Experten für Datenschutz

Ein Mann und eine Frau arbeiten jeweils an ihren PC's.
Datenschutzbeauftragte schulen Mitarbeiter in Unternehmen im Umgang mit personenbezogenen Daten.
Foto. Martin Rehm

Datenschutzbeauftragte/-r

Experten für Datenschutz

Ob beim Online-Shopping, in sozialen Medien oder beim Verschicken einer E-Mail: Datenschutz spielt mittlerweile eine wichtige Rolle und die Sorge, Opfer eines Datenmissbrauchs zu werden ist groß. Damit das nicht geschieht, achten Datenschutzbeauftragte auf die Einhaltung der Richtlinien zum Schutz personenbezogener Daten.

Schulen dürfen nicht mehr ohne Weiteres Fotos der Schüler in ihrem Jahrbuch abdrucken. Journalisten müssen personenbezogene Daten von Interviewten löschen, wenn sie sie nicht mehr benötigen. Und auch ein Zahnarzt muss seine Patienten erst über den Datenschutz belehren, bevor er den Bohrer ansetzt.

Viele Menschen erleben die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die im Mai 2018 in Kraft trat, vor allem als Mehraufwand im täglichen Leben und daher als lästig. Dabei ist sie im Grunde keine datenrechtliche Revolution: „Schon seit vielen Jahren darf man nach dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) personenbezogene Daten nur mit einer entsprechenden Rechtsgrundlage verarbeiten und muss den Betroffenen offenlegen, wie man das tun will“, sagt Thomas Spaeing, Vorstand beim Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) und Inhaber einer Unternehmensberatung für Datenschutz.

„Neu ist, dass Unternehmen ihre Datenschutzmaßnahmen dokumentieren müssen und die etwaigen Bußgelder bei Verstößen bedeutend höher sind als bisher“, ergänzt er. Daher hätten sich seiner Einschätzung nach viele Unternehmen überhaupt erst mit dem Thema Datenschutz befasst. „Das hat auch zu einem Hype auf dem Berufsmarkt für Datenschutzbeauftragte und Datenschutzberater geführt.“

In allen Branchen gefragt

Ein Porträt-Foto von Thomas Spaeing

Thomas Spaeing

Foto: privat

Datenschutzbeauftragte beraten Unternehmen und Behörden zum Datenschutz, der vor allem im Bundesdatenschutzgesetz und in der Datenschutzgrundverordnung geregelt ist. Dazu überprüfen sie regelmäßig, wie die entsprechende Institution ihre Daten verarbeitet. „Dabei genießt der Datenschutzbeauftragte einen besonderen Status: Er ist weisungsfrei und unterliegt der Verschwiegenheitspflicht, darf also beispielsweise die Identität des Betroffenen nicht preisgeben, wenn er einen Datenschutzvorfall untersucht“, betont Thomas Spaeing.

Der Experte drückt sich bewusst allgemein aus, wenn er davon spricht, wo Datenschutzbeauftragte arbeiten können. Denn wahrscheinlich werden in Zukunft jedes Unternehmen und jede Behörde Mitarbeiter oder Berater mit diesem Profil benötigen: „Angesichts der Digitalisierung von Unternehmensprozessen und der gesamten Berufswelt wird es mittelfristig kaum noch Branchen geben, in denen der Datenschutz keine Rolle spielt. Daher werden gut ausgebildete Datenschutzbeauftragte stets gebraucht werden“, kommentiert der Experte.

Dabei gibt es die Möglichkeit, als interner Mitarbeiter für den Datenschutz zuständig zu sein oder als externer Experte beauftragt zu werden. „Aus meiner Sicht ist es spannender, als externer Datenschutzberater tätig zu sein. Dabei lernt man viele Unternehmen kennen und erwirbt ein umfassendes Know-how“, findet Thomas Spaeing.

Verschiedene Wege führen zum Ziel

Den Königsweg zum Datenschutzbeauftragten gibt es nicht – weder unter Studiengängen noch unter Ausbildungsberufen. „Die Personen, die heute als solche tätig sind, kommen aus vielen verschiedenen Bereichen und sind aus unterschiedlichen Gründen hier gelandet“, sagt der Experte für Datenschutz. Als naheliegende Wege nennt er Studiengänge der Informatik, des IT-Rechts, Wirtschaftsrechts, allgemeinen Rechts oder der Betriebswirtschaftslehre mit IT-Schwerpunkt.

Auch duale IT-Ausbildungen können ein erster Schritt sein. Danach sollte man zunächst in einem Unternehmen oder einer Behörde arbeiten, um die Arbeitsabläufe kennenzulernen. „Wenn man dann konkret ins Thema einsteigen will, stellt man fest: Es gibt eine unüberschaubare Fülle an Ausbildungen zum Datenschutzbeauftragten. Da die Berufsbezeichnung noch nicht geschützt ist, findet man dabei die gesamte Bandbreite von sehr gut bis mangelhaft“, weiß Thomas Spaeings aus Erfahrung. Einige Universitäten integrieren mittlerweile eine Zusatzqualifikation zum Datenschutz in bestimmte Studiengänge. Aus Sicht des Datenschutzexperten ein sinnvolles Modell, „falls die Qualifikation alle Facetten der Tätigkeit berücksichtigt und genügend Praxisbezug bietet.“

Auch nach dem Abschluss müssen Datenschutzbeauftragte stets durch Weiterbildungen auf dem neuesten Stand bleiben. „Der Beruf entwickelt sich so rasant wie die Technologien und Geschäftsmodelle auf dem Gebiet der Datenverarbeitung. Das macht ihn spannend“, sagt Thomas Spaeing.

