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Der Faser auf den Grund gehen

Detail: Textillaborant stellt Schleifkontakte für eine experimentelle Webmaschine her
Erfüllen die Materialien und Stoffe alle Qualitätsansprüche? Um das herauszufinden, führen Textillaboranten verschiedene Tests durch.
Foto: Axel Jusseit

Textillaborant

Der Faser auf den Grund gehen

David Kerperin (27) mag an seinem Beruf als Textillaborant, dass er neben seinem Fachwissen auch immer ein wenig detektivisches Gespür braucht. Seit sechs Jahren arbeitet er bei der international tätigen WKS Textilveredlungs-GmbH in Wilsum.

In einem Team von neun Mitarbeitern ist David Kerperin zusammen mit einer Kollegin dafür verantwortlich, die Kundenaufträge zu bearbeiten. „Ich schaue mir an, welche Tests der Kunde an seiner Stoffprobe, die er uns zugesandt hat, durchgeführt haben möchte. Ich finde Lösungswege dazu, führe an manchen Tagen die Materialprüfungen auch selbst durch, bewerte diese und schreibe dann den Abschlussbericht“, erklärt er. Das Labor, in dem er arbeitet, ist eine Abteilung innerhalb der WKS Textilveredlungs-GmbH und ein unabhängig arbeitendes Labor, in dem technische, chemisch-technische und waschtechnologische Prüfungen durchgeführt werden. In geringem Maße werden dort hausinterne Prüfungen für die WKS Textilveredlungs-GmbH vorgenommen. Der überwiegende Teil sind aber externe Kundenaufträge, die wiederum zu rund 95 Prozent aus der Bekleidungsindustrie kommen.

Was Stoffe alles aushalten müssen

Ein Porträt-Foto von David Kerperin

David Kerperin

Foto: Anja Trüün

Hinterlässt die dunkelblaue Jeans Flecken auf dem hellen Sofa? Bleicht der Stoff bei längerem Kontakt mit Sonnenlicht aus? Welchen Belastungen halten die Nähte stand? „Für all diese Fragen gibt es spezielle normierte Prüfverfahren“, erklärt David Kerperin. „Wenn beispielsweise ein Hersteller von Babybekleidung wissen möchte, ob die verwendete Färbung speichelecht ist, dann wird mit einer bestimmten Chemikalienmischung der Speichel künstlich nachgestellt. In dem dann folgenden Prüfverfahren wird mithilfe eines Filterpapieres überprüft, ob der Stoff ausblutet (abfärbt) oder nicht“, erläutert er eine typische Tätigkeit in seinem Berufsalltag.

Unter anderem überprüft er auch, ob es sich bei einem bestimmten Stoff tatsächlich um Wolle oder Baumwolle handelt. Oder ob vielleicht in Wirklichkeit sehr viel preisgünstigere Chemiefasern verarbeitet wurden. „Manchmal braucht man auch etwas detektivisches Gespür. Wenn man beispielsweise mit den herkömmlichen Prüfverfahren nicht weiterkommt, dann muss man eben auch mal über andere Lösungswege nachdenken.“

Vorliebe für Chemie und Physik

David Kerperin hat den Beruf des Textillaboranten bereits bei seinem jetzigen Arbeitgeber gelernt. Für die Ausbildung hatte er sich entschieden, weil er gerne in einem Labor arbeiten wollte und sich außerdem sehr für Mode interessiert. „Eine Vorliebe für Chemie und Physik sollte man unbedingt mitbringen“, meint er. „Und da schon kleine Abweichungen bei der Probenvorbereitung zu verfälschten Ergebnissen führen könnten, muss man sorgfältig und genau arbeiten. Da wir mit Chemikalien und unterschiedlichen Prüfwerkzeugen arbeiten, sind auch feinmotorische und handwerkliche Fertigkeiten wichtig“, beschreibt er und ergänzt: „Auch für Neues sollte man offen sein. Ich habe zum Beispiel im Labor das Arbeiten mit einer Nähmaschine gelernt, da wir manchmal Nähte für eine Prüfung ‚nachstellen‘ müssen.“

David Kerperin möchte sich gerne noch weiterbilden: Er kann sich vorstellen, an der geplanten Textilakademie in Mönchengladbach, die 2018 ihren Betrieb aufnehmen will, einen Meisterkurs zu absolvieren.

abi>> 01.03.2017

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