Das richtige Maß finden

Ein junger Mann in Warnweste steht mit einem Vermessungsgerät an der Straße und vermisst ein Grundstück.
Grundstücke zu vermessen gehört zu den Aufgaben eines Vermessungstechnikers. Wer diesen Beruf ergreifen möchte, sollte eine Affinität für technische Geräte, gute Mathematikkenntnisse und einen ausgeprägten Orientierungssinn haben.
Foto: Armin Weigel

Vermessungstechniker/in – Hintergrund

Das richtige Maß finden

Für vieles im Leben braucht es detaillierte Pläne. Besonders gilt dies für private und öffentliche Bauvorhaben, Straßenbauten oder die Vermessung von Rohstoffvorkommen. Hier kommen Vermessungstechniker/innen zum Einsatz, die mithilfe spezieller Instrumente Lage- und Höhenvermessungen im Gelände durchführen und aus den gewonnenen Daten unter anderem Pläne sowie Karten erstellen.

Länge, Höhe, Breite und deren millimetergenaue Ermittlung – darum dreht sich die Arbeit von Vermessungstechnikern. Die Ausbildung wird in den Fachrichtungen Vermessung und Bergvermessung angeboten. Die Ausbildungsinhalte ähneln sich; bei der Bergvermessung geht es jedoch vor allem um Informationen und Daten, die den Bergbau und die Vermessung von Rohstoffvorkommen betreffen.

Draußen im Gelände, drinnen im Büro

Zur Erhebung der Messdaten geht es meist im Messtrupp raus ins Gelände. Hier kommen Instrumente wie Tachymeter zur Richtungs-, Höhen- und Winkelmessung, sowie neueste Techniken wie GPS oder Laser zum Einsatz. Mithilfe dieser Geräte berechnen Vermessungstechniker Lage, Neigung und Höhe bestimmter Flächen und protokollieren die Ergebnisse.
Nach der Arbeit im Freien werden im Büro die erhobenen Geodaten ausgewertet. Mit speziellen Softwareprogrammen erstellen die Vermessungstechniker Karten, Pläne und Kataster. Hier beziehen sie häufig hochauflösendes Bildmaterial wie Luft-, Satelliten- oder Drohnenaufnahmen ein.

Ein Porträtfoto von Andreas Sinzinger

Andreas Sinzinger

Foto: privat

„Der Beruf des Vermessungstechnikers ist ideal für Menschen, die gerne drinnen und draußen arbeiten und Abwechslung mögen“, meint Andreas Sinzinger, Berufsberater für Gymnasiasten, Fachoberschüler und Studierende bei der Agentur für Arbeit Nürnberg. „Wer den Beruf erlernen möchte, dem sollte es also nichts ausmachen, bei Wind und Wetter draußen und bei der Bergvermessung zusätzlich noch unter Tage zu arbeiten“, gibt er zu bedenken. Zudem von Vorteil sind eine Affinität für technische Geräte, gute Mathematikkenntnisse – insbesondere in Geometrie – sowie ein ausgeprägter Orientierungssinn. „Außerdem sollten Interessierte räumliches Vorstellungsvermögen mitbringen, sorgfältig arbeiten und zeichnerisch nicht ganz unbegabt sein“, ergänzt der Berater.

Luftbilder interpretieren

Neben der praktischen Ausbildung besuchen angehende Vermessungstechniker die Berufsschule, entweder einmal wöchentlich oder in ein- oder mehrwöchigen Blöcken. Dort setzen sie sich unter anderem mit Flächen- und Höhenberechnungen auseinander, beschäftigen sich mit Koordinationssystemen oder interpretieren Luftbilder.

