Medienpädagogik, etwa im Rahmen von erziehungswissenschaftlichen Studiengängen wie an der Universität Mainz oder auch im Rahmen von Lehramtsstudiengängen wie an der Universität Passau. Im österreichischen Innsbruck startet zum Beispiel im Herbst der Studiengang „Spezialisierung Medienpädagogik“ für Lehramtsstudierende, die dies anstelle eines zweiten Schulfaches wählen können. Wer sich für Medienpädagogik interessiert, sollte Freude an der Arbeit mit Menschen sowie ein Talent zum Erklären haben, offen, neugierig und flexibel sein, über soziale Sensibilität verfügen und ein Interesse an technischen Entwicklungen mitbringen.

abi>> Welche Inhalte und Methoden lernen angehende Medienpädagogen?

Petra Missomelius: Die Studierenden setzen sich mit aktuellen Mediennutzungsstudien und Medienpraktiken auseinander. Sie lernen etwa, wo sie zuverlässige Informationen über Nutzungszahlen finden, welche Soft- und Hardware gerade bei welcher Nutzungsgruppe zur Anwendung kommt und welche spezifischen Subkulturen sich momentan bilden. Darüber hinaus sind medienhistorische Kenntnisse wichtig, um bei einem Medienwandel wiederkehrende Reaktionen zu verstehen und auch um mit heutigen Haltungen gegenüber Medien umgehen zu können. Darüber hinaus geht es um Quellenkompetenz, um strukturelle Kenntnisse, Spezifika von Face-to-Face- und virtueller Kommunikation, Entwicklung von pädagogischen und didaktischen Konzepten im Umgang mit Medientechnologien – um nur einiges zu nennen.

abi>> Wie ist die Nachfrage für Absolventen am Arbeitsmarkt?

Petra Missomelius: Ansteigend, angesichts der zunehmenden Digitalisierung und Technisierung aller Gesellschaftsbereiche. Aktuell sind dabei viele Aufgaben der Medienbildung im Bereich der sozialen Arbeit und in pädagogischen Arbeitsfeldern eingebettet.

abi>> In welchen Tätigkeitsfeldern können Medienpädagogen arbeiten?

Petra Missomelius: Das ist sehr breit gefächert und reicht von schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen über die Gestaltung von Unterrichtsmedien in Verlagen, in der Jugendarbeit und in der Erwachsenenbildung, im Bereich Museumspädagogik bis hin zu Projekten, die sich mit lebenslangem Lernen befassen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchworte: Medienpädagoge/-pädagogin, Medienbildung)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Stichwort: Medienpädagogik).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Bundeszentrale für politische Bildung

Die Bundeszentrale informiert über Medienpädagogik und gibt einen Überblick über Themen, mit denen sich Medienpädagogen befassen.
www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/medienpaedagogik/

abi>> 22.06.2017