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Zwischen Tierversuch und Tierwohl

Junge Frau untersucht Proben im Labor.
In der Forschung und Entwicklung beschäftigen Tiermediziner sich beispielsweise mit Medikamenten für Tiere - eine verantwortungsvolle Aufgabe.
Foto: Nancy Heusel

Tiermediziner in der Forschung und Entwicklung

Zwischen Tierversuch und Tierwohl

Stephan Grundke hilft bei der Entwicklung von Medikamenten für kranke Tiere. Der 36-jährige Tiermediziner arbeitet als Projektleiter bei dem Pharmaunternehmen MSD Animal Health im rheinland-pfälzischen Schwabenheim in der Forschung und Entwicklung.

Seit Anfang 2015 ist Stephan Grundke beim Pharmaunternehmen MSD Animal Health tätig. Im Juli dieses Jahres wechselte er in die Abteilung „Globales Projektmanagement“. „Dort bin ich verantwortlich für das Management und die Koordinierung aller Teilaspekte von mehreren globalen Entwicklungsprojekten“, erklärt er.

Konkreter: Als Projektleiter ist der 36-Jährige sozusagen der Mittelsmann zwischen allen Beteiligten bei der Medikamentenentwicklung und dafür verantwortlich, dass alle Aufgaben wie geplant erledigt werden. Schließlich ist die Entwicklung einer Arznei eine sehr komplexe Angelegenheit, bei der viele verschiedene Fachabteilungen zusammenarbeiten müssen. „Entscheidungen und Probleme in einem Fachbereich haben oft Auswirkungen auf die Arbeit der anderen“, erzählt er. Deswegen muss er als Projektleiter beispielsweise alle eventuell Betroffenen informieren, wenn sich etwa die Dosis des Wirkstoffs ändert.

Von der Uni in die Industrie

Ein Porträt-Foto von Stephan Grundke

Stephan Grundke

Foto: privat

Nach seinem Studium an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) in Hannover blieb Stephan Grundke erst einmal an der Uni: Am Institut für Pharmakologie der TiHo erstellte er zunächst seine Doktorarbeit, bevor er anschließend am selben Institut als Postdoktorand arbeitete und forschte. Nach rund drei Jahren lief sein befristeter Vertrag an der Hochschule aus und Stephan Grundke bewarb sich auf Stellen in der Industrie. Bei MSD Animal Health mit Erfolg.

„Ich habe zunächst in der präklinischen Entwicklung angefangen“, blickt der Tiermediziner auf die Zeit vor dem Wechsel ins Projektmanagement zurück. Das ist die Abteilung, die mit Hilfe von Tierversuchen untersucht, wie ein Wirkstoff im Körper aufgenommen, verteilt und ausgeschieden wird – und wie sicher er ist.

Ethische Verantwortung

Das tiermedizinische Hintergrundwissen aus dem Studium war vor allem für seine Stelle in der präklinischen Entwicklung eine wichtige Voraussetzung. „Für die Planung der Studien und die Auswertung der Ergebnisse ist es wichtig, sich mit der Physiologie von Tieren gut auszukennen und solide pharmakologische Kenntnisse zu haben“, sagt Stephan Grundke. Aber auch als Projektleiter hilft ihm das tiermedizinische Fachwissen sehr. „Immerhin entwickeln wir ja Tierarzneimittel“, erinnert er und erzählt, dass es kürzlich um mögliche Injektionsstellen beim Rind ging. „Da kam dann das ganze Wissen zur Anatomie von früher wieder ins Spiel.“ Außerdem könne er als Tierarzt mit den Kunden – ebenfalls Tierärzte – ganz anders sprechen als jemand mit einem anderen Hintergrund.

Sein Job ist viel mit Planung, Organisation, Besprechungen, Budgetberechnungen und jeder Menge E-Mails verbunden. Mittlerweile arbeitet er außerdem weniger direkt mit Tieren wie bei seiner vorherigen Stelle. Dennoch sagt er ganz klar: „Wir entwickeln Medikamente für Tiere und die werden an Tieren getestet. Als Projektleiter bin ich mit dafür verantwortlich, zu entscheiden, welche Versuche überhaupt gemacht werden. Außerdem muss ich Sorge dafür tragen, dass diese Versuche so wenig belastend für die Tiere sind wie möglich.“ Für ihn sei das eine große ethische Verantwortung.

Neue Medikamente helfen kranken Tieren

Was er Menschen erwidert, die sagen, sie könnten nie Tierversuche machen? „Wenn ich den Eindruck habe, dass jemand schon eine sehr festgefahrene Meinung hat und nicht offen für eine differenzierte Betrachtung ist, spare ich mir meist die Mühe einer Debatte“, resigniert er. „Fakt ist, dass wir heute noch nicht soweit sind, auf alle Tierversuche verzichten zu können.“ Derzeit werde aber auf dem Gebiet der Ersatzmethoden viel geforscht. „Ich hoffe, dass wir in zehn bis 20 Jahren viele Versuche ohne Tiere durchführen können.“

Diese vielen verschiedenen Facetten sind es auch, die den Job für Stephan Grundke so spannend machen. „Die größte Herausforderung meines Jobs macht ihn auch ungemein spannend: die Zusammenarbeit mit anderen Menschen.“ Häufig kommuniziere er mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, verschiedenen Fachbereichen und Ländern. Es sei toll, gemeinsam mit anderen etwas zu bewegen und Probleme zu lösen. „Und natürlich ist es für einen Tierarzt ein befriedigendes Gefühl zu wissen, dass man an Medikamenten mitarbeitet, die dabei helfen, die Versorgung kranker Tiere zu verbessern.“

abi>> 19.11.2018