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„Wir sind die verspielte Abteilung“

Detail: Laser schneidet Metall
Schneiden, schweißen, bohren – heutzutage werden viele Vorgänge aus der Ferne gesteuert.
Foto: Thorsten Helmerichs

Elektrotechnikingenieur in der Industrie 4.0

„Wir sind die verspielte Abteilung“

Drei Monate hatte Christian Görg (27) mit seinen Kollegen darauf hingearbeitet, dass die Kunden bei der Hausmesse seines Arbeitgebers die sogenannte „Industrie 4.0“ live erleben können. Als Koordinator des Projektteams bezog der Elektroingenieur über 100 Mitarbeiter verschiedener Abteilungen mit ein.

Die Aufgabe war, die Kunden des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf mit der „smarten Fabrik“ bekannt zu machen. Die Besucher der Hausmesse konnten sich über Computer oder mit dem eigenen Smartphone einloggen und ihr persönliches kleines Blechauto konfigurieren. Online wählten sie etwa Scheinwerfer, die Form des Kühlergrills und einen eigenen Schriftzug aus. Sie konnten schließlich in Echtzeit verfolgen, wie ihr Blechauto die einzelnen Produktionsstufen an verschiedenen Orten durchlief – bis hin zur Mitteilung „Sie können Ihr Auto am Lagerplatz abholen“.

Eine Spielerei, sicherlich. Aber eben auch ein schnell begreifliches Beispiel für die intelligente Vernetzung der industriellen Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik, die unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ die vierte Phase der Industrialisierung einläutet – nach der Erfindung der Dampfmaschine, des Fließbands und der Computertechnik. Dabei sind alle Maschinen miteinander und über Computer mit den Mitarbeitern vernetzt. Sie teilen selbstständig mit, wenn sie etwa Materialnachschub oder neue Werkzeuge benötigen – oder wenn Reparaturen nötig sind. Christian Görgs Arbeitgeber ist ganz vorn mit dabei: Das Hochtechnologie-Unternehmen mit Hauptsitz in Ditzingen bei Stuttgart entwickelt Werkzeugmaschinen, Laser- und Elektrotechnik in vielen Bereichen.

Maschinen aus der Ferne steuern

Ein Porträt-Foto Christian Görg

Christian Görg

Foto: Michael Reiser

Schon am Gymnasium hatte Christian Görg Physik und Informatik als Leistungskurse gewählt. Nach dem Abitur bewarb er sich bei seinem heutigen Arbeitgeber und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) für ein duales Studium. Im Bachelorstudiengang „Elektrotechnik und Automation“ standen Basistechnologien und die Softwareentwicklung für Werkzeugmaschinen im Zentrum.

Nach dem Studienabschluss blieb Christian Görg im Unternehmen – und wurde gleich mit einer verantwortungsvollen Aufgabe betraut: Er übernahm die technische Projektleitung bei der Entwicklung der ersten App für die Fernbedienung von Werkzeugmaschinen übers iPad. „Da muss man sich reinfuchsen“, erzählt er. Denn nicht nur die Software muss funktionieren – es galt auch, die Sicherheit für Mensch und Maschine zu gewährleisten und ganz praktische Fragen zu beantworten, etwa in Bezug auf vorhandene WLAN-Zugangspunkte.

Aber geht das überhaupt, so große und schwere Maschinen aus der Ferne zu steuern? Nicht jeder lässt sich leicht von der Vernetzung der Maschinen begeistern. „Es galt, auch die Kollegen von den neuen Ideen zu überzeugen“, erinnert sich Christian Görg. Der Faktor Mensch spielt selbst in der Industrie 4.0 eine entscheidende Rolle, deshalb muss der Elektroingenieur viel und überzeugend kommunizieren.

Neue Ideen für die intelligente Produktion

„Wir gelten als verspielte Abteilung“, sagt er. Zusammen mit seinen Kollegen spielt er mit neuen Ideen, wo und wie sich unterschiedliche Systeme intelligent vernetzen lassen. Für Christian Görg ist seine Tätigkeit wie ein Computerspiel – nur „viel besser, denn bei Maschinen bewegt sich was, da tut sich was – das ist die Faszination für mich“.

Der 27-Jährige plant bereits die nächsten Stufen auf der Karriereleiter. Vor einem halben Jahr begann er – in genauer Absprache mit seinem Arbeitgeber – ein Masterstudium der Elektrotechnik mit der Fachrichtung „Intelligente vernetzte Systeme“. Der duale Master an der DHBW verspricht frei wählbare Module, die auf die Bedürfnisse und Karriereziele zugeschnitten sind. Darüber hinaus reduzierte Christian Görg seine Arbeitszeit auf 75 Prozent. Ein Spaziergang werden die zwei Jahre Studium dennoch nicht. „Man muss sich die Zeit einteilen und darauf achten, dass es auch privat passt“, sagt er. Eine Fähigkeit, die ihm später sicher zugutekommt, ob als Experte oder Führungskraft.

abi>> 14.06.2016

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