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Kein reiner Bürojob

Ein Mann zeichnet in eine Karte Linien ein.
Neben modernen Geräte-, Mess- und Auswertungsverfahren arbeiten Vermessungsingenieure auch mit klassischen Karten.
Foto: Ria Kipfmüller

Vermessungsingenieur

Kein reiner Bürojob

Als Vermessungsingenieur beim Stadtmessungsamt Stuttgart ist Ulrich Schäfer (35) in der gesamten Schwabenmetropole unterwegs. Dabei beschäftigt er sich beispielsweise mit Grundstückgrenzen und der Größe von Baustellen.

Wer als Vermessungsingenieur arbeiten will, braucht nicht nur umfangreiche mathematische Kenntnisse und Technikbegeisterung, sondern muss vor allem eines sein: wetterfest. „Eine Vermessung lässt sich selten allein auf dem Papier bewerkstelligen“, sagt Ulrich Schäfer, der als Vermessungsingenieur beim Stadtmessungsamt Stuttgart im öffentlichen Dienst arbeitet. Dort ist er unter anderem in der Bau- und Ingenieurvermessung tätig – kein reiner Bürojob. „Am meisten Spaß macht mir die Mischung aus Innen- und Außendienst. Mal bin ich zwei Tage auf der Baustelle zum Vermessen, dann wieder zwei Tage am Schreibtisch, um die Daten auszuwerten.“

Dichtes Netz aus Vermessungspunkten

Ein Porträt-Foto von Ulrich Schäfer

Ulrich Schäfer

Foto: Privat

Vom Laien kaum wahrgenommen, finden sich in jeder Stadt zahlreiche Vermessungspunkte, die die Grundlage für Vermessungen des Stadtgebiets bilden. Jeder Vermessungspunkt wurde mit höchster Genauigkeit bestimmt und ist mit einem amtlichen Nachweis registriert. „Wir pflegen das Vermessungs- und Höhennetz der Stadt und aktualisieren es, wenn nötig“, erklärt der Ingenieur.

Eine weitere Aufgabe von Ulrich Schäfer und seinen Kollegen ist die Katastervermessung, die der Festlegung und Sicherung von Grundstücksgrenzen dient. „Soll beispielsweise ein Neubaugebiet erschlossen werden, ist es unsere Aufgabe, das Gelände in Parzellen aufzuteilen und zu planen, wo Straßen entlang führen sollen“, erläutert er. Auch im Tief-, Hoch- und Straßenbau ist das Fachwissen der Vermessungsingenieure gefragt: „Wir begleiten beispielsweise die Entstehung großer Bauwerke von der Planungsphase bis zur Fertigstellung“.

Von Togo nach Stuttgart

Obwohl der Ingenieur erst 35 Jahre alt ist, ist er in seinem Berufsleben schon viel herumgekommen und hat unter anderem in Westafrika, England, Algerien und Kanada gearbeitet. Die erste Stelle nach seinem Diplomstudium der Vermessung und Geoinformatik an der Hochschule für Technik in Stuttgart führte ihn nach Togo, wo er für ein Ingenieurbüro für Vermessung und Stadtplanung arbeitete. Anschließend wechselte er zu einem Unternehmen in Bruchsal, das auf die Herstellung von Navigationssystemen für den Tunnelbau spezialisiert ist. Sieben Jahre lang war er weltweit auf Baustellen unterwegs. „Vor drei Jahren wollte ich wieder mehr Privatleben haben und abends zuhause sein, um meine Familie zu sehen“, erzählt Ulrich Schäfer. Daher der Wechsel in den öffentlichen Dienst bei der Stadt Stuttgart.

Laser, Tachymeter und GPS

Wenn Ulrich Schäfer einen Außeneinsatz hat, greift er auf verschiedene Instrumente und Messmethoden zurück. „In der Kataster- und Ingenieurvermessung arbeiten wir viel mit GPS-Vermessungssystemen. Spätestens, wenn man sich neben einem Hochhaus oder in einem Tunnel befindet, empfängt man jedoch keine Satellitendaten mehr.“ Dann kommen zum Beispiel Laserscanner oder Tachymeter zum Einsatz, mit denen sich Winkel und Strecken messen lassen. Höhen können mit einem Nivelliergerät, das mit einem Zielfernrohr ausgestattet ist, vermessen werden.

„Jeder Tag ist anders, in jedem neuen Projekt treffe ich neue Leute. Ich arbeite mit Architekten, Bauleitern und den Kollegen aus dem Liegenschaftsamt zusammen; das macht die Arbeit sehr vielseitig“, schwärmt Ulrich Schäfer. Eine Beamtenlaufbahn, die der öffentliche Dienst Ingenieuren ermöglicht, strebt er derzeit nicht an. „Das Tolle an meiner Arbeit ist, dass ich sehr breit aufgestellt bin und mich innerhalb der Vermessung jederzeit umorientieren kann, wenn ich das möchte. Diese Freiheit will ich mir erhalten.“

abi>> 03.03.2016