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Zwischen Mensch und Handwerk

Ein Paar rote Krücken
Weit über Gehhilfen hinaus: Orthopädietechnik-Mechaniker stellen komplexe Hilfsmittel her - etwa Prothesen, Orthesen und Stützvorrichtungen.
Foto: Ria Kipfmüller

Orthopädietechnik-Mechaniker

Zwischen Mensch und Handwerk

Patrick Servais hat den richtigen Beruf für sich gefunden: Als Orthopädietechnik-Mechaniker fertigt der 25-Jährige Hilfsmittel, die Menschen mit Handicap unterstützen. Dafür braucht es nicht nur handwerkliches und technisches Know-how, sondern auch die Fähigkeit, sich in die Patienten einzufühlen.

Für Patrick Servais war bereits während seiner Schulzeit klar: Der Beruf, für den er sich entscheidet, muss drei Kriterien erfüllen. Er sollte Kontakt zu Menschen garantieren, handwerkliche Herausforderungen mit sich bringen und zukunftsträchtig sein. Kurz vor seinem Abitur bringt ihn der Zufall auf den richtigen Weg. Ein Zeitungsartikel über eine Orthopädietechnik-Werkstatt mit angeschlossenem Sanitätshaus in seinem Heimatort Troisdorf zwischen Bonn und Köln weckt sein Interesse. „Mir war klar, dass dieser Beruf der richtige für mich ist. Daher habe ich mich kurzerhand beworben“, erinnert sich Patrick Servais.

Ein Porträt-Foto von Patrick Servais

Patrick Servais

Foto: Privat

Bei einem ersten Zusammentreffen mit seinem Arbeitgeber musste der damals 19-Jährige nicht nur einen Allgemeinwissenstest bestehen, sondern auch seine handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Er bekam die Aufgabe, anhand einer Zeichnung eine Aluminiumstange nachzubiegen. Patrick Servais überzeugte und auch nach seiner Ausbildung wurde er in der Firma als Geselle übernommen.

In der Werkstatt arbeitet Patrick Servais zusammen mit rund 30 Kolleginnen und Kollegen an der Herstellung von Prothesen, dem künstlichen Ersatz von Gliedmaßen. Außerdem werden Orthesen hergestellt, also Schienen und Stützvorrichtungen für Beine, Arme, Gelenke und den Rumpf, die von außen angelegt werden.

Enger Kontakt zu den Patienten

Bevor er sein handwerkliches Geschick zeigen kann, nimmt Patrick Servais mit dem Maßband oder mit Hilfe computergestützter Verfahren Maß, erstellt mittels eines 3-D-Modellierprogramms Konstruktionszeichnungen und fertigt anschließend Positivmodelle aus Gips. „Anhand dieser Modelle stelle ich dann mit Schraubenziehern, Handsägen oder Schleifwerkzeugen aus Materialien wie Metall, Kunststoff oder Gießharz die Prothesen und Orthesen her“, erklärt der 25-Jährige. Da moderne Prothesen heute oftmals elektronisch gesteuert werden, fügt der Rheinländer elektronische Bauteile und biomechanische Technik ein. Er installiert und justiert beispielsweise mechanische, hydraulische und elektronisch gesteuerte künstliche Gelenke.

Doch Patrick Servais verbringt nicht nur Zeit in der firmeneigenen Werkstatt, sondern auch im Außeneinsatz – bei Patienten zu Hause oder in Krankenhäusern. Er spricht mit Ärzten und Therapeuten, um den Patienten bestmöglich helfen zu können. „Zu meinen Patienten besteht ein enger Kontakt über mehrere Jahre hinweg“, erzählt er. Der Sitz der Prothesen und Orthesen wird immer wieder überprüft: Kommt es zu Druckstellen, reibt oder scheuert das orthopädische Hilfsmittel? Kein Mensch ist wie der andere und so arbeiten Patrick Servais und seine Kollegen hochpräzise an jeder neuen Anpassung.

Nächster Schritt: Meisterprüfung

„In einem Beruf wie meinem ist es wichtig, dass man einander vertraut und sich aufeinander verlassen kann, um das perfekte Ergebnis zu erzielen. Meinen Patienten fehlen durch angeborene Krankheiten oder durch Unfälle Gliedmaßen – da braucht man viel Einfühlungsvermögen“, betont er. Entsprechend groß ist dann die Dankbarkeit der Patienten und genau das ist es, was Patrick Servais antreibt und motiviert: „Wenn man sieht, wie ein zuvor immobiler Mensch wieder laufen kann und vor Freude gleichzeitig lacht und weint, dann ist das auch für mich ein riesiger Erfolg.“

Drei Jahre sammelte Patrick Servais als Geselle Berufserfahrung und wagte vor Kurzem den nächsten Schritt: Zurzeit absolviert er einen rund 14-monatigen Meisterlehrgang an der Bundesfachschule für Orthopädietechnik in Dortmund. Wenn er die Meisterprüfung bestanden hat, kehrt er zurück in seinen alten Betrieb, um dann in ein paar Jahren seinen großen Traum zu erfüllen: „Irgendwann möchte ich meine eigene Werkstatt haben und selbst ausbilden.“

abi>> 28.05.2015