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Die Berliner Unter(wasser)welt

Mann im Blaumann kontrolliert dicke Wasserrohre. Foto: Frank Pieth
Rohr frei: Mehr als 3,7 Millionen Berliner sind auf eine funktionierende Wasserversorgung angewiesen.
Foto: Frank Pieth

Ingenieur in der Wasserwirtschaft

Die Berliner Unter(wasser)welt

Bauingenieur Felix Borchert kennt sich bestens aus in der Berliner Unterwelt: Der 27-Jährige betreut Baumaßnahmen rund um die Wasserver- und -entsorgung.

Berlin hat mehr als 3,7 Millionen Einwohner. Diese werden täglich von den Berliner Wasserbetrieben mit Trinkwasser versorgt, das aus neun Wasserwerken mit rund 650 Grundwasserbrunnen stammt. Das größte städtische Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland sorgte auch dafür, dass allein 2017 über 261 Millionen Kubikmeter Abwasser entsorgt wurden. Das Kanalnetz der Hauptstadt ist mit seinen 9.700 Kilometern eine eigene Unterwelt, in der das Abwasser gesammelt, zu den sechs Klärwerken nach Brandenburg gepumpt und dort gereinigt wird.

Portraitfoto von Felix Borchert. Foto: Privat

Felix Borchert

Foto: Privat

„Es gibt nicht viele Städte dieser Größenordnung weltweit, in denen Wasser in dieser Qualität aus dem Wasserhahn kommt – und das sowohl im Erdgeschoss wie auch im zehnten Stockwerk“, erzählt Felix Borchert. Der Bauingenieur ist einer von über 4.300 Beschäftigten der Berliner Wasserbetriebe.

Viele Baustellen im Blick

Angefangen hat der Ingenieur in der Abteilung Netz-Planung: „Die Stadt wächst. Das bedeutet, wir müssen das Netz permanent erweitern und erneuern.“ In der Planung zu arbeiten, bedeutet ein hohes Maß an Eigenverantwortung bei der Zeit- und Aufgabeneinteilung. Er arbeitet an komplexen Infrastrukturbauvorhaben, bei denen etwa in einer Straße zeitgleich Trinkwasserrohre, Abwasserdruckleitungen und -kanäle saniert und ausgewechselt werden – möglichst ohne dass deren Funktion und der Verkehr über Gebühr eingeschränkt werden.

Mittlerweile hat Felix Borchert gewechselt und ist in der Bauleitung tätig. Hier verbringt er weniger Zeit im Büro, ist dafür mehr auf Baustellen unterwegs. „Ich muss das Budget und den Zeitplan im Blick behalten und die Baustellen vor Ort überwachen. Kommunikation mit vielen Beteiligten – darunter Firmen, Behörden, Anliegern – steht dabei im Vordergrund“, erklärt er. Das fängt bei den Genehmigungen für die Baustelleneinrichtung an und reicht über Gasunternehmen, deren Rohre ebenfalls unter der Straße verlaufen, bis hin zu Fragen und Hinweisen von Anwohnern: „Der Fahrrad- und Busverkehr muss laufen und auch die ökologische Baubegleitung, die darauf achtet, dass Bäume und Tiere durch die Baumaßnahme nicht gefährdet werden, spielt eine Rolle.“

Größtes Kanalnetz Deutschlands

Jede Wasserversorgung hat ihre Eigenheiten. Das Berliner Trinkwasser stammt aus einem regionalen Kreislauf, der sich aus Grundwasser speist, von dem ein großer Teil aus den Flüssen versickert. Und weil Spree und Havel von Natur aus wenig Wasser führen, ist in ihnen der Anteil von wiederaufbereitetem Abwasser hoch: „Das wird nach gründlicher Reinigung dem Kreislauf wieder zugeführt“, berichtet Felix Borchert. Berlin hat das größte Kanalnetz in Deutschland, wobei es ein sehr flaches Gefälle hat. Das heißt, das Abwasser fließt nicht von selbst zu den Klärwerken, die sich fast alle in Brandenburg befinden. Um es dorthin zu befördern, braucht es 163 Pumpwerke als Zwischenstationen.

Zudem ist in Berlin auch Abwasserstauraum ein großes Thema, der nach wie vor weiter ausgebaut wird. Dort können bei Starkregen Abwassermengen, die die Klärwerke nicht in Echtzeit verarbeiten können, zwischengespeichert und so Überläufe in die Gewässer vermieden werden.

„Wissen immer wieder aktualisieren“

Das Besondere an den Bauprojekten der Berliner Wasserbetriebe ist, dass sie sowohl die Netze der Ver- als auch der Entsorgung im Blick haben: „Ziel ist es, die Baumaßnahmen möglichst effizient zu koordinieren, damit nicht in kurzen Zeitabständen Straßen wiederholt aufgerissen werden müssen und die Bürger und Bürgerinnen mehrfach mit Baustellen konfrontiert sind.“ Klingt logisch, aber Planungen medienübergreifend zusammenzubringen, ist nicht immer einfach – viele Stellen müssen mit ins Boot geholt werden.

Ob Planung oder Bauleitung: „Man muss sein Wissen immer wieder aktualisieren, weil sich technisch so viel ändert.“ Studiert hat Felix Borchert Bauwirtschaftsingenieurwesen als dualen Studiengang mit integrierten Praxisphasen bei den Berliner Wasserbetrieben. Später hat er berufsbegleitend einen Master in Teilzeit draufgesattelt und sich im Auslandssemester auf Abwasserwirtschaft spezialisiert. „Die Aufgaben werden immer komplexer und alles hängt mit allem zusammen. Um diese Beziehungen besser zu verstehen, habe ich mich für den Master Urbane Infrastrukturplanung entschieden“, erklärt er. 

abi>> 22.08.2018

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