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„Verhandeln“ zum Wohl der Kinder

Sozialarbeiterin im Gespräch.
Sozialarbeiter in Jugendämtern dienen als Ansprechpartner für Familien, Kinder und Jugendliche bei Problemstellungen.
Foto: Swen Reichhold

Sozialpädagogin

„Verhandeln“ zum Wohl der Kinder

„Jedes Kind hat ein Recht auf eine eigene Persönlichkeit“. Das ist das Leitmotiv, das die Sozialpädagogin Keisha Brown (34) bei ihrer Arbeit im Jugendamt begleitet.

In Deutschland gibt es 563 Jugendämter, die für die Kinder- und Jugendhilfe in einem Landkreis oder in einer kreisfreien Stadt zuständig sind. Im Jugendamt Pirmasens ist Keisha Brown Ansprechpartnerin für Familien, Kinder und Jugendliche. Ihre Abteilung heißt „Allgemeiner Sozialer Dienst“ und deckt das gesamte Spektrum an Erziehungshilfen ab.

Wenn Kinder und Jugendliche die Schule schwänzen und Eltern keinen Zugriff mehr auf ihre Sprösslinge haben, suchen sie bei ihr Rat. Häufig beschäftigt sie sich außerdem mit dem Thema, wie Eltern den Umgang mit ihren Kindern nach einer Trennung gestalten können. Und auch Alleinerziehende, die einfach Betreuungsangebote benötigen, suchen die Beratungsstelle auf. Da der Familienalltag viele Lebensbereiche berührt, kennt Keisha Brown auch die Unterstützungsangebote im Gesundheitswesen, von Schulen und dem Jobcenter.

„Hilfe zur Selbsthilfe“

Nicht immer kommen die Ratsuchenden von alleine. Manchmal wird die Jugendamt-Mitarbeiterin von Lehrkräften oder Sozialarbeitern auf Probleme aufmerksam gemacht, in anderen Fällen kann auch mal ein Familiengericht entscheiden, dass ein Mitarbeiter des Jugendamtes hinter die Fassaden einer Familie blicken sollte. „Es gibt immer noch eine Hemmschwelle, sich Hilfe vom Jugendamt zu holen. Dabei geht es bei uns stets um Hilfe zur Selbsthilfe“, betont die 34-Jährige.

Erziehungsprobleme gibt es in allen sozialen Schichten. Daher hat Keisha Brown im Alltag mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun. Meistens handelt sie im Dialog mit Kindern, Jugendlichen und Eltern Lösungen aus, die für alle Beteiligten tragbar sind: „Die Herausforderung dabei ist, meine eigenen Erziehungserfahrungen zurückzustellen und mich auf die Sichtweise der jeweiligen Klienten einzulassen“, erzählt sie. Ganz wichtig sind daher Teamsitzungen mit ihren Kollegen, in denen sie sich austauschen kann.

Hilfreiche Dokumentation

Viele Probleme kann sie in ein, zwei Beratungsgesprächen klären: „Je nach Situation kann es aber auch notwendig sein, externe Fachkräfte hinzuzuziehen, etwa aus der Erziehungsberatung.“ Nicht immer finden die Gespräche in ihrem Büro statt: „Manchmal besuche ich die Familien auch zu Hause.“
Als Sozialarbeiterin ist sie dazu verpflichtet, ihre Arbeit zu dokumentieren. Das empfindet sie aber nicht als lästig, sondern eher als hilfreich: „Gerade wenn etwas Zeit zwischen den Gesprächen liegt, ist es eine gute Unterstützung, wenn man sich entsprechende Notizen gemacht hat.“

Bevor sie im Jugendamt anfing, hat sie Soziale Arbeit an der Rhein-Main Hochschule in Wiesbaden studiert und mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. „Vor und während des Studiums habe ich als Erzieherin in einer Wohngruppe für Mädchen gearbeitet. Ich wollte mich aber verändern, und so habe ich das Studium begonnen und mich dann für die Arbeit im Jugendamt entschieden“, erinnert sie sich.

Staatliche Anerkennung für den öffentlichen Dienst

Ohne ihr Studium könnte Keisha Brown die Arbeit nicht leisten: „Das Studium vermittelt viele rechtliche Hintergründe, die man einfach in der tagtäglichen Beratung benötigt.“ Hinzu kommen Methoden der Gesprächsführung sowie Wissen über die Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen. „Die Vielseitigkeit der Themen spiegelt sich auch in meinem Berufsalltag wieder. Die Abwechslung und der Kontakt zu den Menschen sind genau die Punkte, die ich an meiner Arbeit so sehr schätze“, erklärt sie.

Ein geregeltes Hochschulstudium im Bereich Sozialpädagogik, Soziale Arbeit und Sozialwesen ist aber noch aus einem anderen Grund wichtig: Wer wie Keisha Brown im öffentlichen Dienst arbeiten möchte, benötigt die staatliche Anerkennung. Das entsprechende Zeugnis wird in einigen Bundesländern automatisch mit dem Bachelor ausgehändigt; in anderen müssen Absolventen nach dem Studium noch eine berufspraktische Tätigkeit ableisten – meist ein sogenanntes „Anerkennungsjahr“. Erst danach ist es etwa möglich, Familien in einem Jugendamt zu beraten. Da die verschiedenen Regelungen zur staatlichen Anerkennung länderspezifisch sind, sollten sich Studieninteressierte und Studierende für nähere Informationen rechtzeitig direkt an die jeweiligen Hochschulen wenden.

abi>> 19.06.2017