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"Das Schubladendenken verliert man schnell"

Psychologe spricht über Stress- und Entlastungsfaktoren.
Welche Strategien gibt es, um Stress zu vermeiden? Mit solchen Fragen beschäftigen sich Patienten bei der Gruppensitzung.
Foto: Axel Jusseit

Rehabilitationspsychologe

"Das Schubladendenken verliert man schnell"

Einzelgespräche und Gruppenangebote, Vorträge und Dokumentationen gehören zum Arbeitsalltag von Daniel Fischer. Der 34-Jährige arbeitet als Psychologe in einer Reha-Klinik im hessischen Kurort Bad Sooden-Allendorf.

Was genau ist eigentlich Stress? Wie wirkt er sich auf mich und meinen Körper aus? Welche Strategien gibt es, Stress zu vermeiden? Mit solchen Fragen beschäftigen sich Patienten, wenn sie eine Gruppensitzung bei Daniel Fischer besuchen. Seit April 2009 ist der 34-Jährige als Psychologe im Reha-Zentrum Bad Sooden-Allendorf – Klinik Werra der Deutschen Rentenversicherung Bund tätig. Dort kümmert er sich um psychosomatische Patienten mit langer Schmerzgeschichte, also um Menschen, bei denen sich psychische und körperliche Belastungen gegenseitig bedingen.

Ein Porträt-Foto von Daniel Fischer

Daniel Fischer

Foto: Privat

Entspannungsverfahren, Stress- und Schmerzbewältigung sind Themen, die der Psychologe in den Gruppen aufgreift und über die er Vorträge hält. Außerdem bietet er Einzelgespräche an. Den Großteil seiner Arbeitszeit verbringt der 34-Jährige bei den Patienten. Gerade bei der beruflichen Rehabilitation spiele zudem die Dokumentation eine wichtige Rolle: Es gehe nicht nur um die Frage, wie es dem Patienten während seines Aufenthalts geht, sondern auch um eine Einschätzung, ob er derzeit und in Zukunft wieder arbeiten kann.

Praktikum führte zur ersten Anstellung

Der erste Tag nach dem Studium war zugleich Daniel Fischers erster Arbeitstag in der Klinik Werra. Während seines Masterstudiums an der Hochschule Magdeburg-Stendal hatte er in der Rehaeinrichtung bereits ein Praktikum gemacht. Anschließend bewarb er sich erfolgreich um eine feste Stelle. Das Studium der Rehabilitationspsychologie habe ihn sehr gut auf das Berufsleben vorbereitet, da es extrem anwendungsbezogen sei. „Deshalb war ich relativ schnell einsetzbar“, sagt er.

Auch in anderen Arbeitsbereichen sammelte Daniel Fischer während des Studiums Erfahrung: Er absolvierte beispielsweise ein neurologisches Pflegepraktikum und arbeitete in der Familienberatung. Laut dem 34-Jährigen ist es wichtig, sich möglichst viele Tätigkeitsfelder in der Praxis anzuschauen, um zu überprüfen, ob die Arbeit auch den eigenen Vorstellungen entspricht.

Daniel Fischer ist mit seiner Entscheidung, als Reha-Psychologe tätig zu sein, sehr zufrieden: „Die Arbeit ist mega-spannend.“ Ständig begegne man anderen Menschen, die von Problemen berichten, die man selbst vielleicht nie als Schwierigkeit eingeordnet hätte. „Das Schubladendenken verliert man ganz schnell“, ist seine Erfahrung. Sehr befriedigend sei es, wenn man bei Menschen Veränderungen beobachten und daran teilhaben kann.

Es gibt aber auch belastende Momente. Etwa in Phasen, in denen viele Patienten zu betreuen sind, die unter gravierenden Problemen leiden. Besonders schwierig: „Wenn jemand eine stark ausgeprägte Psychose hat, kann man ihn nur begleiten, aber den Verlauf nicht beeinflussen. Da kommt schon ein Gefühl von Hilflosigkeit auf“, sagt Daniel Fischer.

Austausch mit Kollegen

Gerade für solche Situationen gibt es Auffangnetze. Der 34-Jährige tauscht sich mit seinen Kollegen, mit Ärzten und dem Pflegepersonal aus. In regelmäßigen Abständen gibt es zudem Supervisionen, also Einzel- und Gruppengespräche für die Beschäftigten, in denen berufspraktische Themen behandelt werden.

Weil er die Arbeit in und mit einem Team sehr schätzt, kann sich Daniel Fischer nicht vorstellen, sich mit einer psychotherapeutischen Praxis selbstständig zu machen. Derzeit macht er berufsbegleitend eine Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten. Mit dieser Ausbildung erweitert er seine Fähigkeiten wesentlich: „Ich kann dann sehr viel mehr und habe die Möglichkeit, mehr allein zu entscheiden. Schon jetzt während der Ausbildung vertiefe ich meine theoretischen und praktischen Kenntnisse zu klinischen Störungsbildern und spezifischen Therapieansätzen weiter.“

Nach dem Abschluss erhält er die Approbation, mit der er sich selbstständig machen und seine eigene Praxis eröffnen könnte. Jedoch sieht er seine berufliche Zukunft genau in dem Bereich, in dem er heute tätig ist: „Ich möchte weiter als angestellter Psychologe mit vorwiegend körperlich erkrankten Menschen an der Wiederherstellung ihres Wohlbefindens und ihrer Selbstständigkeit arbeiten.“

abi>> 03.09.2015