„Formal ist für die dreijährige Ausbildung kein bestimmter Bildungsabschluss vorgeschrieben. In der Praxis haben allerdings rund 60 Prozent der Auszubildenden eine Hochschulzugangsberechtigung“, weiß Andreas Sinzinger. Mit deutschlandweit rund 750 Auszubildenden im ersten Lehrjahr gehöre der Vermessungstechniker eher zu den kleinen Berufen: „Da der Ansturm auf die Ausbildungsstellen nicht so riesig ist, haben diejenigen, die diesen Beruf erlernen möchten, gute Chancen. Das Ausbildungsstellenangebot ist jedoch regional recht unterschiedlich, daher kann eine gewisse Bereitschaft zur Mobilität nötig sein.“

Aufstiegschancen dank Weiterbildung oder Studium

Grundsätzlich können Vermessungstechniker bei Behörden, zum Beispiel im Bau- oder Liegenschaftsamt, bei Bauunternehmen sowie in Ingenieur- und Gutachterbüros arbeiten.

Nach der Ausbildung haben Vermessungstechniker die Möglichkeit, sich in Voll- oder Teilzeit zum staatlich anerkannten Techniker der Fachrichtung Vermessungstechnik fortzubilden. Viele schließen auch ein Studium etwa der Vermessung, Geoinformatik oder Geodäsie an. „Dies ist vor allem im Hinblick auf die Aufstiegschancen im späteren Berufsleben durchaus zu empfehlen“, lautet die Einschätzung von Andreas Sinzinger.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild (Suchwort: Vermessungstechniker/in).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Vermessung)
www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten (Suchwort: Vermessungstechniker)
www.berufsfeld-info.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Bund der öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e.V.

www.bdvi.de

Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement e.V

www.dvw.de

Verband deutscher Vermessungsingenieure e.V.

www.vdv-online.de

 

Vermessungstechnikerin

Messarbeit bei Wind und Wetter

Einen Beruf, bei dem sie nicht nur am Schreibtisch sitzt, sondern auch draußen Projekte begleiten kann – genau das hatte Nora Schäfer gesucht. In ihrer Ausbildung zur Vermessungstechnikerin der Fachrichtung Vermessung hat sich der Anspruch der 25-Jährigen erfüllt. Sie lernt, mit Messinstrumenten umzugehen, Geodaten zu erfassen und zu bearbeiten sowie das Zeichnen am Computer.

Nora Schäfer, die seit September 2016 im Vermessungsbüro des öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs Dipl.-Ing. Rudolf Wehmeyer in Münster ausgebildet wird, wechselt regelmäßig zwischen Außen- und Innendienst. „Wenn Messungen anstehen, müssen diese durchgeführt werden, egal wie das Wetter ist“, erzählt die angehende Vermessungstechnikerin. Das macht ihr jedoch nichts aus – sie arbeitet gerne im Freien und für den Einsatz im Gelände hat ihr der Arbeitgeber wetterfeste Sicherheitsbekleidung zur Verfügung gestellt.

Messungen durchführen, Daten auswerten

Ein Foto von Nora Schäfer

Nora Schäfer

Foto: Melanie Czubernat

Im Außendienst assistiert die Auszubildende dem zuständigen Vermessungsingenieur. Sie baut Instrumente auf und begleitet die Vermessungskampagne. „Ich lerne den Umgang mit den Geräten und, wie man Messungen durchführt“, berichtet Nora Schäfer. Dabei kann es schon mal in unwegsames Gelände gehen, wenn die Messung zum Beispiel in einem Bachbett stattfindet. Auch körperlicher Einsatz ist hin und wieder gefragt, etwa wenn sie einen bei der Messung hinderlichen Grenzstein ausgraben muss.

Im Innendienst bearbeitet die angehende Vermessungstechnikerin – betreut von ihrem Ausbilder – eigene Projekte: Sie bereitet Unterlagen wie Übersichtskarten für den Außendienst vor und wertet ermittelte Geländevermessungsdaten aus. Außerdem lernt sie, wie man daraus neues Karten-und Skizzenmaterial erstellt. „Darüber hinaus muss ich mich mit Gesetzen und Vorschriften auseinandersetzen, die bei den Planungen eingehalten werden müssen“, ergänzt Nora Schäfer.

