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Gesundheitssystem sucht IT-Experten

Eine Krankenschwester überwacht auf mehreren Computerbildschirmen die Untersuchung eines Patienten.
Medizininformatiker sind sehr gefragt - ob in Kliniken, in Arztpraxen, bei Versicherungen oder in der Pharma- und Medizintechnikbranche.
Foto: Hans-Martin Issler

E-Health – Interview

Gesundheitssystem sucht IT-Experten

Was ist E-Health? Und welche Trends bewegen diesen innovativen Bereich? abi>> hat mit Prof. Dr. Bernhard Breil gesprochen, Dozent für Medizinische Informatik an der Hochschule Niederrhein.

abi>> Herr Breil, das Gesundheitssystem ist wie viele andere Lebensbereiche auch mitten im digitalen Umbruch. Das Stichwort hier lautet E-Health – was steckt dahinter?

Bernhard Breil: Unter E-Health versteht man den Einsatz aktueller Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen mit dem Ziel, verschiedene Nutzergruppen – vom Patienten bis zum Arzt – interdisziplinär zu unterstützen. Damit ist E-Health ein Teilbereich der Medizinischen Informatik und adressiert die Schnittstelle zwischen medizinischen Grundlagen, Informatik und Management.

abi>> Vor welchen technischen Herausforderungen stehen Medizininformatiker und E-Health-Experten momentan?

Porträtbild von Bernhard Breil

Bernhard Breil

Foto: privat

Bernhard Breil: Man schafft derzeit im Rahmen des E-Health-Gesetzes eine digitale Autobahn für das Gesundheitssystem: Niedergelassene Ärzte oder Krankenhäuser werden unter Beachtung hoher Sicherheitsstandards vernetzt, Stichwort: digitale Patientenakte. Um dies zu realisieren, genügen reine Informatikkenntnisse nicht – die Medizininformatiker müssen auch das Gesundheitssystem mit den beteiligten Akteuren verstehen, nationale und internationale Standards kennen und medizinische Grundkenntnisse vorweisen.

abi>> Wozu dient die digitale Patientenakte?

Bernhard Breil: Bislang führen Krankenhäuser und Ärzte eigene Akten innerhalb ihrer Einrichtung. Eine einrichtungsübergreifende, elektronische Akte, die an einem Speicherort auf der digitalen Autobahn abgelegt wird, verbessert die Kommunikation zwischen Ärzten, Patienten und Apothekern. Doch die technischen Möglichkeiten sind derzeit Chance und Problem zugleich: Wer soll und darf auf die digitalen Akten zugreifen? Hier schlagen die Akteure im Gesundheitssystem momentan verschiedene Richtungen ein.

abi>> Was sind die Chancen im Bereich E-Health?

Bernhard Breil: Wenn es gelingt, all diese Konzepte gut zu kombinieren, können massiv Kosten gesenkt und Doppeluntersuchungen vermieden werden, etwa wenn Röntgenbilder schon in der digitalen Akte liegen. Für den Patienten sinkt dadurch die Belastung. Bei der Verschreibung von Medikamenten können Wechselwirkungen vermieden werden. Und die Akte kann den Patienten etwa an Impftermine erinnern.

abi>> Welche Studienmöglichkeiten gibt es für all jene, die diesen Berufsbereich künftig mitgestalten möchten?

Bernhard Breil: Das Fach Medizinische Informatik gibt es an vielen Standorten in Deutschland, daneben bestehen Studiengänge wie E-Health oder Gesundheitsinformatik mit ähnlichen Inhalten. Sehr wichtig ist die Schnittstellenkompetenz der Absolventen. So besuchen Studierende in diesen Fächern Medizinvorlesungen, denn sie müssen sich später mit Ärzten unterhalten und deren Anforderungen technisch umsetzen können. Man lernt, all diese E-Health-Themen politisch, technisch und organisatorisch zu überblicken. Im Übrigen ist das wissenschaftliche Arbeiten wichtig – viele Medizininformatiker arbeiten in der klinischen Forschung. In diesen Studiengängen geht es um die digitalen Zukunftsfragen wie die digitale Vernetzung von Akteuren im Gesundheitswesen, neue Apps für Patienten oder Telemedizinanwendungen wie die Video-Sprechstunde.

abi>> Wie steht es um die beruflichen Perspektiven?

Bernhard Breil: Wir bekommen hier an der Hochschule fast täglich Anfragen von Firmen im Gesundheitswesen, die nach guten Leuten suchen. Diese Nachfrage wird meines Erachtens auch in den nächsten Jahren hoch bleiben. Einsatzfelder sind IT-Abteilungen in Krankenhäusern, bei Versicherungen, Krankenkassen, medizinischen Versorgungszentren oder in Seniorenheimen. Auch braucht es IT-Fachkräfte in Verbänden, Behörden, der Selbstverwaltung, der Ärztekammer, Ministerien oder auch in der Pharmabranche. Einstiegsgehälter liegen selbst bei Bachelorabsolventen bei rund 45.000 bis 50.000 Euro brutto pro Jahr.

Mehr Infos

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: z.B. Medizinische Informatik, Medizininformatiker/in)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Medizinische Informatik, E-Health, Gesundheitsinformatik)

www.studienwahl.de

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS)

Fördert die Lehre, Forschung und Gesundheitsversorgung

www.gmds.de

Messe dmea

Plattform für digitale Bereiche des Gesundheitssystems

www.dmea.de

Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg)

Verband für rund 70 Mitgliedunternehmen der Gesundheits-IT-Branche

www.bvitg.de

health-it

Inforportal zum Thema E-Health

www.health-it-portal.de

E-Health-Gesetz

Infoseite des Bundesministeriums für Gesundheit zum Thema

www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/e-health-gesetz.html

abi>> 15.11.2018

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