Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

„Man muss jeden Menschen vorbehaltslos annehmen können“

Eine Erzieherin spielt mit einem Jungen im Rollstuhl.
Kinder und Jugendliche mit Behinderungen haben teils sehr individuelle Bedürfnisse. In heilpädagogischen Einrichtungen gehen die Mitarbeiter daher ebenso individuell auf ihre Schützlinge ein, um sie bestmöglich zu fördern.
Foto: Kemme

Stellvertretender Leiter einer heilpädagogischen Tagesstätte

„Man muss jeden Menschen vorbehaltslos annehmen können“

Florian Ritter ist erst 27 Jahre alt, trägt aber bereits viel Verantwortung: Als stellvertretender Leiter der heilpädagogischen Tagesstätte und Leiter des Fachdienstes der Münchner „Phoenix Schulen und Kitas GmbH“ der Stiftung Pfennigparade betreut er mit seinem Team Kinder und Jugendliche mit Behinderungen.

Norwegen – für viele das Land der Fjorde, der Mitternachtssonne und des Wintersports. Für Florian Ritter war es der Ort, an dem er sich für eine berufliche Tätigkeit im sozialen Sektor entschied. „Bereits während meiner Gymnasialzeit arbeitete ich in diesem Bereich. Nach dem Abi absolvierte ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in Norwegen in einer Einrichtung für Erwachsene mit Behinderungen – für mich eine sehr positive Erfahrung“, erinnert sich der heute 27-Jährige.

Er entschied sich daher 2012 für den Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit“ an der DHBW Stuttgart und war anschließend als Referent für den Landesverband der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen Baden-Württemberg e. V. tätig.

Kinder und Jugendliche mit Behinderungen stärken

Ein Porträtbild von Florian Ritter

Florian Ritter

Foto: Urwatschow

Seit Januar 2017 hat Florian Ritter seine jetzige Stelle inne. Die verantwortungsvolle Position ist zweigeteilt: Einerseits ist der Sozialwissenschaftler als stellvertretender Leiter der heilpädagogischen Tagesstätte der „Phoenix Schulen und Kitas GmbH“ in München für die pädagogischen Mitarbeiter und die Kinder und Jugendlichen zuständig. Zu den Phoenix-Schulen und -Kitas gehören auch eine Ganztagsschule und ein Internat. „Unsere Schützlinge sind zwischen zwei und 17 Jahre alt. Sie haben Cerebralparese – eine frühkindliche Hirnschädigung –, Tetraparese – eine Lähmung aller Extremitäten –, Autismus, Lern- oder geistige Behinderungen“, zählt Florian Ritter auf.

Andererseits steht er dem Fachdienst vor, einer sechsköpfigen Gruppe aus Psychologen und Sozialpädagogen. Der Fachdienst möchte insbesondere die psychische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen fördern, damit sie trotz ihrer Behinderungen möglichst selbstständig am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Um das zu erreichen, organisieren die Mitarbeiter gezielt Gelegenheiten, bei denen ihre Schüler auf Kinder ohne Behinderungen treffen, zum Beispiel aus einer Partnerklasse. Auch arbeitet der Fachdienst mit externen Partnern zusammen und bezieht die Eltern und andere Angehörige ein, berät bei Elternabenden zu rechtlichen Fragen oder vor Behördengängen.

Spielverhalten studieren

In der Kita und der Schule gehört es zu Florian Ritters Aufgaben, gerade die jüngeren Kinder in alltäglichen Situationen – im Miteinander, beim Spielen oder beim Malen – zu beobachten. „Ihr Spiel-, Lern- und Sozialverhalten zeigt uns zum Beispiel, wie ihre Beziehung zu den Eltern beschaffen und wie ihr Kontakt zu anderen Kindern ist“, erklärt Florian Ritter.

Dabei versucht der Sozialwissenschaftler, mit den Kleinen ins Gespräch zu kommen und genau zu studieren, wie sie spielen. „Anhand der Wahl der Bücher, der Farbe der Stifte oder der Rollen der Spielfiguren – zum Beispiel Vater, Mutter, Kind – gewinnen wir Kenntnisse darüber, wie die Jungen und Mädchen gerade ticken. Stellen wir dabei Auffälligkeiten fest, gehen wir auf das Personal der entsprechenden Tagesstätte zu und besprechen uns.“ Er moderiert zudem Gruppenangebote, sogenannte Kinderkonferenzen. Dabei sprechen die Kindergartenkinder zum Beispiel darüber, was sie zum Thema „Gefühle“ bewegt.

Die älteren Jungen und Mädchen werden von Florian Ritter und seinen Kollegen beraten, wenn etwa die Pubertät ansteht, sie mit ihrer Behinderung hadern oder nicht wissen, welche Ausbildungsmöglichkeiten es für sie gibt.

Berufsbegleitend zum Master

Wer mit behinderten – und auch nichtbehinderten – Kindern und Jugendlichen pädagogisch arbeitet, sollte jeden Menschen vorbehaltslos annehmen, findet Florian Ritter: „Außerdem muss man körperlich und mental belastbar und flexibel sein. Geduld, Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen sind ebenfalls wichtig. In meiner Leitungsfunktion muss ich zudem Menschen führen können.“

Für seinen eigenen Weg hat der junge Mann einen ambitionierten Plan: Er möchte ab Herbst 2018 berufsbegleitend seinen Master in Sozialmanagement absolvieren, um zukünftig noch besser für seine Leitungsaufgaben gerüstet zu sein.

abi>> 19.07.2018