Die Mischung aus Außen- und Innendienst,
Mess-, Karten- und PC-Arbeit findet sie äußerst abwechslungsreich: „Jeder Auftrag ist individuell – auch wenn sich die Arbeitsabläufe ähneln, ist doch jedes Gebäude, jedes Grundstück anders.“

Orientierungssinn und mathematisches Verständnis

Einmal wöchentlich besucht Nora Schäfer zusätzlich zur praktischen Ausbildung die Berufsschule in Recklinghausen, wo sie ihre praktischen und theoretischen Kenntnisse aus der Arbeit im Vermessungsbüro vertieft. In Gruppen erfahren die Auszubildenden unter anderem, wie einzelne Messinstrumente aufgebaut sind, wie Satellitenvermessung theoretisch funktioniert oder wie spezielle Rechen- und Zeichenprogramme in der Vermessungstechnik eingesetzt werden.

Für ihre tägliche Arbeit braucht die 25-Jährige mathematisches Verständnis – besonders in Geometrie –, räumliches Vorstellungsvermögen, Teamfähigkeit und einen guten Orientierungssinn im Gelände. „Außerdem sollte man ein gewisses Zeichentalent mitbringen, Interesse an Technik haben und sich gerne draußen aufhalten“, meint die Auszubildende.

Gut informiert und intensiv recherchiert

Zunächst hatte Nora Schäfer nach ihrem Abitur Archäologie in Münster studiert und 2016 mit dem Bachelor abgeschlossen. „Da mir die Textarbeit in der Archäologie allerdings nicht so lag und es zudem nur wenige Stellen in diesem Berufsfeld gibt, wollte ich noch eine Ausbildung absolvieren“, berichtet sie. „Ich habe mich anhand einiger Publikationen der Bundesagentur für Arbeit, etwa dem Studien- & Berufswahl-Buch, informiert und intensiv im Internet recherchiert, bevor ich mich für den Beruf der Vermessungstechnikerin entschieden habe.“

In einigen Bereichen gibt es durchaus Berührungspunkte zum Studium. So kannte Nora Schäfer bereits die Arbeit mit Tachymetern – Instrumenten zur Geländevermessung – und hatte bereits erste Erfahrung darin, wie man Karten anfertigt.

Für ihre Bewerbungen hatte sie bei mehreren Vermessungsbüros telefonisch angefragt, ob diese eine Ausbildung anbieten: „Und bei meinem jetzigen Arbeitgeber hat es zum Glück schnell mit einem Ausbildungsplatz geklappt.“

Verkürzte Ausbildungszeit

Nora Schäfer, die sich derzeit im zweiten Ausbildungsjahr befindet, hat nach einem Jahr die Zwischenprüfung bestanden. Da ihre Noten gut waren und ihre Berufsschul-Lehrkräfte sowie ihr Chef es befürworten, kann sie die reguläre dreijährige Ausbildungszeit um ein halbes Jahr verkürzen und zwischen November 2018 und Januar 2019 bereits ihre Abschlussprüfung ablegen. Hierfür muss sie neben mehreren Klausuren in der Berufsschule einen 20 Stunden umfassenden betrieblichen Auftrag selbstständig vorbereiten, durchführen, nachbereiten und dokumentieren. Abschließend folgt ein mündliches Prüfungsgespräch.

Sie hofft, dass sie nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung von ihrem jetzigen Arbeitgeber übernommen wird. „Ein Studium in Vermessungstechnik möchte ich nicht anschließen. Meine Berufswahl war ein richtiger Glücksgriff und ich freue mich darauf in dem Beruf, der mir viel Freude bereitet, zu arbeiten“, blickt Nora Schäfer in die Zukunft.

Hier geht´s zu „So kann ein Arbeitstag aussehen" >>

 

Vermessungstechniker

Der Vermesser der Stadt

Wird in der Stadt Hamm eine Straße ausgebaut, eine Garage gebaut oder müssen Grundstücksgrenzen bestimmt werden, tritt Frederic Kötter auf den Plan. Der 33-jährige Vermessungstechniker arbeitet im Vermessungs- und Katasteramt, wo er mithilfe technischer Geräte millimetergenau die räumlichen Daten eines Geländes oder den Grenzverlauf eines Grundstücks bestimmt.

