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Der große Auftritt der Mechanik

Theaterbühne
Was ist technisch und finanziell machbar? Ingenieure für Theatertechnik realisieren künstlerische Ideen.
Foto: Martin Rehm

Ingenieur für Theatertechnik

Der große Auftritt der Mechanik

Jakob Kerscher (33) konstruiert Bühnenteile, die sich per Maschinenkraft bewegen lassen, findet das optimale Material für einen Boden und noch so manch andere Lösung. Als Ingenieur für Theatertechnik ist er für die technische Entwicklung und Konstruktion von Bühnenbildern am Hamburger Schauspielhaus zuständig.

Ein Luxusdampfer füllt die Bühne des Hamburger Schauspielhauses, zehn Meter breit und sechs Meter hoch, gestaltet als überdimensionales Regal, dessen offene „Fächer“ die Kabinen darstellen. Im dramatischen Finale sinkt das „Schiff der Träume“ – so der Titel der Inszenierung nach Federico Fellini. Ein Moment, der Jakob Kerscher reichlich Kopfzerbrechen bereitet hatte. „Bis kurz vor der Premiere haben wir an der Konstruktion getüftelt“, erinnert er sich. „Das Schiff kann komplett zusammenklappen, da musste jede Verriegelung und jede Sicherheitsvorrichtung sitzen.“

Von der Bauprobe bis zur „Bühnenreife“

Ein Porträt-Foto von David Kerscher

Jakob Kerscher

Foto: Christine Lendt

In seinem Büro in der obersten Etage des Theaters zeichnet der Ingenieur die Konstruktionen per CAD-Software, recherchiert und bestellt das passende Material. Er kontrolliert auch den Bau des Bühnenbilds in den hauseigenen Werkstätten, die er durch große Glasfenster im Blick hat. Seine Arbeit an einem Projekt beginnt mit der sogenannten Bauprobe. „Dabei bekommen wir das jeweilige Modell und Zeichnungen vom Bühnenbildner und bauen zunächst mit einfachem Material einen Entwurf in Originalgröße.“ Im Dialog mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Schreinerei, Schlosserei oder Deko-Werkstatt wägt Jakob Kerscher dann ab, was technisch und finanziell machbar ist. Da kollidieren seine Ergebnisse auch mal mit den Vorstellungen der Künstler. „Bei einer Inszenierung hätte die Regie gern einen glänzenden Boden gehabt, auf dem loser Sand verteilt werden kann“, nennt er ein Beispiel. „Ein Glanzboden, der das dauerhaft verkraftet, wäre sehr teuer geworden, während ein günstigerer Boden schnell zerkratzt.“ Als Lösung im Rahmen des Budgets einigte man sich darauf, nur in einem Bereich Sand zu verteilen und dort einen härteren Boden zu verwenden. Auch Aspekte wie Sicherheit, Zeitrahmen und Bauteilabmessungen sind bei den Konstruktionen zu beachten.

Hat auch die Regie die Bauprobe zufrieden gestellt, erfolgt die Werkstattabgabe durch den Bühnenbildner. Dann kann das endgültige Bühnenbild konstruiert und gebaut werden. Bei der „Technischen Einrichtung“, so der Fachjargon, werden die fertigen Dekorationsteile schließlich erstmals zusammengesetzt und Details angepasst. Das Bühnenbild ist nun startklar für die Premiere.

Die Premiere als Finale

Seine Fachkenntnisse erwarb der 33-Jährige im Bachelorstudium Theatertechnik an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. „Zuvor hatte ich bereits ein BWL-Studium abgeschlossen und zwei Jahre lang im Vertrieb gearbeitet. Doch dann wollte ich meinen Jugendtraum umsetzen und bin ans Theater gegangen.“ Während des Studiums sammelte er weitere Praxiserfahrung, etwa als Praktikant bei der Komischen Oper und als Bühnenmeister bei den Schwetzinger SWR Festspielen. Anschließend fand Jakob Kerscher seinen Platz im Hamburger Schauspielhaus. Die technische Karriereleiter steht ihm nach oben hin offen. „Langfristig wären höhere Positionen denkbar wie Werkstattleiter, Produktionsleiter oder schließlich Technischer Direktor.“

 

abi>> 09.02.2016