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Vom Suchen und Finden der Erben

Detailaufnahme von einem sehr alten Dokument, welches nur mit Handschuhen angefasst werden darf.
Um die Verwandten von Verstorbenen aufzuspüren, suchen Erbenforscher unter anderem in Archiven nach Informationen.
Foto: Christof Stache

Erbenforscher

Vom Suchen und Finden der Erben

Auf der Suche nach Familienangehörigen und den rechtmäßigen Erben einer verstorbenen Person durchforstet Christian Andreas Hoske (37) Archive, alte Fotoalben und Onlinedatenbanken. Der Ahnen- und Erbenforscher aus Eisenach in Thüringen arbeitet im Auftrag von Ermittlungsbüros und Privatkunden.

Wenn Christian Andreas Hoske Erben ausfindig machen will, gleicht das Detektivarbeit – im Mittelpunkt stehen Recherchegeschick, Kombinationsgabe und Geduld. „Beauftragt werde ich von einem Erbenermittlungsbüro, das wiederum von einem oder mehreren Klienten mit der Suche nach Verwandten betraut wurde“, erklärt Christan Andreas Hoske. Er erhält die Daten der Zielperson, also vor allem Name, Herkunftsort sowie Geburts- und Todesdatum. Das ist die Basis seiner Arbeit. „Zunächst setze ich mich mit dem zuständigen Standesamt in Verbindung, um die Taufurkunde des Verstorbenen anzufordern. Darin sind die Namen der Eltern und deren letzter Aufenthaltsort vermerkt“, sagt der 37-Jährige. Doch das ist nur der erste Schritt. Mit den neuen Informationen geht‘s dann zum Pfarramt. Dort kann der Erbenforscher zum Beispiel die Trauung der Eltern ermitteln und nach möglichen Geschwistern der verstorbenen Person suchen.

Über den Stand seiner Ermittlungen hält er seine Auftraggeber auf dem Laufenden. Bekommt er wenig heraus, erweitert er seine Suche und geht eine Generation weiter, befasst sich also mit den Großeltern der Zielperson, mit deren Kindern und Kindeskindern. „Hierbei helfen mir wieder die Trauungsdokumente, auf denen auch Name und Herkunftsort der Großeltern zu finden sind“, erklärt Christian Andreas Hoske.

Komplikationen bei der Suche

Ein Porträt-Foto von Andreas Hoske

Andreas Hoske

Foto: Privat

Der Erbenermittler kennt auch die Hindernisse auf dem Weg zum Ermittlungserfolg: „Schon eine vertauschte Geburtszahl oder ein mit der Zeit veränderter Buchstabe im Nachnamen reichen aus, um die Suche ungemein kompliziert zu machen. Dazu kommen noch die in alten Dokumenten verwendeten Schriftweisen – oft sogar Handschriften –, die für Laien meist kaum mehr zu entziffern sind. Bei der Erbenermittlung gehe ich zudem immer ein finanzielles Risiko ein“, gibt er zu. „Im Gegensatz zur reinen Ahnenforschung muss ich bei der Erbenermittlung nämlich in Vorleistung treten. Finden sich am Ende keine Erben, bleibe ich auf den Kosten sitzen.“

Eine klassische Ausbildung zum Erbenforscher gibt es aktuell in Deutschland nicht (siehe dazu auch den Hintergrund zur Aus- und Weiterbildung: „Immer auf der Suche“). Christian Andreas Hoske ist demnach Quereinsteiger. Der gelernte Bürokaufmann (heute: Kaufmann/frau für Büromanagement) ist letztlich seiner Leidenschaft gefolgt. „Suchen und finden – das hat mich schon immer fasziniert“, sagt er. Der Weg zu seiner heutigen Tätigkeit begann 2006 im Landeskirchenarchiv Eisenach. Dort arbeitete er als ehrenamtlicher Archivar unter anderem tausende alter Kirchenbücher durch und erstellte ein Gesamtverzeichnis der Bestände in Thüringen. Drei Jahre später hat er sich schließlich selbstständig gemacht – und damit sein Hobby zum Beruf.

Unendliche Möglichkeiten zur Recherche

Differenziert betrachtet der Ahnen- und Erbenforscher seinen weiteren beruflichen Werdegang. „Einerseits wird es im Bereich Erbenermittlung immer etwas zu tun geben. Und gerade durch das Internet ergeben sich fast unendliche Möglichkeiten zur Recherche. Aber durch die zunehmende digitale Erfassung von Personendaten könnten in Zukunft vor allem Erbenforscher überflüssig werden“, befürchtet er.

abi>> 08.07.2016