Bereits seit elf Jahren ist Frederic Kötter für das Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Hamm tätig. Schon seine Ausbildung hat der junge Mann in der Behörde absolviert. „Ein Jahr vor der Fachhochschulreife habe ich mir meine Interessen vergegenwärtigt und mich nach entsprechenden Ausbildungsstellen umgesehen – so kam ich schließlich auf den Beruf des Vermessungstechnikers“, erinnert er sich.

Nach seiner Ausbildung erhielt er zunächst einen Zeitvertrag, mittlerweile ist er unbefristet beschäftigt. An seinem Beruf schätzt er vor allem den Wechsel zwischen Außen- und Innendienst: „Man kommt raus und hat viel Bewegung. An manchen Tagen hingegen freut man sich auf die Arbeit im Büro – etwa wenn es sehr heiß, extrem kalt oder nass ist oder an der Straße, an der man gerade misst, viel Lärm herrscht.“

Interesse für Technik ist gefragt

Ein Porträtfoto von Frederic Kötter

Frederic Kötter

Foto: Stefan Schlautmann

Den Vormittag verbringt der Vermessungstechniker meist im Außendienst und erhebt räumliche Daten eines Geländes oder den Grenzverlauf eines Grundstücks. Mit Instrumenten wie den sogenannten Tachymetern kann er Richtungen, Höhen und Winkel bestimmen. Mithilfe von Empfängern für globale Navigationssatellitensysteme (GNSS) kann er Positionen exakt bestimmen. Bei diesen Arbeiten ist neben Kenntnissen in Physik und Mathe sowie einem Verständnis für topografische Begebenheiten ein gewisses Interesse für Technik von Vorteil.

Gerade was die Messgeräte betrifft, hat sich in den vergangenen Jahren viel getan: „Musste man früher beim Tachymeter jedes Ziel mit Fernglas und Feintrieb anvisieren, funktioniert das jetzt mit automatischer Zielverfolgung“, erklärt Frederic Kötter. Nur noch selten arbeitet er mit dem Messband. „Auch die Daten, die wir im Gelände erfassen, werden nicht mehr händisch notiert, sondern von den Geräten gespeichert und per USB-Stick auf den Computer übertragen“, führt er weiter aus. Zudem stehen den Vermessungstechnikern hochauflösende Fotos zur Verfügung, wie sie beispielsweise bei Überfliegungen erstellt werden.

Geodaten aufbereiten

Am Nachmittag widmet sich Frederic Kötter der Büroarbeit. Er bereitet die erfassten Geodaten mithilfe entsprechender Software auf und gleicht sie mit dem vorhandenen Kartenmaterial ab. Dabei kooperiert er mit dem Stadtplanungsamt sowie anderen Behörden und steht im Austausch mit Unternehmen, Baufirmen und Privatleuten. Dazu gehört auch, sich mit entsprechenden gesetzlichen Vorschriften und Verwaltungsauflagen zu beschäftigen.

Besonders gerne arbeitet er bei der Erstellung von amtlichen Lageplänen zu einem Baugesuch oder einer Grundstücksteilung mit. Hier muss er Aspekte wie Baulasten, Leitungsrechte oder Abstandsflächen berücksichtigen, was „insgesamt ziemlich komplex und interessant ist.“

Auch wenn sich manche Tätigkeiten wiederholen, „allein der Wechsel von Außen- und Innendienst macht meinen Beruf abwechslungsreich. Und mir gefällt, dass ich bei Aufträgen von Anfang bis Ende involviert bin“, sagt Frederic Kötter. Der 33-Jährige ist mit seinem Arbeitsplatz und seinen beruflichen Tätigkeiten also sehr zufrieden und zieht zumindest momentan einen Wechsel zu einem privaten Ingenieurbüro oder zu einem Bauunternehmen nicht in Erwägung. Wer jedoch innerhalb der Hierarchie – gerade in einer Kommunalverwaltung – aufsteigen möchte, dem empfiehlt Frederic Kötter ein Studium im Anschluss an die Ausbildung.


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Bücher, Menschen, Informationen

  • Projektmanagement zwischen Wirtschaft und Technik

  • Schnittstelle für viele Akteure

  • Der Problemlöser

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 21.09.2019