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Ein Händchen für kranke Tiere

Babykatze sitzt auf einer Hand.
Tierärzte müssen sich nicht nur um die Vierbeiner kümmern, sondern auch Verständnis für die Besitzer zeigen.
Foto: Elizaveta Shlosberg

Tierärztin

Ein Händchen für kranke Tiere

Mit dem Schritt zur Tiermedizin hat sich Laura Backhove (34) einen Kindheitstraum erfüllt. Der gelernten Orthopädietechnikerin war aber von Anfang an bewusst, dass ihr zukünftiger Beruf wenig mit der idealisierten Vorstellung vieler junger Menschen zu tun hat. Das hilft bei der täglichen Arbeit in der Tierärztlichen Klinik Dr. Lothar Datan im hessischen Wehrheim.

Als Laura Backhove im Wintersemester 2007 ihr Studium der Veterinärmedizin aufnahm, blickte sie bereits auf einige Jahre Berufserfahrung als Orthopädietechnikerin zurück: „Das hatte den großen Vorteil, dass ich wusste, was in einem medizinischen Beruf auf mich zukommt: glückliche Momente ebenso wie traurige, nicht besonders familienfreundliche Arbeitszeiten, sehr nette, aber auch schwierige Patienten und viel Abwechslung.“

Handwerkliches Geschick und Empathie

Ein Porträt-Foto von Laura Backhove

Laura Backhove

Foto: Privat

Seit 2013 ist Laura Backhove nun in der Tierärztlichen Klinik Dr. Lothar Datan angestellt. Dort wusste ihr Chef irgendwie immer genau, wann der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt war: „Als er mich für meinen ersten Nachtdienst eintrug, bekam ich einen spontanen Schweißausbruch. Er hat mir aber vertraut und gesehen, dass ich soweit bin“, erinnert sie sich. Ähnlich vertrauensvoll führte er die angehende Fachtierärztin für Kleintiere an die Gehörgang-Operationen, die sie mittlerweile eigenverantwortlich vornimmt. Trotz ihrer Affinität zu Hals-Nasen-Ohren- und Zahnheilkunde hat sie sich noch nicht für eine Spezialisierung entschieden: „Das tierärztliche Gesamtpaket mit Gynäkologie, Kardiologie, Orthopädie und chirurgischen Eingriffen ist einfach zu interessant. Mir macht alles Spaß: Sprechstunde, Behandlung, Operationen“, sagt sie.

Im Kontakt mit den Tierhaltern benötigt Laura Backhove Verständnis, Selbstbewusstsein und eine gesunde Distanz. Sie erläutert: „Ein Haustier ist oft wie ein Familienmitglied. Es sind harte Momente, wenn ich etwa dem Besitzer einer verschnupften Katze klarmachen muss, dass sie unheilbar krank ist. Wenn wir einschläfern müssen, ist es wichtig, dass der Besitzer bereit ist, diesen Weg mit seinem Tier zu gehen.“ Mitunter ist es für die Assistenztierärztin eine Herausforderung, bei diskutierfreudigen Besitzern, die ihr Wissen aus Internetforen beziehen, ruhig zu bleiben. Bringt auch die dritte Wiederholung nichts, bittet sie ihren Chef oft um Überzeugungshilfe. „Vieles geht nicht spurlos an mir vorbei. Ich versuche aber, einen gewissen emotionalen Abstand zu wahren“, sagt die 34-Jährige.

Quietschende Welpen

Ihren Studienplatz erhielt Laura Backhove mit zehn angerechneten Wartesemestern über das zentrale Vergabeverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung in Gießen: „Von allen Studienstandorten – Berlin, München, Hannover, Leipzig und Gießen – war die Justus-Liebig-Universität mein Favorit“, betont sie. Für ein Studium der Veterinärmedizin sollte man großes naturwissenschaftliches Interesse und sehr viel Lust und Zeit zum Lernen mitbringen. Neben Physik, Chemie und Zoologie stehen Fächer wie Embryologie, Virologie, Anatomie und Tierseuchenbekämpfung sowie diverse Praktika auf dem Studienplan, etwa in unterschiedlichen Kliniken und im Schlachthof.

Das Wissen um schwierige Arbeitszeiten – Wochenend-, Nacht- und Notdienste – und die eher bescheidenen Verdienstaussichten konnten Laura Backhove nicht von ihrem Berufswunsch abhalten: „Während meines sechswöchigen Praktikums in einer Pferdeklinik in Hamburg stand ich jede Nacht am OP-Tisch. Trotzdem wollte ich unbedingt in diesem Beruf arbeiten.“ Und wenn sie sich dann nach einem Kaiserschnitt nachts um drei um die Hündin kümmert und hinter ihrem Rücken das Quietschen der Welpen hört, weiß die 34-Jährige, dass sie sich richtig entschieden hat.

abi>> 02.06.2016