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Wie kommt die Medizintechnik in die Klinik?

Detailfoto Herz / Lungenmaschine
Der Medizintechniker in der Fachplanung entwirft für Kliniken medizinische Geräte und bleibt bis zur Inbetriebnahme Ansprechpartner.
Foto: Thorsten Ulonska

Ingenieur Medizintechnik

Wie kommt die Medizintechnik in die Klinik?

Wenn Sebastian Putze (33) Kliniken mit medizintechnischen Geräten ausrüstet, ist ein Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Disziplinen gefragt. Der Ingenieur für Medizintechnik ist Fachplaner beim Sana-Medizintechnik Servicezentrum mit Sitz in Stuttgart und begleitet Projekte vom Entwurf bis zur Inbetriebnahme der Geräte.

Es ist ein Mammutprojekt: Mitten in München baut die Ludwig-Maximilians-Universität eine neue Klinik. Bis 2020 entstehen auf 12.400 Quadratmetern unter anderem Notaufnahme, Ambulanz mit Herzkathederlabor, Geburtshilfe, Endoskopie, Sonographiezentrum, Radiologie, vier OP Säle und Platz für 200 Betten. Die Liste an medizintechnischen Geräten, die in Kliniken dieser Größenordnung eingesetzt werden, ist fast endlos: Röntgengeräte, CT, MRT, Sauerstoffmonitore, Dialysegeräte, OP-Beleuchtung …

Sebastian Putze ist als Fachplaner auf die medizintechnische Ausstattung solcher Großprojekte spezialisiert: „Vom ersten Entwurf, der auf einem Skizzenpapier entsteht, bis zur Abnahme am letzten Tag, bis auch das letzte Gerät in Betrieb genommen wurde, sind wir dabei.“ Das kann gerne mal sechs bis sieben Jahre dauern.

Hochspezialisierter Bereich

Ein Porträt-Foto von Sebastian Putze.

Sebastian Putze

Foto: Katharina Vähning

Mit „wir“ ist ein 20 Personen starkes Team des Servicezentrums gemeint. Das Unternehmen gehört den Sana-Kliniken und bietet technischen Service und Beratung sowohl für Sana-eigene als auch externe Krankenhäuser. „Unsere Fachplanung ist ein kleiner, aber hochspezialisierter Bereich“, erklärt Sebastian Putze. Im Team sind viele Spezialisten, mit denen er sich berät und austauscht. Medizintechnik ist komplex und deckt eine ganz große Bandbreite an Technologien ab. Dazu zählen beispielsweise Mechanik, Elektronik, Strahlenphysik und IT.

Sein Büro ist in Stuttgart, die Großprojekte, die er betreut, befinden sich mal in der Nähe, mal in München, Hamburg oder Berlin: „Es ist viel Reisetätigkeit, aber das ist auch spannend. Jedes Bauprojekt ist anders.“

Termine mit Chefärzten, Architekten, Pflegeleitung

Der 33-Jähgrige fährt oft hunderte Kilometer zu Besprechungen, Abnahmen oder Kontrollen. Morgens kann ein Termin mit dem Chefarzt und der Pflegeleitung, mittags mit dem Architekten und nachmittags mit dem Trockenbauer und dem Elektriker auf dem Plan stehen. „Da Kliniken häufig mit öffentlichen Geldern gefördert werden, haben wir auch Kontakt zu den entsprechenden Regierungsstellen. Dort müssen wir zum Beispiel Rechenschaft über das Budget ablegen und erklären, warum wir welche Geräte einbauen“, sagt er.

Kommunikation ist ebenso wichtig wie Fachkompetenz: Er muss überzeugen, erklären, zuhören. Hinzu kommt der sichere Umgang mit spezieller Planungssoftware und EDV-Programmen, mit denen er seine Projekte organisiert.

Sebastian Putze weiß genau, was er tut, wenn er etwa ergonomische Arbeitsplätze für Therapeuten einrichtet oder Röntgengeräte auswählt. Nach einer Ausbildung zum Mechaniker für Orthopädietechnik, schloss er einen Bachelor of Engineering in Biomedizintechnik/Medizintechnik an der Fachhochschule Ulm an und absolvierte anschließend einen Master of Science in Maschinenbau an der Universität Stuttgart.

Promotion nicht ausgeschlossen

Dennoch war der Berufseinstieg nach dem Studium auch ein Sprung ins kalte Wasser: „Die medizintechnische Seite ist das eine. Hinzu kommt in meinem Fall aber das komplette Fachwissen rund um den Bau. Da dies ein Nischenbereich ist, lernt man das nur in der Praxis“, weiß der 33-Jährige. Andersherum würde es kaum funktionieren: Ein Bauingenieur könnte seinen Job ohne medizintechnisches Fachwissen nur schwer leisten, ist Sebastian Putze überzeugt.

Der Ingenieur könnte sich vorstellen, künftig noch eine Doktorarbeit zu verfassen. „Das war auch der Grund, warum ich den Master an einer Universität gemacht habe. So habe ich die Möglichkeit, später noch zu promovieren.“

abi>> 02.04.2018

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