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„Der Mensch steht im Mittelpunkt des Designs“

Ein junger Mann betrachtet zwei Tassen.
Form, Funktion, Material, Emotion - Industriedesigner haben diese und weitere Details im Blick, wenn sie in Serie gefertigte Produkte gestalten.
Foto: Sonja Trabandt

Industriedesign - Interview

„Der Mensch steht im Mittelpunkt des Designs“

Was macht gutes Industriedesign aus? Wie ist das Studium gestaltet? Und wie stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Der Präsident des Verbands Deutscher Industrie Designer (VDID), Stefan Eckstein, gibt einen Einblick in diese kreative Branche.

abi>> Herr Eckstein, was ist Industriedesign?

Stefan Eckstein: Der Kern des Industriedesigns ist es, in Serie hergestellte Produkte und Systeme verständlich, effizient und ökonomisch zu gestalten – sowohl für den Produzenten als auch den Nutzer. Systeme können eine Produktstraße sein oder auch ein ganzes Unternehmen, Stichwort Corporate Design.

abi>> Gibt es einen Unterschied zwischen Industrie- und Produktdesign?

Ein Porträtbild von Stefan Eckstein

Stefan Eckstein

Foto: VDID

Stefan Eckstein: Im Wortsinn nicht. Allerdings wollen wir – als Berufsverband für Industriedesigner – uns abgrenzen von der Bezeichnung des Ausbildungsberufs „Technische/r Produktdesigner/in“. Technische Produktdesigner setzen die Vorgaben von Ingenieuren oder Designern in 3-D-Zeichnungen um. Industriedesigner haben ein Studium abgeschlossen und stehen für die kompetente Entwicklung und Umsetzung des Designs.

abi>> Welche Trends beschäftigen die Branche derzeit?

Stefan Eckstein: Ein großer Trend, der bereits stattfindet und uns für die kommenden Jahrzehnte beschäftigen wird, ist die Digitalisierung. Es gibt viele Tendenzen, bei denen sich Technik und Nutzer voneinander entfernen, etwa die Robotik. Dabei sehe ich die Designer in der Verantwortung, den Menschen die Macht zurückzugeben und in den Mittelpunkt zu stellen: Jeder muss befähigt werden, neue Technologien leicht bedienen und verstehen zu können.

abi>> Können Sie ein Beispiel nennen?

Stefan Eckstein: Bedienterminals wie Fahrkartenautomaten. Viele Menschen verstehen die Bedienung nicht mehr. Hier ist es die Aufgabe von Designern, die Technik dem Nutzer wieder näherzubringen und beispielsweise die Bedienung intuitiver zu gestalten.

abi>> Welche Inhalte vermitteln Bachelor- und Masterstudium in Industriedesign?

Stefan Eckstein: Im Bachelor werden die wissenschaftlichen Grundlagen geschaffen. Die Studierenden lernen zu verstehen, wie die Entwicklung eines Produktdesigns von der Recherche über den Entwurf bis zur Planung und Umsetzung abläuft. Und natürlich werden auch technische Zusammenhänge gelehrt, etwa, wie ein Schalter an einer Bohrmaschine funktioniert. Durch Praxisaufgaben und Praktika während des Studiums haben Studierende direkt Einblicke in die Praxis. Das Masterstudium verfolgt einen experimentelleren Ansatz und geht vertieft und auf wissenschaftlicher Basis auf den gesellschaftlichen, ökologischen und intellektuellen Sinn des Designs ein.

abi>> Für wen kommen diese Studiengänge infrage?

Stefan Eckstein: Pure Neugierde treibt den Designer an. Man sollte also Spaß daran haben, Neues zu erforschen. Außerdem sollte man gestalterisches und technisches Verständnis mitbringen, kommunikativ und teamfähig sein. Gute Englischkenntnisse sind von Vorteil. Je nach Interesse können Interessierte eher technisch oder eher gestalterisch ausgerichtete Studiengänge des Industriedesigns wählen.

abi>> Diese Studiengänge sind allesamt zulassungsbeschränkt, Bewerber müssen ihre Eignung durch Mappen sowie die Teilnahme an Tests oder Gesprächen unter Beweis stellen. Wie lassen sich diese Hürden gut meistern?

Stefan Eckstein: In der Mappe können die Bewerber Freihandzeichnungen beilegen, zum Beispiel zum Funktionsprinzip einer Zange, auch Illustrationen und Entwurfsideen. Diese zeigen, dass eine künstlerische Begabung und technisches Verständnis vorliegen. In den Eignungstests werden den Bewerbern vor Ort an der Hochschule Aufgaben gestellt, zum Beispiel: „Zeichne einen Eierkarton.“ Komplexere Fragen wie „Gestalte einen Springbrunnen für ein Entwicklungsland“ können Aufschluss darüber geben, wie der Bewerber die Gestaltung mit sozialer und wirtschaftlicher Relevanz verknüpft. Im Gespräch zeigt sich dessen Kommunikationsstärke. Damit sich Studieninteressierte auf die Eignungsprüfung vorbereiten können, bieten viele Hochschulen Kurse oder Professorengespräche an.

abi>> Wie sind für die Absolventen Chancen und Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt?

Stefan Eckstein: Die Chancen für Industriedesigner sehe ich als weitreichend und positiv an. Möglichkeiten gibt es in Festanstellung in Unternehmen und Designbüros oder in der Selbstständigkeit – jeweils in ganz unterschiedlichen Branchen. Neben den Kernbereichen wie Entwicklung, Fertigung, Marketing oder der Leitungsebene sind sie oftmals als Speziallisten im Bereich des User-Experience oder als Designberater für Unternehmen tätig.

abi>> Welche Schwierigkeiten begegnen Industriedesignern in ihrem Beruf?

Stefan Eckstein: Der Designer muss Druck und Konfrontation aushalten können. In ein gut gestaltetes Produkt legt er immer auch viel Herzblut hinein – Kritik nimmt man dann schnell persönlich. Die nötige Selbstsicherheit wächst aus der Berufserfahrung heraus.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Industriedesign, Produktdesign)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Stichworte: Industriedesign, Produktdesign)
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Rat der Formgebung

Durch einen Beschluss des Deutschen Bundestages wurde der Rat der Formgebung initiiert, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu fördern. Der Rat vergibt die German Design Awards.
www.german-design-council.de

Verband Deutscher Industrie Designer (VDID)

Berufsverband für Industriedesigner, der unter anderem Unterstützung in Rechts- und Bildungsfragen sowie ein berufliches Netzwerk bietet
www.vdid.de

Allianz Deutscher Designer (AGD)

Mehr als 3.000 Mitglieder tauschen sich über die AGD zu Design- und auch Rechtsfragen aus und bilden ein Netzwerk.
www.agd.de

abi>> 12.04.2017