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Runter vom Schuldenberg

Eine junge Frau steht an einer Präsentationstafel.
Schuldnerberater unterstützen Menschen, die sich in einer finanziellen Notlage befinden.
Foto: Christof Stache

Schuldnerberaterin

Runter vom Schuldenberg

Spielsucht, Arbeitslosigkeit, Krankheit – es gibt viele Gründe, warum Menschen in die Schuldenfalle tappen. Wendy Schneider unterstützt Betroffene dabei, aus dieser Situation herauszukommen. Die 26-Jährige ist Schuldnerberaterin bei der Zentralen Schuldnerberatung in Bonn.

Rund 6.910.000 Menschen waren im vergangenen Jahr in Deutschland überschuldet, so die Bilanz des Creditreform SchuldnerAtlas 2017. Überschuldung bedeutet, dass es den Betroffenen – im Gegensatz zur Verschuldung – nicht möglich ist, ihre Schulden zu bezahlen, ohne dabei die eigene Grundversorgung zu gefährden. Längst nicht alle von ihnen bewältigen diese, nicht selten existenzgefährdende, Situation völlig selbstständig. In diesen Fällen stellt die Schuldnerberatung oftmals die erste Anlaufstelle dar. Eine davon befindet sich in Bonn, wo Wendy Schneider seit Juni 2017 arbeitet.

Die junge Schuldnerberaterin hat Soziale Arbeit an der Universität Duisburg-Essen studiert. Im Studium war Wendy Schneider sich noch unsicher, wohin die Reise danach gehen soll, beziehungsweise welche Gruppe hilfesuchender Menschen sie unterstützen möchte. Während eines Praktikums beim Sozialen Dienst der Bundeswehr ergaben sich erste Berührungspunkte mit der Thematik. „Da ich einen beratenden Job mit Verwaltungsaufgaben ausüben wollte, passte das Profil des Schuldnerberaters gut zu meinen beruflichen Vorstellungen“, sagt die 26-Jährige, deren Eindruck sich durch weitere Praktika bei verschiedenen Schuldnerberatungen bestätigte.

Von der Bestandsaufnahme bis zur Schuldenfreiheit

Ein Porträt-Foto von Wendy Schneider.

Wendy Schneider

Foto: privat

Eine geregelte Ausbildung gibt es für den Beruf nicht. Als Schuldnerberater in gemeinnützigen Einrichtungen oder staatlichen Schuldnerberatungsstellen arbeiten häufig Sozialarbeiter, Juristen oder Bankkaufleute, die ihr Wissen regelmäßig durch Fort- und Weiterbildungen aktualisieren. Wendy Schneider etwa hat während ihrer Einarbeitung den „Zertifikatskurs zur Schuldner- und Insolvenzberatung“ absolviert, der für eine Tätigkeit bei der Zentralen Schuldnerberatung in Bonn ein Muss ist. Solche Kurse werden zum Beispiel bei der Industrie- und Handelskammer angeboten und sind in der Regel kostenpflichtig.

Die Zentrale Schuldnerberatung in Bonn ist eine Einrichtung in Trägerschaft von Diakonie und Caritas und eine Anlaufstelle für Menschen, die ver- oder überschuldet sind, und die bei der Bewältigung ihrer sozialen und finanziellen Probleme Hilfe benötigen. „Dabei ist es völlig egal, wie hoch die Schulden sind. Die Beratung ist in jedem Fall ein kostenfreies Angebot“, erklärt sie.

Die Kombination aus sozialen, wirtschaftlichen und juristischen Komponenten findet Wendy Schneider besonders spannend an ihrer Arbeit. Doch was bedeutet das konkret? Zu Schuldnerberatern kommen meist Menschen, die den Überblick über ihre Schulden verloren haben oder die den Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. „Im ersten Schritt sammle ich alle Informationen, sortiere Gläubigerunterlagen und stelle einen Haushaltsplan auf, damit weitere Verschuldungen vermieden werden“, erklärt die 26-Jährige. In einem zweiten Schritt erarbeitet sie zusammen mit den Klienten eine Lösung zur Bewältigung der finanziellen Probleme.

Ein manchmal schwieriger Spagat

Da Verschuldung ein Thema sei, über das die wenigsten Menschen gerne reden, ist der Aufbau einer Vertrauensbasis sehr wichtig, meint Wendy Schneider, „damit die Klienten alles Relevante offen legen“. Zu ihrem Aufgabengebiet gehört auch die Verhandlung mit den Gläubigern. Zeitlicher Druck und Stress aufgrund des hohen Verwaltungsaufwandes gehören zum Arbeitsalltag dazu, weiß sie.

Wer als Schuldnerberater arbeiten möchte, sollte eine große Portion Geduld, Ruhe und die Fähigkeit zum Zuhören mitbringen. „Viele Klienten sind sehr nervös, erzählen, dass sie nicht mehr schlafen können und Angst vor der Zukunft haben. Hier muss stets der Spagat zwischen menschlicher Nähe und beruflicher Distanz gemeistert werden.“ Die Glücksmomente für Wendy Schneider sind die, wenn sie merkt, dass ihre Klienten ihr vertrauen und sie erfährt, dass sie schuldenfrei sind.

abi>> 15.05.2018