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„Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt“

Ein Mann steigt in ein Flugzeug ein.
Piloten durchlaufen einen komplexen körperlichen und psychologisch Eignungstest, bevor sie zur Ausbildung zugelassen werden.
Foto: Thomas Lohnes

Pilot

„Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt“

Über den Wolken schweben und täglich fremde Länder bereisen. Als Pilot lebt Tobias Hinsch diesen Traum. Der 31-Jährige arbeitet bei einer Tochter der größten deutschen Fluggesellschaft.

Seit vier Jahren fliegt Tobias Hinsch als Co-Pilot. Dabei sitzt er genauso am Ruder wie der Kapitän. „Wir fliegen immer zu zweit. Immer ein Co-Pilot und ein Kapitän, wobei wir beide vollwertige Piloten sind. Es handelt sich hier lediglich um Rangbezeichnungen, also quasi um die Titel innerhalb einer Karrierelaufbahn. Kapitän wird man in der Regel automatisch, wenn man über genug Flugerfahrung und ein gewisses Dienstalter verfügt“, erklärt er. „Im Flugbetrieb wechseln wir uns ab. Derjenige, der nicht fliegt, hält den Kontakt zu den Fluglotsen, überwacht den Luftraum mit Blick aus dem Fenster und behält alle Systemanzeigen im Blick.“

Absolute Konzentration

Ein Porträt-Foto von Tobias Hinsch

Tobias Hinsch

Foto: Bert Bostelmann

Wenn er im Sonnenuntergang einen Flughafen anfliegt, ist das für Tobias Hinsch einer der schönsten Momente und er weiß wieder, warum er Pilot geworden ist. Adrenalin schüttet er dabei keines mehr aus, längst sind die Abläufe für ihn zur Routine geworden. „Absolute Konzentration ist natürlich trotzdem ein Muss.“

Nach der Landung gilt es, sich mit dem Bodenpersonal für den Rückflug abzustimmen. Gibt es besondere Passagiere? Wie viel Gepäck wurde eingecheckt? Muss getankt werden? Hat sich das Wetter geändert? Die Verantwortung für die Entscheidungen trägt zwar der Kapitän, als Co-Pilot muss er trotzdem über jedes Detail Bescheid wissen und alles dokumentieren.

Danach startet Tobias Hinsch wieder Richtung Heimatflughafen. „Anders als die Kollegen von den Langstrecken schlafe ich immer in meinem eigenen Bett“, sagt er. „Im Normalfall arbeite ich fünf Tage am Stück, auch an Feiertagen und Wochenenden. Und dann gibt es noch die Nachtflüge.“ Jeden Tag fliegt er eine andere Route. „Ich starte meine Arbeitstage immer in Hamburg und kehre nach zwei oder vier Flügen wieder nach Hause zurück.“

Hohe Ausbildungskosten

Die Begeisterung fürs Fliegen hat den Piloten schon mit vier Jahren gepackt. „Da bin ich zum ersten Mal mit meinen Eltern in den Urlaub geflogen und durfte auch ins Cockpit rein“, erinnert er sich. Von da an will er Pilot werden.

Nach dem Abi und Zivildienst bewarb er sich bei der größten deutschen Fluggesellschaft, denn die Finanzierung der Fluglizenz aus eigener Tasche wäre für ihn nicht in Frage gekommen. Stattdessen übernimmt die Gesellschaft für ihre angehenden Piloten einen Teil der immensen Kosten von heute zirka 120.000 Euro. „Trotzdem musste ich noch 40.000 Euro selbst finanzieren. Dafür habe ich ein Darlehen aufgenommen, das ich heute noch abzahle. Wer sich heute für die Ausbildung entscheidet, muss allerdings mit 70.000 Euro und mehr rechnen. Manche Fluggesellschaften übernehmen gar keine Kosten“, sagt er.

Komplexer, psychologischer Eignungstest

Am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Hamburg durchlief er einen komplexen Eignungstest, bei dem unter anderem räumliches Vorstellungsvermögen, Englisch, Stressresistenz, Mathematikkenntnisse, Teamfähigkeit und andere psychologische Parameter geprüft werden. „Ich war unglaublich aufgeregt, weil davon abhing, ob sich mein Traum erfüllt. Als dann klar war, dass ich das Zeug zum Piloten habe, war ich mehr als glücklich“, sagt er.

2007 trat er seine Ausbildung an – allerdings im Rahmen eines dualen Studiums. Er schrieb sich dazu für den Studiengang „Luftfahrtsystemtechnik und -management für Verkehrsflugzeugführerinnen und Verkehrsflugzeugführer“ an der Hochschule Bremen ein. „Ich wollte auf Nummer sicher gehen und ein zweites Standbein haben, falls ich etwa meine Flugtauglichkeit aus medizinischen Gründen verliere“, erklärt er.

Kein sofortiger Berufseinstieg

Für die Zeit nach seiner Ausbildung hatte ihm die Fluggesellschaft einen Arbeitsplatz garantiert. Doch zunächst war nicht klar, wann genau er diesen antreten kann. „So gesehen war es gut, dass ich ein zweites Standbein hatte. Ich habe mich in Frankfurt beworben und auch etwas in einem Ingenieurbüro gefunden. Ich dachte, dass es gut ist, schon einmal vor Ort zu sein, damit ich schnell meinen Dienst am Frankfurter Flughafen antreten kann.“ Schließlich bekam er das Angebot, für eine Tochtergesellschaft in Hamburg zu fliegen. Die Airline fliegt alle innereuropäischen Ziele an, die nicht von Frankfurt oder München aus starten.

abi>> 10.07.2017

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