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Am Ende soll eine grüne Wiese wachsen

Ein Kernkraftwerk gibt Rauch ab. Im Vorder- und Hintergrund sind Hochspannungsmasten zu sehen.
Bis 2022 sollen alle Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden.
Foto: Hans-Martin Issler

Ingenieurin – Sicherheitstechnik

Am Ende soll eine grüne Wiese wachsen

Als Teilbereichsleiterin Entsorgung kümmert sich Ingenieurin Nadine Liehr (32) mit ihren Kollegen um den Rückbau des Kernkraftwerks Isar in Bayern. Ein Vorgang, der viele Jahre dauern wird.

Das Thema Kernenergie faszinierte Nadine Liehr schon in der Schule. „In Physik musste ich eine Schularbeit über Kernfusion schreiben. Weil das Lehrbuch gerade mal zwei Seiten dazu hergab, stellte mein Vater, der selbst in der Kerntechnik arbeitete, den Kontakt zu einer Forschergruppe her“, erzählt die 32-jährige Diplomingenieurin. Die Forscher machten sie neugierig auf das Fachgebiet Strahlenschutz.

Ein Porträt-Foto von Nadine Liehr

Nadine Liehr

Foto: Privat

Seit 2015 ist Nadine Liehr als Teilbereichsleiterin Entsorgung an der Planung und Koordination des Rückbaus des Kernkraftwerks Isar in Niederbayern beteiligt, das vom Energiekonzern E.ON betrieben wird. Dass alle Kernkraftwerke in Deutschland nach und nach vom Netz gehen und bis 2022 mit ihrem Rückbau begonnen werden soll, ist eine Folge der Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011. Die Bundesregierung beschloss daraufhin eine Änderung des Atomgesetzes, die einen schnelleren Ausstieg aus der Kernkraft vorsieht. Die ältesten Reaktoren wurden sofort abgeschaltet, alle anderen sollen nach und nach vom Netz genommen werden.

Wer jedoch glaubt, Nadine Liehr ginge bald die Arbeit aus, irrt. „Bis eine Anlage vollständig zurückgebaut ist, kann es zehn oder auch fünfzehn bis zwanzig Jahre dauern.“ Das Kernkraftwerk Isar besteht aus zwei Anlagen. „Der Rückbau unterliegt strengen Vorschriften und sieht vor, dass jeder Quadratzentimeter ordnungsgemäß entsorgt wird.“ Bauteile, bei denen Radioaktivität nachgewiesen wird, können nicht auf dem üblichen Weg entsorgt werden. Radioaktiver Abfall landet deshalb in sogenannten Zwischen- oder Endlagern.

Bestens mit den Sicherheitsvorschriften vertraut

Nach dem Abi entschied sich Nadine Liehr für ein duales Diplomstudium im Sicherheitswesen mit der Vertiefungsrichtung Strahlenschutz an der Dualen Hochschule Karlsruhe. Während der Praxisphasen arbeitete sie beim Energieversorgungskonzern RWE. „Anschließend wusste ich, dass ich in einem Kernkraftwerk arbeiten wollte und habe Bewerbungen geschrieben.“ 2007 startete sie zunächst als Gruppenleiterin im Bereich Strahlenschutz ins Berufsleben.

Voraussetzung für die Stelle war eine Ausbildung zur Strahlenschutzbeauftragten, die sie parallel zu ihrer Arbeit absolvierte und aufgrund ihres Fachwissens aus dem Studium auf ein Jahr verkürzen konnte. Üblich sind in der Regel eineinhalb bis zwei Jahre. „Die Ausbildung ist ein Nachweis dafür, dass man über die nötige Fachkunde vor Ort verfügt – also sich bestens mit allen Räumlichkeiten und Sicherheitsregeln auskennt“, erklärt sie. Weil sie auch der Bereich Entsorgung interessierte, nahm Nadine Liehr anschließend noch ein berufsbegleitendes Masterstudium in Umwelttechnik an der Universität Rostock auf. Als 2013 dann im Kernkraftwerk Isar der Teilbereich Entsorgung gegründet wurde, um den Rückbau des Werks vorzubereiten, wechselte sie in diese Abteilung.

Wissen über Normen und Gesetze zum Strahlenschutz

Die Analyse, Aus- und Bewertung von Messwerten ist ein wichtiger Bestandteil von Nadine Liehrs Arbeit im Rückbau. „Anhand der Werte kann ich ablesen, in welchem Zustand ein Bauteil wie beispielsweise eine Pumpe ist. Auf dieser Grundlage entscheiden wir, wie es verpackt wird und worauf die Mitarbeiter achten müssen.“ Ihr Fachwissen aus Studium und Beruf ist für diese Entscheidung unverzichtbar, denn sie muss die Messwerte nicht nur verstehen, sondern sie auch mit geltenden Normen und Gesetzen zum Strahlenschutz und der Entsorgung abgleichen. Als weitere wichtige Voraussetzungen für ihren Job nennt die Ingenieurin analytisches Denken und Teamfähigkeit. Jeden Tag arbeitet sie mit Kollegen aus verschiedenen Abteilungen zusammen und koordiniert ihr eigenes Team. „Am meisten Spaß macht mir, dass ich weiß, wofür ich es tue. Ich möchte, dass dort am Ende wieder eine grüne Wiese wächst.“ Auf die Frage nach ihren weiteren beruflichen Plänen antwortet sie: „Die Entsorgung im Kernkraftwerk war schon mit 22 mein berufliches Ziel. Jetzt, zehn Jahre später, habe ich es erreicht und möchte mein Wissen, das ich auf diesem Gebiet erlangt habe, auch weiterhin hier einsetzen.“

abi>> 12.04.2016