Weitere Informationen

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.
www.berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z.B. Datenschutzbeauftragte/r)
https://berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) e.V.

Der Berufsverband vertritt die Interessen der betrieblichen und behördlichen Datenschutzbeauftragten in Deutschland.
www.bvdnet.de

 

Datenschutzbeauftragte

Unternehmen fit machen für den Datenschutz

Christina Meyer (32) arbeitet als Datenschutzberaterin und Datenschutzbeauftragte. Sie steht mit ihrem Fachwissen unterschiedlichen Einrichtungen zur Seite, vom Industriekonzern über das Krankenhaus bis zum Theater.

Was den Datenschutz angeht, ist Christina Meyer eine Spätberufene: Nach dem Abitur studierte sie Rechtswissenschaft, absolvierte ihr Referendariat und arbeitete dann in der Rechtsabteilung einer Bank. Dort beschäftigte sie sich hauptsächlich mit Erbrecht, was jedoch nicht unbedingt ihren Interessen entsprach. „In dieser Zeit spielte das Thema Datenschutz für mich keine große Rolle. Ich bin erst darauf gestoßen, als ich auf der Suche nach Berufsalternativen eine Anzeige entdeckte, in der nach Datenschutzberatern gesucht wurde“, berichtet die heute 32-Jährige.

Sie forschte damals nach, was es mit dem Datenschutz auf sich hat, und stellte fest: „Das ist ein interessantes, lebendiges Thema mit Zukunft!“ Christina Meyer bewarb sich auf die Stelle und ist nun seit rund anderthalb Jahren bei einem Unternehmen im niedersächsischen Dissen als Datenschutzberaterin und Datenschutzbeauftragte tätig.

Probleme identifizieren, Lösungen erarbeiten

Ein Porträt-Foto von Christina Meyer

Christina Meyer

Foto: privat

Der Arbeitsalltag entspricht dem, was Christina Meyers Recherchen ergeben hatten: „Er bietet viel Abwechslung, denn wir beraten Kunden unterschiedlicher Branchen und Organisationsformen: vom Industriekonzern über das Krankenhaus bis zum Theater.“ Die studierte Juristin und ihre Kollegen prüfen, ob Verträge dem Datenschutz entsprechen. Sie helfen den Auftraggebern dabei, Betriebsvereinbarungen so zu gestalten, dass sie in dieser Hinsicht wasserdicht sind. Zudem schulen sie Mitarbeiter zum Thema Datenschutz, beantworten Fragen und schauen bei Vor-Ort-Terminen, wie die Firmen und Behörden den Datenschutz tatsächlich handhaben. „Wir schauen beispielsweise, wie mit Aufnahmen aus Videoüberwachungen umgegangen wird. Oder wir machen Stichproben, wie der Auftraggeber die Datenschutzgrundverordnung umsetzt“, berichtet Christina Meyer.

Besonders gern prüft die 32-Jährige Verträge: „Die Datenschutzgrundverordnung gibt den genauen gesetzlichen Rahmen vor. Doch die einzelnen Verträge sind ganz unterschiedlich aufgebaut. Wir schlagen dann vor, wie der entsprechende Vertrag geändert werden sollte, und unterstützen bei der Abstimmung mit den Vertragspartnern. Das funktioniert am besten, wenn alle drei Parteien die strittigen Punkte in einer Telefonkonferenz besprechen.“ Für die Beraterin ist es ein gelungener Arbeitstag, wenn sich alle Vertragspartner einig sind und die personenbezogenen Daten der betroffenen Personen so geschützt sind, dass es zu keinem „Datenverletzungsrisiko“ kommt.

Auf dem Laufenden halten

Um auf dem neuesten Stand zu bleiben und kenntnisreich beraten zu können, liest Christina Meyer regelmäßig die Publikationen der Datenschutzbehörden und tauscht sich mit Kollegen aus. Neben Zuverlässigkeit, Beharrlichkeit und der Fähigkeit, ihre eigene Arbeit zu strukturieren und komplexe Prozesse zu analysieren, braucht sie in ihrem Beruf ein gutes Kommunikationsvermögen.

Als Juristin findet sie es spannend, zu verfolgen, ob es nach der Datenschutzgrundverordnung weitere neue Gesetze oder Gesetzesanpassungen zum Datenschutz geben wird. Den scheinbar trockenen Rechts- und Technikfragen gewinnt sie dabei auch eine humorvolle Note ab: „Die eine oder andere Anfrage kann einem durchaus ein Schmunzeln entlocken. Durch die Datenschutzgrundverordnung gerieten einige Marketingabteilungen in Panik. Sie dachten, sie dürfen nun gar nichts mehr machen und alles sei verboten. Das entspricht natürlich nicht der Wahrheit.“


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Stand: 22.08.2019