Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Interesse am Gegenüber

Blick in ein Klassenzimmer mit Schülern.
In seinem 18-monatigen Referendariat wird Martin Mackenbach auf den Alltag als Lehrer an einer sonderpädagogischen Schule vorbereitet und hält bereits eigene Unterrichtsstunden.
Foto: Martin Rehm

Referendar an einer sonderpädagogischen Schule

Interesse am Gegenüber

Seit Mai 2016 absolviert Martin Mackenbach sein Referendariat an einer Förderschule für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung in Köln. Dort unterrichtet der 28-jährige Sonderpädagoge derzeit in zwei Klassen.

Vier Tage in der Woche unterrichtet Martin Mackenbach Schüler gemeinsam in der zweiten und dritten Klasse sowie Fünftklässler. Ein Wochentag ist für seine eigene fachdidaktische Weiterbildung vorgesehen. „In den Seminaren lernen wir zum Beispiel, wie guter Unterricht aussieht, wie wir Leistungen beurteilen oder den Förderbedarf der Kinder diagnostizieren können“, erklärt der Referendar.

„Kinder in ihrem Verhalten weiterbringen“

Ein Porträt-Foto von Martin Mackenbach

Martin Mackenbach

Foto: A. Etges

Sein Ausbildungsfach ist Deutsch, allerdings kann es auch sein, dass Martin Mackenbach alle anderen Fächer unterrichtet – außer Sport, Englisch und Religion. Neun Stunden steht er alleine vor der Klasse, fünf Stunden hospitiert er bei erfahrenen Lehrern und unterstützt sie bei ihrem Unterricht. „Außerhalb der Schulzeit bereite ich die Stunden vor. In diesen geht es nicht nur um die Vermittlung von Fachwissen, sondern vor allem darum, die Kinder in ihrem Verhalten weiterzubringen.“

Dazu muss der Sonderpädagoge überlegen, was er im Unterricht erreichen will. „Mit Kindern, die Probleme beim Umgang mit anderen haben, mache ich etwa Partnerarbeit. So lernen sie, Regeln zu befolgen und auf andere einzugehen“, nennt er ein Beispiel. Mit den Kleineren hat er vor kurzem ein Kinderbuch gelesen, in dem es um Empathie ging – eine Fähigkeit, die den Kindern in seiner Förderschule oft schwerfällt.

Lehrer dank Zivildienst

„Eigentlich wollte ich nie Lehrer werden“, erinnert sich Martin Mackenbach. Seine Einstellung zum Lehrerberuf änderte sich mit dem Zivildienst, bei dem der heute 28-Jährige an einer Förderschule eingesetzt war. „Das hat mir gezeigt, dass es in Schulen nicht immer nur um Leistung geht, sondern dass auch andere Dinge wichtig sind.“ Also entschied er sich für ein Studium der Sonderpädagogik (heute heißt es Sonderpädagogische Förderung) an der Universität zu Köln. Als Unterrichtsfächer wählte er Deutsch und Sozialwissenschaften.

„Im Studium konnten wir zwischen unterschiedlichen Förderschwerpunkte wählen, darunter Sinnesbeeinträchtigungen, etwa des Hörens und Sehens, Körperlich-motorische Beeinträchtigung und Geistige Entwicklung“, erklärt der Absolvent mit Staatsexamen – heute schließen die Studierenden ihr Studium mit Bachelor und Master ab. „Ich habe mich für die Förderschwerpunkte Lernen sowie Emotionale und soziale Entwicklung entschieden. In der Praxis können sich einzelne Bereiche überschneiden.“

„Wertschätzendes Menschenbild“

Während seines 18-monatigen Referendariats muss Martin Mackenbach auch zehn Unterrichtsbesuche absolvieren. Das heißt, ein Fachleiter begutachtet zehn Unterrichtsstunden, die besonders gut vorbereitet sein müssen. „Der Vorbereitungsdienst ist schon eine anstrengende Zeit, weil man noch nicht so routiniert ist wie die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen und neben dem Unterrichten auch mit seiner eigenen Ausbildung beschäftigt ist“, findet der Referendar.

Das Studium hat ihn zwar theoretisch auf vieles vorbereitet, aber das meiste lernt er nun in der Praxis. Nach seinem Referendariat kann er entweder an einer Förderschule oder an einer inklusiven Regelschule unterrichten, in der alle Kinder gemeinsam lernen – auch solche, die einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf haben. „Als Sonderpädagoge muss ich auf jeden Fall Interesse an meinem Gegenüber und ein wertschätzendes Menschenbild haben“, fasst der 28-Jährige zusammen.

abi>> 21.08.2017