Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

„Es gibt noch viel zu tun“

Frau mit Kopftuch schreibt Integration an eine Tafel.
Sozialpädagogen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, koordinieren beispielsweise die Arbeit ehrenamtlicher Integrationslotsen.
Foto: Martin Rehm

Sozialpädagoge

„Es gibt noch viel zu tun“

Die Beratung von Asylbewerbern in allen Lebenslagen und die Koordination von ehrenamtlichen Integrationshelfern sind die Aufgabenfelder, denen sich Nathanael Kreglinger derzeit widmet. Der 24-Jährige, der im Sommer 2015 sein Bachelorstudium der Sozialen Arbeit abgeschlossen hat, arbeitet beim Diakonischen Werk Neustadt/Aisch in Mittelfranken. Eine Tätigkeit, die ihm trotz „Herausforderungen und Widrigkeiten“ große Freude bereitet.

Alternative medizinische Versorgung, finanzielle Unterstützung oder Hilfe beim Ausfüllen von Formularen: In Nathanael Kreglingers Sprechstunde können Asylbewerber sämtliche Themen anschneiden, die sie gerade beschäftigen. Er versucht, auf alles Antworten zu finden – und diese den Menschen verständlich zu vermitteln. Die Kommunikation aber ist oft schwierig. Nicht immer gibt es jemanden in der Familie, der Englisch oder ein wenig Deutsch spricht. „Manchmal rufe ich dann einen Bekannten der Familie an, der Englisch spricht, und bitte ihn, etwas auszurichten“, erklärt er.

Seit Oktober 2015 arbeitet der 24-Jährige in der Asylsozialberatung des Diakonischen Werks Neustadt an der Aisch in Franken. Seine Stelle, die damals neu geschaffen wurde, teilt er sich mit einer Kollegin. Gemeinsam sind sie für etwa 320 Asylbewerber zuständig.

„Heldenhafte“ Ehrenamtliche

Ein Porträt-Foto von Nathanael Kreglinger

Nathanael Kreglinger

Foto: Falk Schettler

Mit welchen Problemen die Flüchtlinge zu ihm kommen, hängt auch davon ab, ob sie schon Kontakt mit Ehrenamtlichen hatten, die ihnen bereits haben helfen können. Mit den vielen Freiwilligen, die Flüchtlinge bei der Integration unterstützen wollen, steht der Sozialpädagoge in regem Kontakt. Ihren Einsatz bezeichnet der Sozialpädagoge als heldenhaft: „Sie verzichten auf Freizeit, damit andere von ihrer Hilfe profitieren – ohne dafür selbst etwas zu bekommen.“

Seine Aufgabe sei es unter anderem, ein gut funktionierendes Integrationslotsen-Netzwerk aufzubauen, damit die unterschiedlichen Helferkreise, die sich im Landkreis gebildet haben, von den Erfahrungen anderer profitieren können und nicht „bei Null“ anfangen müssen. In jeder Gemeinde sucht er einen Ansprechpartner, etwa den Bürgermeister, den Dekan oder eine Privatperson, die er beim Aufbau einer Struktur unterstützt. Auch nimmt er regelmäßig an Treffen der Helferkreise teil und informiert sie zum Beispiel über kulturelle Gepflogenheiten.

Auf die eigenen Grenzen achten

„Wir stehen gerade erst am Anfang, es gibt noch viel zu tun“, sagt Nathanael Kreglinger. Für viele Probleme in seiner Region habe er noch keine optimale Lösung gefunden – aber er stellt sich gern der Herausforderung. „Es macht mir Freude, da ich gern mit Menschen arbeite.“

Das Studium der Sozialen Arbeit, das er zuerst an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und dann an der Evangelischen Hochschule Nürnberg absolvierte, habe ihm vor allem theoretisches Wissen vermittelt. Erste praktische Erfahrungen sammelte er während des Praxissemesters, das er bei der Aidsberatung Mittelfranken in Nürnberg absolvierte. Mit seinem heutigen Tätigkeitsbereich kam er nach dem Studium zum ersten Mal in Berührung, als er bei einem Projekt mithalf, in dem es um die Erstaufnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ging.

Aus seinen bisherigen Erfahrungen hat er eine Maxime abgeleitet: „Die Menschen, denen ich als Sozialpädagoge helfe, dürfen nicht die sein, die für mein Glück verantwortlich sind. Der Erfolg meiner Arbeit darf nicht über mein seelisches Wohlbefinden entscheiden.“ Es sei essentiell, auf die eigenen Grenzen zu achten und einen Ausgleich zu haben. Bei ihm sorgen sein Engagement in einer christlichen Gemeinde und seine Familie für viele „gute und wertvolle Momente außerhalb der Arbeit“.

abi>> 26.04.2016