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Mitten drin im Leistungssport

Fußballzweikampf
Ein Beruf im Sport ist für viele ein Traum, der nur schwer zu verwirklichen ist. Katharina Petereit hat den Schritt geschafft.
Foto: Martin Rehm

Sportpsychologin

Mitten drin im Leistungssport

Ein berufliches Auskommen hätte Katharina Petereit (27) mit ihrem großem Hobby Karate nicht haben können. Stattdessen wurde sie Sportpsychologin und rutschte in die Welt des Fußballs. Aktuell arbeitet sie beim Drittligisten Hallescher FC und betreut dort die Nachwuchsspieler der U15 bis U19.

Wie ihr Arbeitsalltag aussieht, erklärt Katharina Petereit an einem Beispiel: „Ein Spieler kann seine Leistung aus dem Training nicht im Spiel abrufen. Er setzt sich unter Druck und blockiert sich damit immer mehr.“ In persönlichen Gesprächen reden beide über den Sport, aber auch über Schule, Familie oder Freunde – eben alles, was im Leben eines jungen Menschen wichtig ist. So versucht die Sportpsychologin, die Ursache für die Leistungsblockade aufzudecken und gemeinsam mit dem Spieler Lösungsstrategien zu entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Entspannungstechniken. Selbstreflexion ist ein weiterer Bestandteil der sportpsychologischen Betreuung: Nach jedem Spiel oder Training bespricht der Spieler mit Katharina Petereit, wo er eine Verbesserung gemerkt und was noch nicht geklappt hat.

„Coach the Coach“

Ein Porträt-Foto von Katharina Petereit

Katharina Petereit

Foto: privat

Die Sportpsychologin ist jedoch nicht nur bei Problemen zur Stelle sondern auch präventiv oder wenn es um die Leistungsoptimierung eines Spielers geht. Sie unterstützt ihn mithilfe von sportpsychologischen Übungen und Interventionen dabei, an seiner mentalen Stärke zu arbeiten, damit er noch mehr aus sich herausholen kann.

In ihrer Tätigkeit arbeitet sie eng mit den Trainern zusammen. Die holen sich ebenfalls Rat bei ihr. „Coach the Coach“ heißt das in der Fachsprache. Und sie fungiert im Bedarfsfall auch als Vermittlerin zwischen Trainer und Mannschaft. „Die Sportpsychologie steht nicht abgeschottet für sich, sondern gehört fest zum Trainings- und Spielalltag dazu“, betont sie.

Dass Katharina Petereit in diesem Mikrokosmos fast immer die einzige Frau ist, war dabei nie ein Problem. „Vielleicht fällt es manchen leichter, ihre Probleme einer Frau zu erzählen als einem Mann“, vermutet sie.

Vom Karate zur Psychologie

Dass sie beruflich etwas mit Sport machen wollte, war Katharina Petereit schon früh klar. Mit sechs Jahren fing sie mit Karate an, dann kamen Jazz & Modern Dance sowie Trampolinturnen dazu. „Karate hätte ich gerne beruflich gemacht. Aber in Deutschland kann man von diesem Sport allein nicht leben“, erzählt sie.

Also entschied sie sich für das breit angelegte Bachelorstudium Angewandte Sportwissenschaften an der Universität Paderborn. Dort kam sie unter anderem mit Medizin, Pädagogik, Trainingswissenschaft und auch Psychologie in Kontakt. Im Rahmen einer Projektarbeit betreute sie mehrere Wochen lang eine Kader-Athletin aus dem Karate. „Dabei habe ich gemerkt, wie viel mentale Unterstützung bewirken kann.“ So folgte als nächstes das Masterstudium in Angewandter Sportpsychologie an der Universität Halle.

Bei der Stellensuche für ein Pflichtpraktikum stieß sie auf einen Aushang des Halleschen FCs. Die Zusammenarbeit verlief so gut, dass ihr Praktikum zunächst verlängert und sie in der nächsten Saison für ein fest vereinbartes Stundenkontingent angestellt wurde. Verlängert werden ihre Verträge – wie bei Trainern auch – immer nur für eine Saison.

Offen für alle Sportarten

Seit drei Jahren ist Katharina Petereit nun für den Fußballverein tätig. Ihren Lebensunterhalt hat sie sich in dieser Zeit zusätzlich über ein Promotionsstipendium der Uni Halle finanziert. In ihrer Doktorarbeit, die sie demnächst abschließt, evaluiert sie ein Stressbewältigungsprogramm im Nachwuchsleistungsfußball.

Danach wird Katharina Petereit an der Uni eine halbe Lehrstelle in der Sportwissenschaft antreten. „Ich habe während der sportpsychologischen Arbeit gemerkt, dass mir auch das Anleiten großen Spaß macht.“ Zusätzlich will sie als Sportpsychologin auf selbstständiger Basis arbeiten – was in der Branche häufig vorkommt. „Deswegen ist es wichtig, sich einen Namen im Sport aufzubauen“, erklärt sie und engagiert sich auch aus diesem Grund auf der Plattform www.die-sportpsychologen.de der Universität Halle. Und noch etwas ist relevant für den beruflichen Erfolg: „Man sollte offen sein für alle Sportarten, um mehr Auswahl zu haben. Auch ich muss nicht unbedingt im Fußball bleiben.“

abi>> 05.06.2017