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IT-Chefin mit Humor

Programmierer arbeitet an seinem Computer
In einer Männerdomäne wie der IT-Branche sind Frauen in Führungspositionen noch selten.
Foto: Thomas Frey

Informatikerin in Führungsposition

IT-Chefin mit Humor

Die 36-jährige Jessica Aust ist Teamleiterin und Standortleiterin für ein Software-Unternehmen in München. In ihrer Branche ist sie als weibliche Führungskraft fast schon eine Rarität. Doch darüber macht sie sich keine Gedanken – lieber widmet sie sich mit viel Power und Enthusiasmus ihrem Job.

Wenn Jessica Aust morgens ins Münchner Büro kommt, stehen erst einmal wichtige Kundentelefonate an. Oder sie sitzt in einem virtuellen Workshop, um technische Details zu besprechen. Häufig geht es dabei darum, wie das Software-Produkt ihres Arbeitgebers, welches unter anderem aus Website und Intranet besteht, am besten beim jeweiligen Kunden in dessen oft komplexe technische Infrastruktur integriert werden kann.

Aus der Laiensprache in den Fachjargon

Ein Porträt-Foto von Jessica Aust.

Jessica Aust

Foto: privat

Danach setzt sich die Standortleiterin mit ihrem vierköpfigen Team zusammen und übersetzt die vom Kunden formulierten Wünsche in eine technische Sprache. „Nach dem Gespräch muss allen klar sein, wer zu welchem Zeitpunkt was auf welche Weise fertigstellen und an den Kunden liefern muss“, erklärt Jessica Aust.

Jenseits der Kundenarbeit sieht sich die 36-Jährige Teamleiterin auch als Coach, der ihre Mitarbeiter dabei unterstützt, gesteckte Ziele zu erreichen. Der Mensch mit seinen ganz individuellen Bedürfnissen sei ihr dabei sehr wichtig. Derzeit begleitet sie etwa eine Mitarbeiterin beim Prozess von der Entwicklerin hin zur Projektleiterin. „Dabei ist mir wichtig, dass ich weiß, was die jeweilige Person für diesen Weg auch von uns als Firma braucht“, schildert sie.

Erste Programmierschritte in den Achtzigern

Jessica Aust hat sich schon als Kind für Computer begeistert. In den 1980-er Jahren hat sie als Siebenjährige begonnen, gemeinsam mit einer Nachbarin simple Computerspiele zu programmieren. Nach einem „eher mittelprächtigen“ Abi kam es ihr daher gelegen, dass das Studienfach Informatik an der Ludwig-Maximilians-Universität nicht zulassungsbeschränkt war. Also nahm sie das Studium in München auf. Später wechselte sie zur Medieninformatik, worin sie schließlich auch ihr Diplom erlangte.

Den beruflichen Einstieg schaffte sie bei einem IT-Dienstleister, bei dem sie als Entwicklerin beschäftigt war. „Dort bin ich die Karriereleiter relativ schnell hochgeklettert“, erzählt sie. Erst arbeitete sie im Projektmanagement, dann übernahm sie die Leitung eines Teams und schließlich eines ganzen Bereichs mit Personalverantwortung für 30 Mitarbeiter. Nach zehn Jahren sei es Zeit für einen Wechsel gewesen. „Ich reichte meine Kündigung ein, um mich in Ruhe neu zu orientieren“, erinnert sich Jessica Aust. Lange dauerte es aber nicht, bis sie bei ihrem jetzigen Arbeitgeber eingestellt wurde, um für diesen einen neuen Standort in München aufzubauen.

Kompetenz und eine Prise Humor

Die IT sei eine spannende Branche, die es auch und gerade Frauen ermögliche, ihre Stärken auszuspielen. „Die Kommunikation mit ganz unterschiedlichen Kunden und Kollegen und die Koordination der vielfältigen Prozesse macht Spaß und bringt jeden Tag viel Inspiration“, findet Jessica Aust. Dass sie als Frau in einer männerdominierten Branche eine Führungsposition belegt, empfand sie bisher nie als problematisch: „Ich fühle mich in der Rolle sehr wohl. Sie ist für mich auch einfach total selbstverständlich.“ An ihrer Autorität habe auch noch nie jemand ernsthaft gezweifelt. „Ich glaube, ich strahle einfach aus, dass ich auf diesem Gebiet kompetent bin. Aber auch eine gute Prise Humor und Lockerheit sehe ich als wichtigen Erfolgsfaktor“, sagt sie. Einen Vorteil des weiblichen Führungsstils sieht die Teamleiterin am ehesten in der Fähigkeit, verschiedene Meinungen gut zusammenführen zu können. „Frauen haben vielleicht manchmal ein feineres Gespür dafür, wie sich der Kunde fühlt und was er braucht, um zufrieden zu sein.“ Verallgemeinern möchte sie das aber auf keinen Fall.

Den nächsten Schritt auf der Karriereleiter sieht Jessica Aust zunächst erstmal im Wachstum des neuen Standorts. „Wenn wir mehr werden, sind wir auch handlungsfähiger und können unsere Kunden im Münchner Raum noch besser unterstützen“, sagt sie. Aber auch für sich persönlich möchte sie etwas erreichen: „Ich möchte noch besser Aufgaben delegieren lernen – das fällt mir nämlich manchmal gar nicht so leicht.“

abi>> 04.11.2016